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Warum man draufzahlen muss, wenn man viel Geld hat

Viel Geld auf der Bank, das kostet jetzt Strafzinsen. Vor allem Görlitz bereitet das Kopfzerbrechen, Niesky nur ein bisschen.

Das Geld doch lieber ins Sparschwein stecken statt auf die Bank schaffen? Nicht nur im Nieskyer Rathaus sind Negativzinsen für hohe Guthaben ein Thema.
Das Geld doch lieber ins Sparschwein stecken statt auf die Bank schaffen? Nicht nur im Nieskyer Rathaus sind Negativzinsen für hohe Guthaben ein Thema. © André Schulze

Dass sich das Geldsparen auf der Bank oder Sparkasse kaum noch lohnt, das haben die Bürger inzwischen schmerzlich verinnerlicht. Immer weniger Zinsen bekommen sie auf ihr Sparbuch. Nun ist die Rede von Negativzinsen und Verwahrgeld, also dass man als Sparer noch etwas drauflegen muss, um sein Geld bei der Bank sicher aufzubewahren. Das betrifft nicht allein den Bürger, auch die Städte und Gemeinden zahlen inzwischen Strafzinsen, wenn sie zu viel Geld auf der hohen Kante haben.

Es lohne sich nicht mehr, Geld bei Banken zu parken, erklärt Ralf Leimkühler vom Sächsischen Städte- und Gemeindetag jüngst gegenüber MDR aktuell. Es sei für ihn eine verkehrte Welt, denn "liquide zu sein, heißt in Zeiten von Negativzinsen, Geld dafür zu zahlen, dass man jederzeit an sein Geld rankommt", betont Leimkühler. Die Kommunen würden bis zu einem halben Prozent Verwahrentgelte auf Einlagen bei Giro- und Tagesgeldkonten pro Jahr zahlen, die über Freibeträge hinausgingen. Diese sind bei den meisten Banken auf 50.000 oder 100.000 Euro festgelegt.

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Görlitz rechnet mit vierstelligen Summe

Die Stadt Görlitz ist damit ebenso konfrontiert. Zwar versucht das Amt für Stadtfinanzen durch tägliche Liquiditätsdisposition die Verwahrentgelte so niedrig wie möglich zu halten. "Aufgrund von zum Teil täglichen Liquiditätsschwankungen in Millionenhöhe ist aber eine gänzliche Vermeidung von Verwahrentgelten unter den derzeit gegebenen Rahmenbedingungen nicht möglich", sagt Stadtsprecherin Sylvia Otto. Das spiegelt sich im Haushalt der Neißestadt wider. Die Stadt rechnet mit Ausgaben im vierstelligen Bereich, die sie für ihr bei Banken geparktes Geld zusätzlich zahlen muss.

Görlitz bestätigt, dass die meisten Banken ein halbes Prozent an Verwahrentgelt erheben auf den die Freigrenze übersteigenden Betrag. Mit diesem Negativzinssatz rechnet auch die Stadt Niesky. Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann bestätigt, dass die Stadt Niesky ebenso von Negativzinsen betroffen ist, wenn auch in ganz geringem Umfang. Dazu trägt bei, dass der Bankbestand unter Ausnutzung von Freibeträgen bei den Hausbanken klug aufgeteilt wird. "Die Belastungen sollten am Jahresende unter 2.000 Euro liegen", lautet Frau Hoffmanns Einschätzung. Der Kämmerer versucht, mit realistischen Darlehenszinsen zu planen. Negative Zinsen werden derzeit im Haushaltsplan aufgrund der Geringfügigkeit nicht berücksichtigt.

