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Jubiläum für Stannewischs grünes Klassenzimmer

Ralf Eichler leitet das Waldschulheim seit 30 Jahren. In dieser Zeit ist viel Neues entstanden, und es gibt Pläne für die Zukunft.

Vor 30 Jahren hat Sachsenforst das Waldschulheim in Stannewisch übernommen. Seit dieser Zeit ist Ralf Eichler der Leiter der forstlichen Schulungsstätte.
Vor 30 Jahren hat Sachsenforst das Waldschulheim in Stannewisch übernommen. Seit dieser Zeit ist Ralf Eichler der Leiter der forstlichen Schulungsstätte. © André Schulze

Das Waldschulheim in Stannewisch ist seit 30 Jahren eine Einrichtung des Staatsbetriebes Sachsenforst. Solange ist Ralf Eichler bereits der Leiter dieser idyllisch im Wald gelegenen kleinen Siedlung. Das stand aber nicht im Plan des Forstfachmannes.

"Bis zur Rente würde ich das Waldschulheim noch führen wollen", sagt Eichler. Er ist jetzt 56 Jahre. Ihm ist diese Aufgabe ans Herz gewachsen, nachdem sie ihm, damals 26-Jährig, vom Staatsbetrieb Sachsenforst übertragen wurde. Ralf Eichler ist schon immer ein Freund des Waldes. Mit seiner Familie wohnt er in Geheege bei Rothenburg. Er ließ sich zum Förster ausbilden und bekam das Revier Deschka als seinen Zuständigkeitsbereich. Zudem war er Jagdverantwortlicher.

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Bevor das Waldschulheim zu seinem Arbeitsplatz wurde, ist Ralf Eichler im Forstamt Niesky tätig gewesen und hat sich um die Liegenschaften des Forstes gekümmert. Eine vorübergehende Tätigkeit. "Das Gleiche glaubte ich von der Leitung des Waldschulheimes. Nun sind es bereits 30 Jahre geworden", erzählt er. Aber die Arbeit mit den Kindern, in ihnen die Lust und das Interesse für den Wald zu wecken, das macht dem Vater zweier erwachsener Söhne Freude. "Sie sind wie ausgewechselt, wenn sie bei uns mitten in der Natur sind", ist seine Erfahrung.

In guten Zeiten kommen 2.000 Gäste

Über mangelnden Zuspruch am Waldschulheim in den drei Jahrzehnten kann sich der ehemalige Förster nicht beklagen. Dass man sich seit September bereits für die Jahre 2023 und 2024 anmelden sollte, spricht für das Interesse an dieser forstlichen Einrichtung.

"Auf die Jahre gerechnet, haben wir durchschnittlich rund 1.000 Schlafgäste und 1.000 Tagesbesucher im Jahr", zählt Ralf Eichler auf. Diese Statistik wirbelte aber die Corona-Pandemie völlig durcheinander. Übernachtungen waren nicht mehr möglich und die Zahl der Tagesgäste reduzierte sich auf die Hälfte. Erst seit dem neuen Schuljahr steigt die Zahl der Besucher wieder. "Schaue ich auf das nächste Jahr, sind wir von April bis September bereits ausgebucht", so Eichler. Dabei betont er, dass Sachsenforst in seinen drei Waldschulheimen keine Stornogebühren erhebt, sollte eine Klassenfahrt abgesagt werden.

Es ist nicht nur das zwei Hektar große Areal des Waldschulheimes für die Gäste da. Dem schließt sich ein zehn Hektar umfassendes Wildgehege mit Dam- und Muffelwild an sowie ein Spielplatz und ein Trimm-dich-Pfad. Beides hat die Stadt Niesky in dem Ortsteil geschaffen.

