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Erster ausrangierter Airbus ist komplett zerlegt

Die meisten Teile werden wiederverwendet. Nun wird das Recycling größer aufgezogen. Hat Rothenburg dafür eine Chance?

Im vergangenen Dezember freute sich Flugzeugwerke-Chef Andreas Sperl über den Beginn des Recycling-Projektes. Inzwischen ist das erste Flugzeug komplett zerlegt.
Im vergangenen Dezember freute sich Flugzeugwerke-Chef Andreas Sperl über den Beginn des Recycling-Projektes. Inzwischen ist das erste Flugzeug komplett zerlegt. © André Schulze

Von dem Airbus A 320, der Ende November vergangenen Jahres auf dem Rothenburger Flugplatz landete, ist nichts mehr übrig. Zerlegt in seine Einzelteile - so war der Plan. Und so ist es geschehen. Rund vier Monate hat das gedauert. Nun legen die Elbe Flugzeugwerke (EFW) größere Maßstäbe an.

Die Arbeit an dem 55 Tonnen schweren Flieger war der erste Härtetest für die Initiatoren des Recycling-Projekts. Im August 2019 hatten EFW und der Landkreis Görlitz als Eigentümer des Flugplatzgeländes dazu eine Absichtserklärung unterzeichnet. Danach war - sozusagen zur Probe - ein Kleinflugzeug zerlegt worden.

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Der Airbus sollte bei großen Verkehrsflugzeugen das Exempel statuieren. Dazu zog das Dresdener Unternehmen Mitarbeiter aus dem Stammwerk und der Kodersdorfer Tochter CCI Assembly in Rothenburg zusammen. Auch Spezialisten der Partnerfirma EcoFly aus der Schweiz waren beteiligt. Nach dem Ende der Aktion vor wenigen Tagen steht fest: "85 Prozent aller Komponenten und Materialien konnten wiederverwertet werden", so Firmen-Sprecherin Anke Lemke. So hat das Cockpit ein zweites Leben als Flugsimulator bekommen. Fahrwerk, Hilfsturbine und Triebwerke sind - eingebaut in noch funktionstüchtige Flieger - inzwischen wieder in der Luft.

Das Cockpit des recycelten Airbus A 320 wird inzwischen als Flugsimulator genutzt.
Das Cockpit des recycelten Airbus A 320 wird inzwischen als Flugsimulator genutzt. © André Schulze

Experten von EcoFly sind derzeit außerdem mit der Analyse beschäftigt, inwieweit auch Legierungen und Verbundwerkstoffe weiter herausgelöst werden können - was die Recycling-Quote noch einmal erhöhen würde. Dass die wiederverwertbaren Teile und Materialien in der Branche von großem Interesse sind, beweist ein Blick auf die Wirtschaftlichkeit. "Je nach Art der Teile kosten Recyclingkomponenten bis zu 60 Prozent des Neupreises", erklärt Anke Lemke. Flugzeug-Recycling habe deshalb das Zeug zum Erfolgsmodell.

Nun geht es allerdings darum, die Idee in größerem Maßstab aufzuziehen, um daraus ein Geschäft zu machen. Nach Angaben der EFW-Sprecherin würden pro Jahr etwa zehn Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge gebraucht, um eine Abrüst-Linie voll auszulasten. Dabei sei man nicht nur an Airbus-Maschinen gebunden, so Lemke. Auch ausgediente Boeings könnten in Rothenburg landen. An der Verfügbarkeit der Flieger dürfte es nicht scheitern. Schon beim Start des Projektes im vergangenen Dezember hatte EFW-Geschäftsführer Andreas Sperl davon gesprochen, dass in den kommenden fünf Jahren weltweit rund 9.000 Flugzeuge stillgelegt werden. Deren Anzahl könnte sich pandemiebedingt durchaus noch erhöhen.

Baulich müsste am Flugplatz Rothenburg einiges passieren, sollte das Flugzeug-Recycling hier im großen Maßstab aufgezogen werden. Der Hangar ist für Großflugzeuge bisher viel zu klein.
Baulich müsste am Flugplatz Rothenburg einiges passieren, sollte das Flugzeug-Recycling hier im großen Maßstab aufgezogen werden. Der Hangar ist für Großflugzeuge bisher viel zu klein. © André Schulze

Ob das Flugzeug-Recycling allerdings im großen Stil in Rothenburg aufgezogen wird, ist noch nicht sicher. Zwar spricht mit dem Landeplatz, seinen Anlagen und der guten Kooperation mit dem Landkreis vieles dafür. Allerdings ist die Neißestadt als möglicher Standort offenbar nicht allein. Genaue Aussagen darüber gibt es nicht. Nur so viel: "Bis zum Sommer werden wir entscheiden, wann und wo wir mit dem Industrialisieren des Projektes beginnen", so Anke Lemke.

Für den wirtschaftlichen Betrieb einer solchen Anlage müssen natürlich die Voraussetzungen stimmen. Dabei definiert sich die Eignung einerseits über die vor Ort angebotenen Dienstleistungen - wie logistische Anbindung, Tankfahrzeuge und Ground Power, die sogenannte Bodenstromversorgung. Andererseits aber auch über die Ausrüstung des Flugplatzes sowie bauliche Anlagen. Ein Punkt wäre hier die Erweiterung des Hangars. Die kommerzielle Auswertung laufe aktuell noch, so die Sprecherin.

Ziel von Stadt und Landkreis ist es, am Rothenburger Flugplatz ein Zentrum für Nachhaltigkeit zu etablieren.
Ziel von Stadt und Landkreis ist es, am Rothenburger Flugplatz ein Zentrum für Nachhaltigkeit zu etablieren. © André Schulze

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