Niesky investiert sein Geld

Aufgrund der vom Stadtrat beschlossenen Investitionsplanung für dieses und die kommenden Jahre ist nicht zu erwarten, dass die Stadt mittelfristig über große Sparguthaben verfügen wird, erklärt die Oberbürgermeisterin. Sie rechtfertigt diese Ausgaben damit, dass gerade in Zeiten des Strukturwandels Niesky seinen Beitrag dazu leisten will, um den Wirtschaftsunternehmen und Gewerbetreibenden durch entsprechende Auftragsvergaben Unterstützung zu geben. Die Stadt Niesky will dieses Jahr über 3,8 Millionen Euro für Investitionen ausgeben und für rund 787.000 Euro Darlehen tilgen. Das lässt die "flüssigen" Mittel zum Jahresende auf 32.000 Euro schrumpfen. Erst ab 2023 soll die Liquidität wieder in den sechsstelligen Bereich wachsen.

Landkreis tilgt seine Kredite

Der Landkreis Görlitz ist ebenso von den Negativzinsen betroffen. "Im Haushaltsplan haben wir für dieses und für das nächste Jahr 4.000 Euro geplant. In der mittelfristigen Finanzplanung sind jährlich 4.000 Euro vorgesehen", sagt Susanne Lehmann, Leiterin Büro Landrat. Um unter den Freigrenzen zu bleiben, schichtet der Landkreis ebenso seine Guthaben um. Vorrangig werden vom Landkreis allerdings die Kassenkredite davon getilgt.

Die Negativzinsen haben inzwischen auch die Landgemeinden erreicht. Die Kämmerei im Verwaltungsverband Weißer Schöps-Neiße ist für die Finanzen der Gemeinden Horka, Kodersdorf, Neißeaue und Schöpstal zuständig. Verbandschef Torsten Hänsch hofft darauf, aktuell dem „Strafzins“ entgehen zu können. "Auf kurz oder lang wird es aber nicht mehr vermeidbar sein und dann werden diese Aufwendungen in den kommunalen Haushalten zu finden sein." Denn durch das stetige Absenken der verwahrentgeltfreien Guthaben sind nun auch kleinere Gemeinden betroffen.

Was das im Einzelnen für jede Kommune ausmacht, darüber äußert sich der Verbandsvorsitzende nicht. Es ist auch abhängig von den freien Guthaben jeder Gemeinde und eine Frage, welche Alternativen zum klassischen Bankguthaben bestehen und wie die Liquiditätsplanung im Einzelnen aussieht, begründet Hänsch.

Dazu kommt, wie kulant die Banken ihren Kunden gegenüber auftreten. Roland Höhne, Bürgermeister von Rosenbach, kann sich nicht beschweren. Bei seinen beiden Hausbanken für die Gemeinde fangen die "Strafzinsen" von einem halben Prozent erst bei einer Einlage von einer halben Million Euro an. "Damit können wir gut leben, denn uns ist Sicherheit wichtiger als Ertrag", so Höhne.

Vorteil: niedrige Zinsen bei Schulden

Wo Schatten ist, muss auch Licht sein - und das zeigt sich in Bezug auf Schulden und Kredite. Auch hier ist die Zinsbelastung niedrig wie lange nicht mehr. "Das Aufnehmen von neuen Krediten ist finanziell interessanter geworden als noch vor ein paar Jahren", schätzt Torsten Hänsch ein. Zudem können bei Umschuldungen sehr gute Konditionen erzielt werden, die künftige Haushalte entlasten. "Aber wenn die Verwahrentgelte in einer gewissen Höhe zu entrichten sind, wird dieser Effekt leider wieder neutralisiert", befürchtet der Verbandschef.

Der Stadt Niesky kommt der geringe Zinssatz für ein Darlehen, das für 2022 in der Planung steht, sehr entgegen. Die Gemeinde Rosenbach hat einen Kredit mit sechs Prozent Zinsen auf unter ein Prozent umgeschuldet. Die Stadt Görlitz passt ihr Kreditportfolio laufend den Niedrigzinsen an. Fazit für die Neißestadt: Über mehrere Jahre betrachtet haben die positiven Effekte beim Schuldendienst bislang überwogen.

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