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Warum Friseure keine Tests anbieten

Seit Kurzem reicht es nicht, einen Selbsttest beim Friseur vorzuweisen. Man braucht einen "amtlichen". Das kann in den Dörfern schnell ein Problem werden.

Gertraud Großmann ist als Friseurin in Neißeaue bekannt. In Zentendorf führt sie ihren Salon.
Gertraud Großmann ist als Friseurin in Neißeaue bekannt. In Zentendorf führt sie ihren Salon. © André Schulze

Ihre Kunden auch noch selbst testen, das tut sich Gertraud Großmann nicht an. "Dafür geht mir zu viel Zeit verloren, und einen eigenen Raum dafür habe ich auch nicht", sagt die Friseurmeisterin aus Zentendorf. Dennoch kommt nur der Kunde unter die Schere, der im Salon einen amtlichen Negativtest seiner Person vorlegen kann.

"Praktisch sieht das so aus, dass, wenn meine Kunden einen Friseurtermin vereinbaren, ich sie gleich darauf hinweise, dass sie einen tagesaktuellen Negativtest vorweisen müssen", erklärt Frau Großmann das Prozedere. Selbsttests gelten nicht mehr. Doch auch eigene Tests bietet die 64-Jährige nicht an.

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Damit allein ist es aber nicht getan. Sachsen hat vollständig gegen Corona geimpfte Menschen sowie Genesene seit dem 10. Mai in vielen Punkten mit negativ getesteten Menschen gleichgestellt. Diese Personen müssen ihre Impfungen beziehungsweise ihre Corona-Krankheit zwar ebenso nachweisen, brauchen aber keinen Test machen.

Zu hoher Aufwand bei eigenen Tests

Karina Bräuer, sie führt ihr Friseurgeschäft in Horka, sagt, dass der Aufwand schon hoch ist, um die Corona-Bestimmungen zu erfüllen. So muss jeder Kunde erfasst werden, um eine Kontaktnachverfolgung zu gewährleisten. "Ich habe für jeden meiner Kunden mir ein Blatt Papier angefertigt, auf dem ich seine Adresse aufschreibe und ankreuze, ob er einen Negativtest vorweist, an Corona erkrankt war oder geimpft ist."

Frau Bräuer bietet in ihrem Salon keine Schnelltests an. Zum einen müsste sie ihre Kunden eine halbe Stunde vor dem Friseurtermin bereits in ihr Geschäft bitten für den Test. Zum anderen wäre dieser für die Kundschaft mit Kosten verbunden, während Apotheken und Testzentren das kostenlos durchführen. Und dann bleibt noch die Frage, wer ihr die Zeit zum Testen bezahlt. Als Selbstständige niemand. Also ist bei Karina Bräuer die Verfahrensweise die gleiche wie in Zentendorf. Mit dem Buchen eines Friseurtermins wird die Kundschaft gleich darauf hingewiesen, den entsprechenden Nachweis mitzubringen.

Viele Senioren sind schon geimpft

Beide Friseurmeisterinnen stellen dabei fest, dass sich das Problem langsam von selbst erübrigen wird. Denn auf dem Lande sind es vorwiegend die älteren Bürger, die ihrem Friseur im Dorf treu bleiben. "Dass viele Senioren schon geimpft sind und damit größere Freiheiten haben, das merken wir auch bei uns", sagt Karina Bräuer. Trotzdem gilt auch in den Salons weiterhin die Maskenpflicht und ausreichend Abstand halten.

Aber es sind nicht nur die geimpften Senioren, die das Friseurgeschäft wieder ankurbeln. Nach dem Ansturm im März, als die Friseure mit Einschränkungen wieder öffnen durften, flaute das Geschäft im April ab, erholt sich aber seit Mai wieder. So die Erfahrung von Karina Bräuer. Das bestätigt auch Heike Hainke. Sie betreibt das Friseurgeschäft "Heike's Haarmonie" in Jänkendorf. Sie hat wie Karina Bräuer eine Frisörin als Mitarbeiterin. "Uns fehlen die Kunden, die sich für eine Feier die Haare schön machen lassen", sagt Heike Hainke. Jugendweihen und Konfirmationen sind zum Großteil in den Herbst verschoben. Hochzeiten finden weniger statt - und dann oft im kleinen Familienkreis. Das trifft auch auf andere Feiern wie Geburtstage und goldene Hochzeit und so weiter zu.

