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Allein im lichten Wald

Dem Kodersdorfer Waldbesitzer Martin Schimanz machen Borkenkäfer und Trockenheit zu schaffen. Und das Gefühl, sein Familienerbe zu verlieren.

Martin Schimanz aus Kodersdorf besitzt neun Hektar Wald in den Königshainer Bergen nahe der Autobahn. Im Fichtenbestand hat der Borkenkäfer inzwischen ganze Arbeit geleistet.
Martin Schimanz aus Kodersdorf besitzt neun Hektar Wald in den Königshainer Bergen nahe der Autobahn. Im Fichtenbestand hat der Borkenkäfer inzwischen ganze Arbeit geleistet. © André Schulze

Martin Schimanz hat die Worte seines Schwiegervaters nicht vergessen: "Um die Rente brauchst du dir keine Sorgen zu machen, du kannst von unserem Wald leben." Heute ist Martin Schimanz froh, wenn am Jahresende eine "schwarze Null" in der Bilanz steht.  Dem Kodersdorfer gehören neun Hektar Wald in "Klein Amerika", also südlich des Autobahntunnels in den Königshainer Bergen. Die Waldfläche ist Familienbesitz und wird von Generation zu Generation weitergegeben.  

"So wie das jetzt dort aussieht, das hatten wir noch nie in unserem Wald", erzählt der 81-Jährige. Als Martin Schimanz den Wald übernommen hatte, war das ein gesunder Mischwald mit Kiefern, Lärchen und Fichten. Die Lärche wurde sogar 2012 zum Baum des Jahres gekürt. Aber dort, wo einst dicht die Kiefern standen, ist ein großer Kahlschlag. "Die Hälfte des Bestandes ist schon weg, alles vom Borkenkäfer befallen", sagt der Waldbesitzer.

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Wenig Geld für Kiefernholz

Angesichts seines Alters haut Martin Schimanz keine Bäume mehr selbst um. Das macht der Staatsbetrieb Sachsenforst beziehungsweise ein privater Forstwirt. Aber beide wollen ihr Geld für ihre Arbeit. Bisher hat das die Familie immer aus dem Holzertrag bezahlen können, zumal Sachsenforst auch die Vermarktung des Holzes übernahm.  Aber seit der Borkenkäfer so gefräßig ist, und das nicht nur im Wald von Schimanz, ist der Holzpreis im Sinkflug. 

Martin Schimanz kann sich an die guten Jahre erinnern: "Da bekam ich 80 Euro für den Festmeter Holz. Dann sank der Preis auf 60, später auf 50 Euro und jetzt habe ich eine Rechnung gesehen, wo nur noch 16,50 Euro gezahlt werden."  Davon kann kein Waldbesitzer mehr leben, ist Schimanz überzeugt.

Aktuell bewegen sich die Preise für Fichten-Sägeholz  zwischen 25 und 35 Euro je Kubikmeter, heißt es vom Sachsenforst auf Nachfrage der SZ. Für sägefähiges Kiefernschadholz werden rund 30 Euro gezahlt. Buchen- und Birken-Sägeholz liegen je nach Qualität aktuell bei 40 bis 100 beziehungsweise zwischen 65 und 90 Euro. Für Industrieholz, das mechanisch oder chemisch bearbeitet  wird, werden je nach Holzart und Region 18 bis 35 Euro gezahlt. Für gesundes sägefähiges Kiefernholz sind die Holzpreise in den vergangen fünf Jahren von 65 Euro je Kubikmeter auf 50 Euro gefallen.

Es muss wieder aufgeforstet werden

Während Martin Schimanz auf einem Baumstumpf sitzt und sich die Reste des Kiefernbestandes anschaut, quält ihn natürlich die Frage, wie die Fläche wieder aufgeforstet werden soll. Denn neue Setzlinge kosten ihr Geld, zumal in diesen Zeiten nicht nur er Bedarf nach Pflanzen hat. Das treibt im Gegensatz zu dem geschlagenen Holz die Preise in die Höhe. Zumal das wirtschaftliche Gleichgewicht zwischen Holzgewinnung und Neuanpflanzungen durch Borkenkäfer und der Trockenheit nicht mehr gegeben ist. "Zudem kann mir keiner richtig sagen, was ich in dieser Situation anpflanzen sollte", kritisiert der Kodersdorfer. Zwar geht die Tendenz zu mehr Laubgehölzen, aber die Kiefer ist baumbestimmend in den hiesigen Wäldern der Oberlausitz.     

Martin Schimanz steht vor einem Stapel haushohem Kiefernholz. Viel Wert ist es nicht, nachdem sich der Borkenkäfer unter der Rinde eingenistet hat. Aber aus dem Holzverkauf wird die Bewirtschaftung des Waldes bezahlt.
Martin Schimanz steht vor einem Stapel haushohem Kiefernholz. Viel Wert ist es nicht, nachdem sich der Borkenkäfer unter der Rinde eingenistet hat. Aber aus dem Holzverkauf wird die Bewirtschaftung des Waldes bezahlt. © André Schulze

Sachsenforst unterstützt private Waldbesitzer mit einer kostenlosen Beratung in 73 Revieren in ganz Sachsen, sagt Pressesprecher Renke Coordes. Die Nachfrage bei den Waldbesitzern ist groß. Die Revierleiter von Sachsenforst haben vergangenes Jahr über  18.000 Beratungsgespräche geführt.  Dadurch konnten 200.000 Kubikmeter Schadholz aus dem Wald geholt werden. Zudem verweist der Sprecher, dass es auch an Fortbildungsveranstaltungen für Besitzer kleiner Waldflächen nicht mangelt. Dabei geht es um Fragen des Waldschutzes und welche Bäume künftig angesichts des Klimawandels hier gut gedeihen werden. Vergangenes Jahr erfolgten 177 Schulungen mit fast 5.000 Teilnehmern.

Staat soll sich an den Kosten beteiligen

Was die Neuanpflanzungen betrifft, fühlt sich Martin Schimanz aber trotzdem  alleingelassen. Dabei geht es ihm nicht um die Arbeit, sondern das Finanzielle. "Wald ist ein Gut für die Gesellschaft", argumentiert er und nimmt den Staat in die Pflicht. Denn das Schädlinge und die Trockenheit den Wald dezimieren, kann nicht allein auf den Schultern der Waldbesitzer ausgetragen werden. Die jüngsten Anpflanzungen hat Schimanz im Herbst vergangenen Jahres vornehmen lassen. Sachsenforst empfiehlt besonders den Besitzern von kleinen Waldflächen, dafür Fördergelder zu beantragen. Bis Ende August wurden in diesem Jahr bereits sachsenweit  fünf Millionen Euro ausgezahlt. Hinzu kommen 1,5 Millionen Euro für den Waldumbau. 

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