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Gehen der Feuerwehr die Mitstreiter aus?

In Bremenhain steht die Auflösung kurz bevor. Auch anderswo im Kreis ist Personal knapp. Wie's um die Einsatzbereitschaft steht, soll getestet werden.

Christian Lachmann, Frank Weikelt und Klaus Weber (von links) sind die letzten drei aktiven Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bremenhain. Wegen Personalmangel wird sie demnächst aufgelöst.
Christian Lachmann, Frank Weikelt und Klaus Weber (von links) sind die letzten drei aktiven Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bremenhain. Wegen Personalmangel wird sie demnächst aufgelöst. © André Schulze

Morgens, gegen neun, in Bremenhain. Blaulicht ist zu sehen. Und ein rotes Auto nach dem anderen. Aus allen Himmelsrichtungen rücken Löschfahrzeuge an. Ein Großbrand? Nein. Aber ein wichtiger Test: Weil der Bremenhainer Feuerwehr die Mitglieder ausgehen, sind alle Rothenburger Ortswehren unangemeldet alarmiert worden. Sie sollen zeigen, ob sie auch Bremenhain mit abdecken können - im Fall der Fälle.

Für Stadtwehrleiter Torsten Juckel ist das ein trauriger Moment. "Wir haben schon seit Monaten Probleme mit der Einsatzbereitschaft der Bremenhainer." Bereits seit 2018 ist das so. Nun wird ein Schlussstrich gezogen. Die Ortswehr soll aufgelöst werden. Entscheiden muss das der Stadtrat. Dass es so kommen wird, scheint jedoch unausweichlich.

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Statt zehn gibt es nur drei aktive Feuerwehrleute

Mindestens zehn Mistreiter wären nötig, um die Wehr am Leben zu halten. Davon müssten vier Personen Atemschutzgeräteträger sein. Von solchen Zahlen sind die Bremenhainer meilenweit entfernt. Aktuell gibt es nur noch fünf Mitglieder. Allerdings kommen nur drei davon für den aktiven Dienst in Betracht, weil die anderen beiden den notwendigen Grundlehrgang nicht absolviert haben - und das auch nicht wollen. "Der dauert 70 Stunden. Der Aufwand ist eben ziemlich hoch", bedauert Juckel. Aber auch die drei Aktiven kommen aufgrund ihres Alters der Ehrenabteilung immer näher.

Ortswehrleiter Christian Lachmann findet es schade, dass eine solche langjährige Tradition auf so unrühmliche Weise enden muss. Allerdings sieht er auch keine Alternative. Schon 2018 habe es dazu eine Einwohnerversammlung gegeben. "Danach bin ich mit unserer Bürgermeisterin Frau Böhm von Haus zu Haus gegangen. Wir haben alle infrage kommenden Personen zwischen 16 und 60 Jahren angesprochen. Aber unsere Appelle haben einfach nichts genützt." Die Bereitschaft mitzuwirken fehlte.

Lachmann hofft, dass mit dem nahenden Ende der Feuerwehr die Freizeitaktivitäten im Ort nicht ebenfalls den Bach hinuntergehen. Immerhin hätten sich die Kameraden sehr um die Kultur in Bremenhain verdient gemacht. Beim Wintergrillen, Hexenfeuer und Dorffest gehörten sie mit zu den Aktivposten. "Wir sehen zu, dass wir das auch weiterhin in den Griff bekommen."

Die drei noch einsatzfähigen Kameraden sollen künftig eine Löschgruppe bilden - so die Idee. Das würde bedeuten, dass sie sich weiterhin um die Pflege der Filterbrunnen kümmern und im Einsatzfall als ortskundige Helfer zur Verfügung stehen. In eine andere Ortsfeuerwehr einzutreten hat nach Ansicht von Torsten Juckel wenig Sinn. Die Anfahrtswege seien einfach zu lang, das funktioniere von den Zeiten her nicht.

Testalarmierungen zur Einsatzfähigkeit

Dagegen stimmen die Zeiten bei den anderen Rothenburger Ortswehren sehr wohl, wenn sie zu Brand oder Hilfeleistung nach Bremenhain gerufen werden. Dies ist das Ergebnis der Alarmübung, die der für den Altkreis Niesky zuständige stellvertretende Kreisbrandmeister Holger Heckmann ausgewertet hat. "Der Gesetzgeber fordert, dass die ersten neun Kräfte nach 13 Minuten am Einsatzort sein müssen. Hier waren sogar zwölf zur Stelle." Weitere sechs müssen nach 18 Minuten am Ort des Geschehens sein. Die Feuerwehren von Rothenburg und den Ortsteilen trafen in diesem Zeitraum mit 27 Personen ein. "Darunter waren auch sehr viele Atemschutzgeräteträger. Deshalb können wir aus fachlicher Sicht sagen: Die Kameraden können den Wegfall der Bremenhainer Wehr kompensieren", lobt Heckmann die Einsatzbereitschaft aller alarmierten Kräfte.

Die Situation in Bremenhain ist jedoch kein Einzelfall. Vor einigen Jahren war Rothenburg schon einmal betroffen. Damals verabschiedete sich die Geheeger Wehr, nur noch ein paar ortskundige Helfer sind in der Löschgruppe übriggeblieben. Insgesamt aber scheint das Problem akut noch nicht im Landkreis angekommen zu sein. Kreisbrandmeister Björn Mierisch: "Bremenhain ist momentan ein Einzelfall." Allerdings werde er - wenn es die Corona-Lage wieder zulasse - testweise auch andere von Personalnot gezeichnete Wehren alarmieren. "Es ist einfach wichtig, die Leistungsfähigkeit einzuschätzen, um im Bedarfsfall reagieren zu können."

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