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Genug Holz - und doch reicht es nicht

Paradoxe Lage nicht nur im Kreis Görlitz: Die Sägewerke sind ausgelastet. Doch in den Baumärkten fehlen manche Sortimente. Wie passt das zusammen?

Der Zimmermann Tom Stake aus Kiesdorf
Der Zimmermann Tom Stake aus Kiesdorf © Matthias Weber

Verrückte Welt auf dem Holzmarkt. Während die einen nicht mehr wissen, wo sie ihre von Schädlingen, Sturm und Trockenheit geplagten Stämme hinliefern sollen, müssen andere trotzdem wochenlang auf das gewünschte Schnittholz warten. Und wenn es denn zu haben ist, kostet es viel mehr als früher.

Es ist noch nicht lange her, da hatte der Kodersdorfer Waldbesitzer Martin Schimanz seinem Ärger in der SZ Luft gemacht. Nicht nur, dass der Borkenkäfer seinen Bestand an Kiefern und Fichten arg dezimiert hat. Der Holzpreis befinde sich derzeit im Sinkflug, schimpfte Schimanz. In guten Jahren habe er 80 Euro für den Festmeter bekommen, jetzt werde zum Teil nur noch 16,50 Euro gezahlt. "Davon kann kein Waldbesitzer leben."

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Sachsenforst, der für die Pflege und Vermarktung des Staatswaldes zuständige Landesbetrieb, bestätigt den Preisverfall. Für Fichten-Sägeholz nennt die Behörde 25 bis 35 Euro je Kubikmeter, für sägefähiges Kiefernschadholz etwa 30 Euro. Für Industrieholz, das mechanisch oder chemisch bearbeitet wird, würden sogar nur noch 18 bis 35 Euro gezahlt.

Der Kodersdorfer Martin Schimanz hat derzeit Mühe, das Holz aus seinen Wäldern an den Mann zu bringen. Wenn das doch klappt, dann nur zu Niedrigpreisen.
Der Kodersdorfer Martin Schimanz hat derzeit Mühe, das Holz aus seinen Wäldern an den Mann zu bringen. Wenn das doch klappt, dann nur zu Niedrigpreisen. © André Schulze

Tom Starke ist selbstständiger Zimmermann und betreibt eine Werkstatt in Kiesdorf. "Angesichts der Holzschwemme war ich überrascht, als ich von meinem Händler erfuhr, dass Bauholz teurer wird und es noch dazu für bestimmte Querschnitte Wartezeiten gibt." Bei Kieferndielung - sonst nie ein Problem - habe er sich zuletzt vier Wochen gedulden müssen. "Das ist natürlich ärgerlich. Denn ich bin an Fristen gebunden, muss meine Auftraggeber vertrösten." Für die, aber auch für ihn selbst, sei die momentane Situation kaum zu verstehen.

Erklärungen liefert Karsten Schöngarth vom Baustoffzentrum Wöhlk, das in Bautzen und Görlitz Niederlassungen betreibt. Die Qualität des Käferholzes sei nicht uneingeschränkt verwendbar. "Es gibt Fraßgänge und entwickelt eine bläuliche Farbe. Die Sortierkriterien müssen aber eingehalten werden", beschreibt der Teamleiter Holzbau die Anforderungen, die das Holz zu erfüllen hat. Weil gesundes Holz derzeit in Deutschland fast überhaupt nicht geerntet werde, komme es bei bestimmten Sortimenten zu Engpässen und Wartezeiten. "Die machen inzwischen bis zu zwei Monate aus." Trotzdem gebe es noch deutsche Lieferanten, vorwiegend aus dem bayerischen Raum, die das Rohmaterial aus Tschechien beziehen. Bei hohen Qualitäten bediene man sich jedoch bei Anbietern aus Skandinavien, erklärt Schöngarth. Schweden, Finnland und Norwegen hätten kaum Probleme mit dem Borkenkäfer.

Amerikaner kaufen Holz im großen Stil

Allerdings beschreibt der Wöhlk-Manager noch ein anderes Phänomen. Das ist die enorme Nachfrage aus den USA. Dort hat gerade die Hurrikan-Saison begonnen. Stürme wirbeln die überwiegend aus Holz bestehenden Leichtbauhäuser durch die Luft, müssen anschließend ersetzt werden. "Die Amerikaner nehmen alles, was zu haben ist und zahlen dafür fast den doppelten Preis."

Dies bestätigt auch Hornbach-Pressesprecher Florian Preuß. "Maßgeblich verantwortlich für Preissteigerungen ist die Situation auf dem weltweiten Holzmarkt", sagt er. Hier spiele neben dem Bedarf für den Holzhausbau der Amerikaner auch der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada mit hinein. Die bei Hornbach angebotenen Sortimente stammten von unterschiedlichen Lieferanten, aus Deutschland und dem Ausland. "Durch diesen Mix stellen wir die erforderlichen Qualitäten und die Verfügbarkeit in unseren Märkten sicher." Wartezeiten gebe es deshalb aktuell nicht.

Standortleiter Thomas Kienz ist mit der Firma HS Timber Productions in Kodersdorf derzeit mit der Verarbeitung von Borkenkäferholz ausgelastet.
Standortleiter Thomas Kienz ist mit der Firma HS Timber Productions in Kodersdorf derzeit mit der Verarbeitung von Borkenkäferholz ausgelastet. © André Schulze

Käferholz sei per se aber nicht unbedingt als minderwertig anzusehen. "Die Qualität des befallenen Rohholzes wird erst eingeschränkt, wenn es nicht zeitnah verarbeitet werden kann und durch Bläuepilze, holzzersetzende Pilze und andere Schädlinge angegriffen wird", erklärt Preuß. Für verschiedene Artikel sei Bläue in gewissen Anteilen durchaus zulässig. "Käferholz ist deshalb nicht komplett ausgeschlossen."

Im Kodersdorfer Sägewerk von HS Timber Productions werden aktuell ausschließlich vom Borkenkäfer befallene Stämme verarbeitet. "Wir helfen natürlich soweit wir können, der Betrieb läuft derzeit am Limit", sagt Standortleiter Thomas Kienz. Das in Kodersdorf hergestellte Schnittholz wird traditionell zu großen Teilen exportiert, nur geringe Mengen gehen in den deutschen Markt.

HS Timber Productions liefert traditionell hauptsächlich für den Export. Nur geringe Mengen Schnittholz gehen in den deutschen Markt.
HS Timber Productions liefert traditionell hauptsächlich für den Export. Nur geringe Mengen Schnittholz gehen in den deutschen Markt. © André Schulze

Die Trockenheit der vergangenen Jahre hat den Befall durch Borkenkäfer im Wald stark beschleunigt. Daher hofft Kienz, dass möglichst bald wieder normale Verhältnisse herrschen. "Es muss endlich ausreichend regnen, damit die Bäume zu Kräften kommen und die Käfer im nächsten Jahr eingedämmt werden können."

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