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Feuerwehr verkauft Geistertickets fürs Hexenfeuer

Auch Bier und Bratwurst gibt's in Niesky - aber nicht "in echt". Das hat mehrere Gründe. Vorbild für die Aktion ist Dynamo Dresden.

Das vom Nieskyer Feuerwehrverein regelmäßig organisierte Hexenfeuer findet in diesem Jahr nicht statt. Stattdessen werden Geistertickets verkauft.
Das vom Nieskyer Feuerwehrverein regelmäßig organisierte Hexenfeuer findet in diesem Jahr nicht statt. Stattdessen werden Geistertickets verkauft. © Archiv/Jens Trenkler

Was in der Landeshauptstadt funktioniert hat, sollte in Niesky nicht völlig daneben gehen, so die Hoffnung des Nieskyer Feuerwehrvereins. Denn die Idee, für eine Veranstaltung Geistertickets zu verkaufen und dabei auf die Begeisterungsfähigkeit der Menschen zu setzen, haben sich die Floriansjünger von Fußball-Drittligist Dynamo Dresden abgeschaut.

"Schon Anfang des Jahres war für uns klar, dass wir nach 2020 auch in diesem Jahr kein Hexenfeuer wie sonst üblich veranstalten können. Rund 800 Besucher kommen da normalerweise. Doch in diesen besonderen Zeiten geht das eben nicht", erklärt Vereinschef Jens Trenkler. Deshalb entwickelte man "Plan B". "Wir wollten entweder auf dem Rosensportplatz oder am Feuerwehrgebäude Fischsemmeln und Bratwürste zum Mitnehmen verkaufen. Mit Online-Reservierung davor im Internet. Damit hätten wir auch die Kontaktdaten der Leute gehabt, falls die Nachverfolgung von Ansteckungen nötig gewesen wäre."

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Coronapandemie stoppt auch die Notvarianten

Allerdings kam es in der Vorbereitung auch hier schnell zu Schwierigkeiten. "Das Betreten des Feuerwehrgerätehauses ist nur im Ernstfall oder sonst in ganz dringenden Fällen erlaubt. Selbst ein normales Vereinsmitglied hat da aktuell nichts zu suchen", stellt Trenkler klar. Denn: "Wenn die Feuerwehr ausfallen würde, wäre das eine Katastrophe!" Allerdings befinden sich die Kühlschränke, Bänke und das Grill-Equipment genau hier. Ein ständiges Raus und Rein - viel zu gefährlich. Zudem hätten die Leute wahrscheinlich einen negativen Schnelltest nachweisen müssen. "Ich weiß nicht, wie viele diesen Aufwand betrieben hätten. Und wenn doch, wären die Apotheken bei 700, 800 Tests wahrscheinlich an ihre Grenzen gekommen."

Deshalb schwenkte der Feuerwehrverein rechtzeitig um auf "Plan C". Der vereinsintern beileibe nicht als Notlösung gilt. "Wir haben viele Dynamo-Fans in unseren Reihen. Und Dresden hat Ende des vergangenen Jahres für das Pokalspiel gegen Darmstadt jede Menge Geistertickets verkauft. Am Ende der Aktion waren es über 72.000", erzählt Jens Trenkler über den Aufhänger für den Nieskyer Plan.

Jens Trenkler ist Vorsitzender des Nieskyer Feuerwehrvereins. Er hat die Geisterticket-Aktion zusammen mit seinen Vereinsmitgliedern initiiert.
Jens Trenkler ist Vorsitzender des Nieskyer Feuerwehrvereins. Er hat die Geisterticket-Aktion zusammen mit seinen Vereinsmitgliedern initiiert. ©  Archiv/André Schulze

Vielleicht gehen nicht ganz so viele Tickets wie beim großen Vorbild über den virtuellen Ladentisch. Allerdings ist die Auswahl auf der Internet- und der Facebookseite des Feuerwehrvereins auch bedeutend größer. Denn dort ist nicht nur ein Hexenfeuer-Geisterticket für 10 Euro zu bekommen. Bratwurst und Fischsemmel gibt es für je 2,50 Euro, den Kasten Landskron-Bier für 15 Euro. Schaschlick, Sekt und Fassbrause komplettieren das Angebot. Wer seinen Geistereinkauf ausgewählt hat, der klickt sich weiter und kann online gleich bezahlen. Bis zum 20. Mai soll die Aktion laufen.

Geistertickets sollen den Nieskyer Verein retten

"Eine Zielmarke haben wir uns nicht gesetzt", sagt der Vereinschef. Allerdings hilft jeder Euro wirtschaften. Denn Hexenfeuer und Weihnachtsmarkt waren bisher die beiden wichtigsten Termine, etwas Geld in die Kasse des Feuerwehrvereins zu bekommen. Diese Quellen sind nun vorerst versiegt, die Ausgaben laufen aber weiter. Dazu zählen Erhaltungs- und Wartungsarbeiten ebenso wie Kosten für Steuerberater und Versicherungen. Aber auch verschiedene öffentlichkeitswirksame Aktionen kosten Geld. So waren die knallroten Feuerwehrautos oft schon in Nieskyer Kitas zur Verabschiedung der Abc-Schützen vor Ort, Kameraden unterstützten zudem kulturelle Veranstaltungen. Während der Coronakrise sang Nicci Schubert von der Spitze der ausgefahrenen Feuerwehrleiter mehrmals für die Bewohner des Emmaus-Seniorenheimes.

Um die finanzielle Durststrecke durchzustehen, setzt der Feuerwehrverein nun auf die Nieskyer und andere Sympathisanten. "In der Vergangenheit haben wir vielen Menschen geholfen. Nun hoffen wir, dass die Leute für uns das Gleiche tun", wirbt Jens Trenkler um eine möglichst große Resonanz. "Jeder, der sich am Geisterticket-Kauf beteiligt, sichert den Bestand unseres Vereins und sorgt so auch für kulturelle Bereicherung in der Stadt."

Die Geisterticket-Aktion des Nieskyer Feuerwehrvereins läuft über www.feuerwehr-niesky.de oder die Facebook-Seite des Vereins.

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