Schnelltest in Jänkendorf möglich

Entgegen ihren Kolleginnen im Friseurgewerbe, bietet Heike Hainke einen Corona-Schnelltest in ihrem Salon an. Die Kunden bezahlen dafür den Preis, den auch die Inhaberin beim Kauf der Testsets bezahlt hat. "Das ist ein zusätzlicher Service von uns, obwohl er mich vor allem Zeit kostet", betont Heine Hainke. Davon machen aber nur wenige Kunden Gebrauch. Die meisten kommen bereits mit einem Test aus der Apotheke, vom Arzt oder von einem Testzentrum zu ihr ins Geschäft.

Zudem ist Heike Hainke froh, dass das Ausführen "körpernaher Dienstleistungen" sich nicht nur auf den Friseurberuf beschränkt. Ihre Tochter ist für die kosmetische Fuß- und Nagelpflege im Salon zuständig - und auch in diesem Bereich gibt es wieder mehr zu tun.

Testmöglichkeit gleich um die Ecke

Dass es in Königshain eine Möglichkeit für den Schnelltest gibt, ist für Susanne Macher eine große Hilfe. Ihren Salon "Schönmacher" hat sie gleich gegenüber vom Hotel "Zum Firstenstein". Dort finden an vier Wochentagen durch eine örtliche Tagespflege Testungen statt. "Meine Kunden holen sich da ihren Test und kommen dann zu mir, wenn sie damit nicht schon woanders waren", ist Susanne Machers Erfahrung. Deshalb verzichtet sie darauf, selbst den Test anzubieten. "Das Prozedere ist mir zu umfangreich, und es kostet zu viel Zeit", sagt die Geschäftsfrau.

Bei der Friseurgenossenschaft "Sibylle" mit Sitz in Niesky hat man sich so gut es ging auf die Situation eingestellt, berichtet Vorstand Liane Söhndel. "Wir konnten ziemlich kurz nach Herausgabe der Anordnung, Tests den Kunden bereitstellen, oder die Kunden haben sich in den Apotheken und Testzentren selbst testen lassen und das Ergebnis bei uns vorgelegt." Neben zwei Salons in Niesky hat "Sibylle" auch zwei Geschäfte in Rothenburg und Mücke. Daher sind die Bedingungen für die Tests vor Ort sehr unterschiedlich. Zum einen ist ein Raum dafür vorhanden, zum anderen aber nicht. Aber das betrifft nur eine Filiale, wo sich die Kunden vor dem Eingang unter Aufsicht selbst testen.

Die Tendenz bei der "Sibylle" ist so, dass die Kunden jetzt mehr mit den eigenen Tests in der Tasche kommen und diesen im Friseurgeschäft durchführen. Es gibt aber auch einige Kunden, die keine Möglichkeiten haben, sich einen Test zu besorgen. Sie kaufen ihr Test-Set dann beim Friseur, erklärt Liane Söhndel.

Im Schöpstal überlässt man es ganz der Kundschaft, mit einem Negativtest zum Friseur zu kommen - oder mit den anderen Nachweisen. Jeannette Schaube führt ihren Hair Fashion-Friseursalon in Girbigsdorf. Bei Terminabsprachen verweist sie ebenfalls darauf, mit einem tagesaktuellen Test zu erscheinen. Unter Aufsicht können Kunden den Test auch vor ihrem Salon machen, aber für das Geschäft gilt, dass es nur negativ getestete Personen betreten dürfen - oder Genesene und Geimpfte.

Gefahr einer Ansteckung bleibt

In Kunnersdorf sieht Katrin Kossak noch eine andere Gefahr für sich und das Personal: "Was mache ich, wenn der Test in meinem Geschäft positiv ausfällt?", fragt sie und schlussfolgert daraus, dass sie dann schließen und in die Quarantäne muss. Das will die junge Frau vermeiden, die das Geschäft ihrer Mutter fortführt. Zudem braucht sie einen eigenen Raum für die Tests, und den hat sie nicht. Also gilt auch hier: Wer sich bei Kossaks die Haare schneiden lassen will, sollte sich vorher auf negativ testen lassen.

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Letztendlich ist derjenige gut beraten, der mit einem negativen Testergebnis seinen Friseurtermin wahrnimmt. Nicht alle Friseurgeschäfte im ländlichen Raum haben Schnelltests für ihre Kunden in der Schublade. Sie ersparen sich damit unnötigen Mehraufwand und entgehen der Gefahr, doch plötzlich einen infizierten Kunden im Laden stehen zu haben.

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