Schon zu DDR-Zeiten war das Waldschulheim Stannewisch ein beliebter Ort für Kinder und Jugendliche. Damals dienten sechs Finnhütten als Unterkunft und die Doppelstockbetten wurden von Jugendlichen 1982 aus Brettern selbst gebaut.
Schon zu DDR-Zeiten war das Waldschulheim Stannewisch ein beliebter Ort für Kinder und Jugendliche. Damals dienten sechs Finnhütten als Unterkunft und die Doppelstockbetten wurden von Jugendlichen 1982 aus Brettern selbst gebaut. © SZ-Archiv/Günter Mauer

Vier Beschäftigte sind auf Achse

Drei Angestellte zählt Ralf Eichler zu seinem Personal: Neben ihn als Leiter sind ein Mitarbeiter als sein Stellvertreter, ein Hausmeister und eine Küchenfrau in Stannewisch beschäftigt. Mehr Personal gibt es dort nicht. Honorarkräfte übernehmen zusammen mit Eichler und seinem Stellvertreter das Lehrprogramm der "Waldschule". Denn das, was die Mädchen und Jungen hier lernen und erfahren, orientiert sich an den sächsischen Bildungsplänen. "Wir machen hier richtig Schule mit den Kindern", sagt Eichler, aber in einer naturnahen Umgebung.

Kinder der 4. Klasse der Grundschule Hochkirch bauen mit Leiter Ralf Eichler (links) einen Zaun zum Schutz um einen Ameisenhaufen im Wildgehege des Waldschulheims Stannewisch.
Kinder der 4. Klasse der Grundschule Hochkirch bauen mit Leiter Ralf Eichler (links) einen Zaun zum Schutz um einen Ameisenhaufen im Wildgehege des Waldschulheims Stannewisch. © André Schulze

Grünes Klassenzimmer bald fertig

Dazu wird das Grüne Klassenzimmer beitragen, das einer Schulklasse unter Laubbäumen Platz bietet. Die letzten Arbeiten daran sind im Gange. Das Waldschulheim ist nicht nur eine Schule im Grünen, sondern auch eine Freizeiteinrichtung. Dazu tragen die neuen Attraktionen wie ein Basketballfeld und ein Freiluftschachspiel bei. Aber auch Kleinfeldfußball, Volleyball und Tischtennis bieten Bewegung an frischer Waldluft.

Ralf Eichler will die alte Freiluftkegelbahn wieder aktivieren, die noch aus DDR-Zeiten stammt, in der das Waldschulheim mehr ein Kinderferienlager war. "Es wird eine moderne, aber weiterhin von Hand zu bedienende Anlage werden", ist Eichlers Vorstellung. Auch beim Kegeln wird für Bewegung gesorgt.

Nach der Jahrtausendwende hat sich vieles getan im Waldschulheim. Neben einem Unterkunftsgebäude entstand das Waldhaus vor dem Marco Gerlach und Elisa Hirche vom Regimentsspielmannszug Görlitz posieren. Der Spielmannszug war im Juni 2009 zu Gast in Stanne
Nach der Jahrtausendwende hat sich vieles getan im Waldschulheim. Neben einem Unterkunftsgebäude entstand das Waldhaus vor dem Marco Gerlach und Elisa Hirche vom Regimentsspielmannszug Görlitz posieren. Der Spielmannszug war im Juni 2009 zu Gast in Stanne © SZ-Archiv/Rolf Ullmann

Platz für 42 Schlafgäste

Die 30 Jahre im Rückblick, sagt Eichler, dass sich der Träger der Einrichtung um Investitionen nicht gedrückt hat. Die alten und viel zu kleinen Finnhütten wurden abgerissen und 2004 durch ein modernes Unterkunftsgebäude ersetzt. Mit einem großen Foyer als Schlechtwettervariante. Sieben Zimmer bieten 42 Gästen in Doppelstockbetten Platz. Dazu kommt noch ein Zimmer für Erzieher beziehungsweise Lehrer. Eine Finnhütte blieb stehen und wurde 2008/09 komplett saniert und umgebaut. Sie bietet seitdem Küche und Speiseraum, der auch als großes Klassenzimmer genutzt wird.

Als drittes Gebäude und gleichfalls aus Holz entstand darauf das Waldhaus. Unter seinem Dach sind eine moderne Holzwerkstatt, ein weiterer Unterrichts- und Bastelraum sowie ein Krankenzimmer zu finden. Dazu ein Gästezimmer, um einen Praktikanten unterzubringen. Alles zusammen bietet den Gästen auch in den kommenden Jahren ideale Bedingungen, um sich auf die Spuren der Natur zu begeben.

Inzwischen zählen bereits die Kinder der Erwachsenen zu den Gästen, die selbst als Schulkind erlebnisreiche Tage im Waldschulheim verbracht haben. "Oft stelle ich das bei Betreuern von Klassen fest. Sie möchten gern die Einrichtung noch einmal sehen, ist ihr Argument", so Eichler.

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