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Die Menschen zieht es in die Biergärten

Eine Kneipenszene hat Niesky nicht. Trotzdem atmen auch hier die Gastronomen auf - und hoffen auf Normalbetrieb ab nächster Woche.

Brunhilde und Herbert Wakup aus der Nähe von Paderborn in Nordrhein-Westfalen genießen ihr Eis im Eiscafé Rosengarten in Niesky. Sie machen Urlaub und erkunden die Gegend mit dem Fahrrad.
Brunhilde und Herbert Wakup aus der Nähe von Paderborn in Nordrhein-Westfalen genießen ihr Eis im Eiscafé Rosengarten in Niesky. Sie machen Urlaub und erkunden die Gegend mit dem Fahrrad. © André Schulze

Seit einer Woche dürfen Gaststätten in ihrem Außenbereich wieder Gäste bewirten. Das freut nicht nur die Gastronomen. Brunhilde und Herbert Wakup sind davon ebenso begeistert. Das Ehepaar aus der Nähe von Paderborn in Nordrhein-Westfalen macht seit Donnerstag Urlaub in Klitten. Dort bleibt das Auto stehen, denn die Touren werden mit dem Fahrrad unternommen.

"Wir sind zur richtigen Zeit in die Oberlausitz gekommen, so dass wir wenigstens die Außengastronomie auf unseren Touren nutzen können", sagt die 61-jährige Brunhilde Wakup. Zusammen mit ihrem Mann macht sie Rast am Eiscafé Rosengarten auf der Nieskyer Poststraße. "Montag sieht es zwar schlecht aus mit offenen Gaststätten, aber zumindest hier können wir es uns schmecken lassen", fügt der 64-Jährige hinzu.

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Görlitzer kommen nach Steinölsa

Im Biergarten der Gaststätte "Zur Hohen Dubrau" herrscht vor allem in der Mittagszeit reger Betrieb. Noch dazu, wenn das Wetter zum Draußensitzen einlädt. Inhaberin Susanne Hoppenz und ihre Mutter Simone Schröter freut das. "Unsere Gäste haben schon sehnsüchtig darauf gewartet, dass zumindest wir den Biergarten wieder öffnen", sagt Simone Schröter.

Denn bisher gab es Mittagessen und Platten fürs Abendbrot nur auf Bestellung und zum Abholen. Das hält den Küchenbetrieb zwar aufrecht, aber Leute bewirten zu dürfen, ist halt etwas anderes. "Sogar aus Görlitz kommen Gäste zu uns, sie verbinden das meist mit einem Ausflug in unsere Gegend", ergänzt Susanne Hoppenz. Nun hoffen beide, dass es bald auch im Inneren der Gaststätte wieder losgehen kann und dass nicht nur zur Mittagszeit.

Abgewartet wird dagegen noch bei Sonntags in Niesky. Katharina Sonntag, sie führt unter ihrem Namen ein Gasthaus und eine Pension am südlichen Stadtausgang, hat dafür ihre Gründe: "Nur den Biergarten zu bewirtschaften, das rechnet sich für uns nicht." Deshalb soll der Biergarten erst wieder öffnen, wenn auch die Gasträume nutzbar sind. Katharina Sonntag nennt den 1. Juli als Öffnungstermin. Bis dahin läuft das Außer-Haus-Geschäft an den Wochenenden weiter, sagt die Gastronomin.

Wirt muss Gäste wegschicken

Dass die Plätze in seinem Biergarten nicht ausreichen, das musste Henry Kieslich dieser Tage bereits feststellen. Der Inhaber der "Alten Apotheke" in Kodersdorf ist erfreut über diese Resonanz, aber wer schickt schon gern seine Gäste wieder nach Hause? Also besser vorher anrufen und Tisch reservieren lassen, empfiehlt der Gastwirt. Geöffnet ist der Biergarten ab 17.30 Uhr, erhältlich ist das Speisenangebot nach Karte wie bisher.

Andere Erfahrungen mit ihren Gästen macht Christa Becker im gleichnamigen Eiscafé in Niesky. "Manchem ist das Prozedere zu aufwendig, bevor er Platz nehmen kann: Telefonisch vorbestellen, Negativtest und Abstände wahren", zählt die Inhaberin des Cafés Becker auf. Auch wenn der Eisverkauf am Wochenende wieder "brummt", so halten doch viele Ausflügler bei Beckers an, die mal kurz ihren Eisbecher genießen wollen, ganz ohne Voranmeldung. So gesehen hofft man bei Beckers, dass die Reglementierungen möglichst bald gänzlich wegfallen und auch das Restaurant wieder besucht werden darf. Denn dort gibt es nicht nur Eisbecher.

Beim Lucie Schulte in Görlitz zieht Bernd Schade ein positives erstes Fazit. Er hofft dennoch auf baldige Innen-Gastro.
Beim Lucie Schulte in Görlitz zieht Bernd Schade ein positives erstes Fazit. Er hofft dennoch auf baldige Innen-Gastro. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Unsicherheitsfaktor Wetter bleibt

Bernd Schade von Lucie Schulte in Görlitz sagt, dass die Außengastronomie des Restaurants am Untermarkt seit Mittwoch wieder geöffnet ist. Schade zieht ein positives, erstes Fazit. "Man muss dazu sagen, wir hatten sieben Monate geschlossen. Das muss sich jetzt erst mal wieder einlaufen. Aber man freut sich sehr, die Gäste wiederzusehen. Und ich glaube, die Gäste freuen sich auch sehr." Der Unsicherheitsfaktor Wetter bleibt vorerst. "Wir schauen tagsüber sehr gespannt in den Himmel", und auf den Wetterbericht. Deshalb freut er sich auf die Eröffnung der Innengastronomie: weniger Unsicherheit.

Das Saloniki in Stannewisch bleibt vorerst noch beim Abholservice. Die Außengastronomie bleibt zu, schreibt das Restaurant via Facebook: "Eigentlich sollten wir uns freuen, dass es ab nun wieder möglich ist, Gastronomie anbieten zu können." Allerdings seien die vergangenen Monate nicht spurlos vorbeigegangen. "Zugleich zeigt sich jetzt, dass die Rückkehr aus dem Lockdown für die Gastronomie schwerer wird, als viele wohl selber dachten." So gebe es etwa personelle Probleme, die das Restaurant zwingen, noch beim Abholservice zu bleiben. Monatelang Kurzarbeit oder sogar Jobverlust - gerade auch viele studentische Aushilfen und Mini-Jobber hatten die Lockdowns hart getroffen. Nun kommen die Lockerungen nahezu Schlag auf Schlag. Können die Restaurants überhaupt so schnell wieder hochfahren, Mitarbeiter zurückholen?

Mittagessen in zwei Durchgängen

Nach kurzen Startschwierigkeiten aufgrund des kühlen Wetters kommen seit gut einer Woche die Gäste wieder zahlreich zum Gasthof "Am Markt" in Diehsa, besser in dessen Biergarten. Vor allem an den Wochenenden ist der Biergarten sehr gut besucht. 70 Personen finden hier in normalen Zeiten Platz. Durch Corona wurde das Areal erweitert, um Abstände einzuhalten. Wie es aus dem Haus heißt, wird das Mittagessen in zwei Durchgängen - 11 und 13 Uhr - serviert, um möglichst viele Wünsche zur Einkehr erfüllen zu können.

Nicht nur in Diehsa kommt es vor, dass die Leute aus Unwissenheit über die Corona-Bestimmungen plötzlich vor der Tür stehen und denken, eben mal kurz lecker Mittag essen zu können.

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