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Klitten putzt seine Kirche heraus

Die drittschönste Kirche Deutschlands hat Fördergelder bekommen, um Dach und Fassade zu erneuern. Jetzt sind noch Spender gefragt.

Von Steffen Gerhardt
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Die Evangelische Kirche mit Friedhof in Klitten. Ende der 1990er Jahre wurde ihr Inneres restauriert. Nächstes Jahr soll die Außenhülle drankommen.
Die Evangelische Kirche mit Friedhof in Klitten. Ende der 1990er Jahre wurde ihr Inneres restauriert. Nächstes Jahr soll die Außenhülle drankommen. © Archiv/André Schulze

Dieses Jahr haben Pfarrer Daniel Jordanov und die Kirchengemeinde Klitten gleich zweimal Grund zur Freude: Im Frühjahr wurde die Klittener evangelische Kirche auf den dritten Platz des bundesweiten Wettbewerbes "Kirche des Jahres 2021" gewählt. Initiator ist die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland. Dieser Tage erhielt der Pfarrer einen Fördermittelbescheid vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen.

270.000 Euro bewilligt das Amt der Kirchgemeinde für die Sanierung ihres Gotteshauses. "Wir haben neben dem Erneuern des Daches auch das Ausbessern des Außenputzes vor. Undichte und kaputte Fenster sollen ersetzt werden und die Kirche von außen einen neuen Anstrich bekommen", zählt der Pfarrer auf. Das Geld vom Denkmalamt allein wird dafür nicht reichen. Die Gesamtkosten sind auf den doppelten Betrag kalkuliert.

50.000 Euro fehlen noch

Die zweite Säule der Finanzierung stützt sich auf Gelder der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz. "Bleiben noch 50.000 Euro offen - und die wollen wir über Spenden zusammentragen", erklärt der Pfarrer.

Der Anfang wurde bereits gemacht. Mit einem Benefizkonzert zugunsten der Kirche. Zusammen mit dem Posaunenchor der Kirche trat der Dresdner Künstler Ulrich Thiem mit seinem Cello zum Reformationstag in Klitten auf. Dem werden weitere Aktionen folgen.

Klittener Kirche steht 800 Jahre

Die Sanierungsarbeiten werden im neuen Jahr beginnen und auch ihren Abschluss finden. Denn dann steht das Gotteshaus 800 Jahre in Klitten. Das brachten jüngst Recherchen in einem Bautzener Archiv zutage. Dort steht die Jahreszahl 1222 als Gründungsjahr der Klittener Kirche. Bisher wurde von 1346 als erste urkundliche Erwähnung ausgegangen.

Eine erstaunliche Geschichte, zumal zweimal im 20. Jahrhundert die Klittener um ihre Kirche bangen mussten. Durch einen Einschuss in den Turm brannte die Kirche im April 1945 bis auf die Grundmauern nieder. Drei Jahre dauerte ihr Wiederaufbau. Rund 40 Jahre später sollte die Kirche der Braunkohle weichen. Das konnten die Klittener verhindern und ihren Ort vor einer Devastierung retten.

Die Klittener Kirche ist nicht nur reich an Geschichte, sondern auch an Ausstattung. Der Altar stammt aus der Schule des Wittenberger Malers Lucas Cranach des Jüngeren (1515 bis 1586). Seit 443 Jahren schmückt er das Innere dieser Dorfkirche und überstand unbeschadet dank zeitiger Auslagerung den Brand 1945.

Bevor die Bauarbeiten an der Kirche beginnen können, müssen die Dachbewohner noch umgesiedelt werden. Über die Jahrzehnte hat sich eine Fledermauskolonie aus mehreren Arten über dem Kirchenschiff eingenistet. Sie soll mit fachmännischer Hilfe unter die Turmhaube umziehen. Erst dann kann am Kirchendach die Arbeit beginnen.