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Wie ein Rothenburger mit Falken jagt

Rudolf Garack ist einer der wenigen Falkner im Landkreis. Dabei erlebt er auch tragische Momente.

Der Rothenburger Falkner und Drogist Rudolf Garack mit seinem Jungfalken Ella und seinem Hund Aiti auf dem Flugplatz Rothenburg.
Der Rothenburger Falkner und Drogist Rudolf Garack mit seinem Jungfalken Ella und seinem Hund Aiti auf dem Flugplatz Rothenburg. © privat/Rudolf Garack

Ella macht gute Fortschritte in der Falkenschule von Rudolf Garack. "Wir sind täglich in der Ausbildung und Ella fliegt jeden Tag." Dazu fährt der Rothenburger zum Flugplatz hinaus, wo Ella ihre Runden ziehen kann. Immer mit dabei ist Hund Aiti als Begleiter oder wie der Falkner sagt als Pointer.  

Rudolf Garack ist einer der heute selten anzutreffenden Falkner im Landkreis. Denn er besitzt nicht nur Greifvögel und lässt sie fliegen, er geht mit ihnen auf Beizjagd. So heißt die Jagd mit abgerichteten Greifvögeln auf frei lebendes Wild. Bisher ist Anna, ein Wanderfalke, seine Begleiterin gewesen. "Sie war sehr auf mich geprägt, wir sind ein eingespieltes Team", erzählt Rudolf Garack. Er spricht in der Vergangenheit, denn Anna erlitt im vergangenen Jahr einen schweren Unfall. Kopfüber flog sie frontal gegen eine Betonwand. Schwere Kopfverletzungen und ein Schädelhirntrauma blieben zurück. 

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Falken über Wochen künstlich ernährt

Es grenzt schon an ein Wunder, dass der Falke das überlebt hat, sagt Rudolf Garack. Sie einschläfern zu lassen, das brachte der Besitzer nicht übers Herz. Stattdessen ernährte er seinen kranken Vogel sechs Wochen künstlich. Dazu nutzte er Sonden, die sonst in Kinderkliniken Verwendung finden. "Viel Zeit verwende ich für Anna und gebe ihr das Gnadenbrot", so Garack. Denn statt Besserung trat eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes ein: Anna ist inzwischen auch auf dem zweiten Auge erblindet und ihr Koordinationssystem funktioniert nicht mehr. "Auch wenn sie fliegen wollte, sie kann es nicht, weil sie sich nicht orientieren kann", fasst Garack die Tragik um Anna zusammen. Sie fristet ihr Dasein nun in einem großen Käfig und wird dort täglich gefüttert.   

Seit Juli hat Rudolf Garack eine neue Anna. Sie heißt Ella, ist ebenfalls ein Wanderfalke, und stammt aus einer Zucht. Beim Kauf war Ella ein halbes Jahr alt. Fliegen kann der Greifvogel. Die Kunst der Falknerei ist aber, das Tier zum Jäger zu machen, damit es im Beisein den Menschen seinem natürlichen Jagdinstinkt nachgeht.  Rudolf Garack, der in Rothenburg zusammen mit seiner Frau Ortrud eine Drogerie führt, hat Erfahrung darin. Schon als Schulkind faszinierte ihn die Arbeit der Falkner. Mit ihnen ist er oft in der Umgebung von Moritzburg unterwegs gewesen. "Ich kann mich noch gut daran erinnern wie ich mit einem Kauz auf der Schulter durch die Dresdner Heide gewandert bin", erzählt der heute 68-Jährige.

Ein Land der Falkner

Ein Siegfried Bruchholz, damals Leiter der Dresdner Jagdbehörde und später Revierförster in Rothenburg, brachte den jungen Garack zur Falknerei. Zu DDR-Zeiten war die Falknerei dem Kulturbund der DDR untergeordnet. Doch Falkner sind mehr Jäger als Künstler. Deshalb, und unter maßgeblichen Anteil von Siegfried Bruchholz, wurde die Falknerei dem Jagdwesen zugeordnet. Historisch gesehen war Sachsen schon immer ein Land der Falknerei - und das nicht nur zu Zeiten August dem Starken. Aber aus dieser Zeit stammt der Spruch: "Gebeiztes Wild ist königliches Wild".    

Ein Falkner ist nicht nur Jäger, sondern auch Naturschützer. Darauf legt Rudolf Garack großen Wert. Zu DDR-Zeiten war er ehrenamtlicher Horstbetreuer für Baumfalken, wurde dafür auch ausgezeichnet. Außerdem pflegte er kranke oder geschwächte Seeadler. Aus dieser Zeit weiß er, dass dem Tier jeden Tag Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Für Garack ist es eine Verpflichtung, auch Anna und Ella gegenüber. Eine bis zwei Stunden am Tag sollte man sich dafür freihalten, ist Garacks Erfahrung.    

Vögel vom Flugplatz vergrämen

Eine wichtige Aufgabe, der Rudolf Garack bis heute nachgeht, ist das Vergrämen von Vögeln auf dem Flugplatz Rothenburg. Das dient der Flugsicherheit, wenn ein Falke über dem Flugplatz kreist. Inzwischen, so der Falkner, haben das die Vögel verinnerlicht: "Wenn ich mit meinem Falke erscheine, gibt es schon eine Unruhe und oft genügt ein Schuss in die Luft und die Vögel ziehen weiter."   

Rudolf Garack ist nicht nur Falkner, sondern auch Jäger. Sein Stammrevier ist der Flugplatz nördlich seiner Heimatstadt. Denn um die Falknerei ausüben zu können, bedarf es nicht nur eine bestandene Falknerprüfung, sondern auch den Jagdschein. Dass ihm auch mal ein Falke übers Ziel hinaus fliegt, das ist dem Rothenburger schon passiert. Ein Falke war so mit dem Verfolgen von Krähen beschäftigt, dass er die Neiße überflog und sich in Polen verflog. "Also bin ich nach Polen gefahren und habe das Tier dort wohl wieder aufgefunden. Zum Glück hatte ich den Nachweis mit, dass es mein Falke ist. Sonst hätte es Schwierigkeiten mit der Heimfahrt gegeben." Denn Falken stehen unter strengem Artenschutz.

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