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"Ich vermisse hier den Mut, neue Wege zu gehen"

Dana Dubil ist DGB-Chefin für Ostsachsen. Von Bautzen aus will die 36-Jährige die neue Arbeitswelt mitgestalten.

Dana Dubil aus Kodersdorf ist tätig in Bautzen als Regionsgeschäftsführerin des DGB Ostsachsen.
Dana Dubil aus Kodersdorf ist tätig in Bautzen als Regionsgeschäftsführerin des DGB Ostsachsen. © SZ/Uwe Soeder

Kodersdorf/Bautzen. Für Dana Dubil ist Halbzeit, aber ohne Pause wie beim Sport. Halbzeit in ihrer Tätigkeit als Regionsgeschäftsführerin für Ostsachsen beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). 2018 wurde die junge Frau in das Amt gewählt. Vier Jahre ist man darin tätig, dann wird neu gewählt. Um es vorweg zu nehmen: Dana Dubil will sich ihrer Wiederwahl stellen. Dafür hat sie ihre Gründe.

"Gewerkschaftsarbeit ist vielseitig und macht mir großen Spaß", sagt die DGB-Chefin für Ostsachsen. Ihr Gebiet umfasst die beiden Landkreise Bautzen und Görlitz. Der DGB ist sozusagen das politische Dach für die acht auf Branchen aufgeteilten Einzelgewerkschaften. Diese sind für ihre Mitglieder zuständig und für die Tarifpolitik. Die bekanntesten dürften Ver.di, IG Metall und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sein. Letztere machte erst in den vergangenen Wochen durch Streiks der Lehrer und Erzieher auf sich aufmerksam.

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Politische Unterstützung im Arbeitskampf

Die IG Metall ist wiederholt in den beiden Waggonbau-Werken in Görlitz und Niesky aktiv, wenn es um den Erhalt der Produktion und damit der Standorte geht, ebenso im Görlitzer Siemens-Werk. Arbeitskämpfe werden von den dafür direkt zuständigen Gewerkschaften ausgetragen. Der DGB gibt politische Unterstützung, sagt Dana Dubil. Die Größe der Betriebe spielt dabei keine Rolle. Deshalb unterstützte der DGB und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) die wenigen Angestellten des Herstellers vom Bautzner Senf bei ihren Forderungen. Im September streikten sie fünf Tage lang für dem Westniveau angepasste Löhne.

Diese Aktionen vor Augen, sagt Dana Dubil, dass die Kampfbereitschaft in den Belegschaften wieder zugenommen hat. "Die Mitarbeiter sind jetzt schneller bereit für ihre Forderungen in den Streik zu treten, als vor einigen Jahren." Die Politisierung der Menschen, auch durch Bewegungen wie Pegida und Querdenker, hinterlassen positive und negative Spuren in der Gesellschaft. Die Görlitzer Großdemo zum Erhalt von Siemens und Waggonbau zeigte, wie nicht nur eine Stadt, sondern eine Region zu den beiden Traditionsunternehmen stehen. Für Dana Dubil war diese Aktion prägend.

Vom Mut der Menschen

Gewerkschaftsarbeit hat Dana Dubil schon seit ihrem Studium zur Diplombetriebswirtin an der Berufsakademie Bautzen interessiert und fasziniert. Das erste Mal eintauchen in diese Materie konnte sie während ihres studienbegleitenden Praktikums bei der IG Metall. Hier reifte ihr Entschluss, nach dem Studium als Gewerkschafterin zu arbeiten. Doch zuvor folgte noch ein zweites Studium an der Akademie der Arbeit in Frankfurt/Main. Ein Traineeprogramm führte Dana Dubil für sechs Wochen nach Flensburg. Daran denkt sie heute noch gern zurück: "Die Norddeutschen sind ein Menschenschlag, zu dem ich schnell Kontakt gefunden habe und die sich für ihre Interessen auch (laut-)stark machen. Diesen Mut, neue Wege zu gehen, etwas auszuprobieren, vermisse ich bei den Menschen in der Oberlausitz", erzählt sie.

Dana Dubil sieht sich als Pragmatikerin. "Die Gewerkschaft ist eine Mitmachorganisation. Sie lebt von den Aktivitäten ihrer Mitglieder", betont sie. Die "Gewerkschaftsabdeckung" fällt in den ostsächsischen Betrieben und Einrichtungen unterschiedlich aus. In Traditionsbetrieben der Industrie sind die Gewerkschaften schon immer zu Hause. Schwieriger wird es bei jungen, neu gegründeten Firmen und Einzelunternehmern. "Auch für sie sind wir als Gewerkschaft da", sagt die Regionsgeschäftsführerin. Deshalb ist ihr wichtig, dass sich die Gewerkschaften auch für Solo-Selbstständige öffnen. Viele von ihnen haben jetzt mit den Corona-Einschränkungen zu kämpfen, sind in Sorge um ihre Existenz.

Der direkte Kontakt fehlt

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Gewerkschaftsarbeit. "Wir erreichen in den Unternehmen und Einrichtungen nicht mehr alle Beschäftigten, weil sie von zu Hause aus arbeiten oder in Kurzarbeit sind", berichtet Dana Dubil. Aber auch in der eigenen Tätigkeit untereinander sind neue Wege zu gehen. Telefon- und Videokonferenzen ersetzen traditionelle Tischrunden bei den Gewerkschaften und sorgen für einen Digitalisierungsschub.

Dadurch kommen auf Dana Dubil neue Aufgabenfelder zu - wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei einer im Homeoffice arbeitenden Mutter in Zeiten geschlossener Schulen und Kitas. Oder dass Unternehmer Büroflächen einsparen, weil die Angestellten ihre Arbeit von zu Hause aus genauso machen können. "Das sind viele neue Herausforderungen, die die Gewerkschaftsarbeit für mich so spannend macht. Die Arbeitswelt ist einem stetigen Wandel unterzogen, einen Stillstand gibt es nicht."

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Das betrifft sogar die eigene Familie in Kodersdorf. Dana Dubils Mann ist über einen Werkvertrag für ein großes Unternehmen in Bautzen tätig. Mit dem Nachteil, dass der Lohn nicht von dem Unternehmen kommt, für das er arbeitet, sondern von seinem Arbeitgeber. Und dieser fällt geringer aus - kontra dem Grundsatz: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Hier haben die Gewerkschaften noch ein großes Betätigungsfeld.

Seit drei Jahren arbeitet Dana Dubil beim DGB Ostsachsen. Angefangen hat sie nach der Elternzeit ihrer zweiten Tochter. In Kodersdorf lebt sie schon seit ihrem dritten Lebensjahr. Ihre Eltern haben dort einen Dreiseithof in dem auch die junge Familie wohnt. Dank der Autobahn ist sie in einer halben Stunde in Bautzen und wieder zu Hause. Aber das spielt momentan eine untergeordnete Rolle, denn auch die Gewerkschaftsfrau arbeitet vieles im Homeoffice ab. Die neue, digitale Arbeitswelt hat damit auch die 36-Jährige in Kodersdorf erreicht.

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