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Hähnichen sammelt Ideen für die Kohlemillionen

Die Bürger sind gefragt: Wohin soll sich die Gemeinde entwickeln? Dazu schmiedet eine Arbeitsgruppe Pläne.

Von Steffen Gerhardt
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Der Gemeinderat Frank Meller beim Ideen-Briefkasten in Trebus an der Dorfstraße. Er ist Initiator einer Arbeitsgruppe, die sich mit der Zukunft der Gemeinde Hähnichen beschäftigt.
Der Gemeinderat Frank Meller beim Ideen-Briefkasten in Trebus an der Dorfstraße. Er ist Initiator einer Arbeitsgruppe, die sich mit der Zukunft der Gemeinde Hähnichen beschäftigt. © Martin Schneider

Wenn es an das Verteilen der etwa zehn Milliarden Euro für das Lausitzer Kohlerevier geht, dann möchte die Gemeinde Hähnichen in den kommenden Jahren etwas davon abhaben, von dem großen Kuchen. Dazu braucht es aber schlüssige und förderfähige Konzepte, die die Grundlage sind, um für den Strukturwandel Geld zu bekommen. Also sind Ideen gefragt für eine Gemeinde der Zukunft.

Dieser Aufgabe stellt sich Frank Meller. Für die CDU sitzt er im Gemeinderat Hähnichen. Selbst wohnt der Familienvater in Trebus. Seit Februar ist er der führende Kopf der Arbeitsgruppe "Gemeindeentwicklung". Ihre Aufgabe ist es, Ideen zu Konzepten zu formen. "Sie müssen gut, kreativ und zukunftsfähig sein", sagt Frank Meller. Die Arbeitsgruppe will das nicht unter sich alleine ausmachen, sondern setzt auf die Einwohner. Schließlich geht es nicht nur um die Entwicklung von Hähnichen, sondern auch der Ortsteile Quolsdorf, Spree und Trebus.

Resonanz hält sich in Grenzen

Deshalb sind die Meinungen der Bürger gefragt. Frank Meller hat dafür in Trebus einen Briefkasten neben den Anschlagtafeln der Gemeinde angebracht. Hier können die Bürger ihre Ideen, Vorschläge und Hinweise schriftlich einwerfen. Bisher fallen die Reaktionen aber spärlich aus, in allen vier Ortschaften. "Es sind vor allem die älteren Bürger, die sich zu Wort melden. Wir wollen aber auch gern wissen, wie sich junge Menschen, insbesondere Familien, ihre Zukunft in der Gemeinde vorstellen", erklärt der Initiator.

Er selbst ist jetzt 40 Jahre, wohnt seit 2008 in Trebus und möchte, dass das Dorfleben eine neue Qualität bekommt, Anreize bieten, damit junge Menschen hier bleiben beziehungsweise sich in der Gemeinde ansiedeln. Ein wichtiger Punkt ist das Schaffen von Wohnraum und Bauland. Das kam bereits in den eingereichten Vorschlägen zur Sprache. Das Augenmerk richtet sich auch auf lebendige Dorfzentren und Spielplätze für die Kinder im Ort. Aber auch dem Vereinsleben muss wieder mehr auf die Beine geholfen werden, sind Bürger überzeugt.

Neue Arbeitsplätze schaffen

Aus den genannten Dingen lassen sich zwar Konzepte entwickeln, aber nicht alles über den Strukturfonds Kohleausstieg finanzieren. Das Schaffen neuer Arbeitsplätze und die Verbesserung der Infrastruktur sind ausschlaggebend für diesen Fördertopf. Schließlich ist Hähnichen nicht der alleinige Bittsteller. 235 Städte und Gemeinden zählt das Lausitzer Kohlerevier - und alle dürften ähnliche Ideen und Pläne haben wie Hähnichen. Hinzu kommt, dass über 8.000 Beschäftigte die Lausitzer Braunkohleindustrie zählt. Nicht alle lassen sich in den Ruhestand schicken. Alternative Jobs sind für die nächsten Jahre gefragt.

Das ist Frank Mellers Ansatzpunkt. Hähnichen braucht Gewerbe und Industrie. Nicht nur, um den Menschen hier Arbeit geben zu können, sondern auch der Gemeindekasse zu mehr Steuereinnahmen zu verhelfen. Als Gemeinderat weiß er es selbst, wie klamm es in Hähnichens Kasse aussieht. Vor allem steht aber die Frage: Wohin wollen wir? Die Arbeitsgruppe trägt Ideen zusammen, die die Grundlage für ein Entwicklungskonzept für die gesamte Gemeinde ist. Das soll von einer Beraterfirma zu Papier gebracht werden. Frank Meller sieht gute Chancen, das über ein Förderprogramm auf die Schiene zu bekommen.

Die Pandemie macht es der Arbeitsgruppe schwer, sich regelmäßig einmal im Monat zu treffen. Bisher wurde auf Videokonferenzen ausgewichen. Aber die sind nicht jedermanns Ding, weil mitunter die technischen Voraussetzungen zu Hause fehlen. Daran scheitern wird die Arbeitsgruppe aus Gemeinderäten, Bürgern und dem Bürgermeister nicht, aber sie braucht die Unterstützung der Einwohner. "Wir wollen aus Ihren Ideen das Beste für unsere Ortschaften gestalten", hat Frank Meller in den Aufruf zur Mitarbeit geschrieben. Ganz oben prangt das Wort: Losgehen! Das sollen nicht nur die Einwohner, sondern auch in der Gemeinde soll es losgehen.

Ideen und Vorschläge aus der Gemeinde Hähnichen nimmt Frank Meller per E-Mail entgegen: [email protected]