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Was bringt das geplante Holzbau-Zentrum Niesky?

Sachsen will ein Kompetenzzentrum aufbauen. Niesky wird dabei als Standort gehandelt. Das liegt nicht nur an der Wachsmann-Tradition.

Der sogenannte Wachsmann-Knoten - in der Vergangenheit ein wichtiges Element des Holzbaus in Niesky - könnte durch die neue Initiative wiederbelebt werden. Claudia Wieltsch, Leiterin des Wachsmannhauses, ist optimistisch.
Der sogenannte Wachsmann-Knoten - in der Vergangenheit ein wichtiges Element des Holzbaus in Niesky - könnte durch die neue Initiative wiederbelebt werden. Claudia Wieltsch, Leiterin des Wachsmannhauses, ist optimistisch. © André Schulze

Auch wenn es der aktuelle Engpass in den Tischlereien kaum vermuten lässt: Holz soll als Baustoff schon in Kürze viel mehr an Bedeutung gewinnen. Dies ist das Ziel des am 17. Mai gegründeten Vereins Holzbau Kompetenz Sachsen, in dem für Niesky eine besondere Rolle vorgesehen ist. Die SZ erklärt, wie die Idee entstanden ist und was in Zukunft geschehen soll.

Wie ist die Idee entstanden?

Nach dem im Dezember 2020 gefassten Beschluss der Regierungsfraktionen aus CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen, die "Stärkung des Holzbaus in Sachsen" auf den Weg zu bringen, einigte man sich auf die Gründung des in der Zwischenzeit schon gegründeten Vereins, der Gesellschafter einer GmbH werden soll, die in Zukunft wiederum als Trägerin des Kompetenzzentrums fungiert. Hinzu kommen soll ein Förderverein, der im Raum Leipzig ein Holzbau-Forschungszentrum etablieren soll.

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Worauf basiert die neue Initiative?

Für Prof. Reinhard Erfurth, den stellvertretenden Chef des neuen Vereins, ist Niesky wegen seiner von der Firma Christoph & Unmack begründeten Tradition und den Fertigkeiten, die sich in den hiesigen Tischlereien über Jahrzehnte erhalten haben, unverzichtbar für die Holzbau-Offensive. Denn eine solche soll es werden. Ideal wäre, hofft der Fachmann, die einstigen Erfolge unter aktuellen Bedingungen wieder aufleben zu lassen. Erfurth: "Wir möchten Individualität in Serie bringen." Konkret wolle man standardisierte Modulbauweisen entwickeln und sie bis zur Marktreife führen.

Was ist über den Verein bekannt?

Der Verein will den Einsatz von Holz im Bauwesen forcieren und dabei Klima- und Umweltschutz fördern. Außerdem sollen Wertschöpfung sowie Qualifizierung und Fortbildung von Akteuren des Bauwesens in den Belangen des Holzbaus initiiert werden. Ziel ist es, auf den Holzbau bezogenes Wissen möglichst schnell aus der Forschung in die Praxis zu überführen. Außerdem sind Schulungen, Vorträge und Veranstaltungen für Architekten, Ingenieure, Handwerker und Bauunternehmen geplant.

Bald sollen Niesky-Besucher nicht nur die historischen Holzhäuser bewundern können. Von der Stadt soll eine neue Holzbau-Offensive ausgehen.
Bald sollen Niesky-Besucher nicht nur die historischen Holzhäuser bewundern können. Von der Stadt soll eine neue Holzbau-Offensive ausgehen. ©  Archiv/André Schulze

Welche Rolle spielt Prof. Erfurth?

Maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Kompetenzzentrums wird dem Chemnitzer Reinhard Erfurth zugeschrieben. Er vernetzt mit seinem Büro für Projektdesign neue Ideen mit Kompetenzen, Technologien und Kapital. Darüber hinaus moderiert er die Umsetzung innovativer Zukunftsprozesse. Erfurth unterhält beste Kontakte zu Hochschulen, Universitäten und großen Baubetrieben.

Welche Bedeutung soll Niesky zukommen?

Niesky ist als einer von mehreren Satellitenstandorten in Sachsen für das Projekt vorgesehen und damit ein wichtiger Bestandteil. Hier lässt sich anhand der Geschichte am besten nachvollziehen, was im industriellen Holzhausbau möglich ist, aber auch von traditionellen Bauweisen wie den Umgebinde- und Schrotholzhäusern in neue Techniken mit integriert werden kann. "Wir möchten die Achse von der gedanklichen Vorbereitung bis zur direkten Fertigung wiederbeleben", so Reinhard Erfurth. Auch die Revitalisierung von Brachen müsse ein Thema sein, ebenso wie die Gestaltung neuer Lebensräume mit Holzbauten. Wichtigstes Ziel sei, der Ressource Holz die ihr zustehende Bedeutung zu verleihen - im Baustil geprägt mit einer neuen Sachlichkeit. Auf dem Weg dahin soll neben der Nieskyer Bürgerschaft auch die Jugend mit einbezogen werden. Vor allem Studenten will man gewinnen, sich in der Projektphase, aber auch bei der Umsetzung der Ideen zu engagieren.

Wie könnte sich der Standort entwickeln?

Obwohl die geplanten Aktivitäten noch ganz am Anfang stehen, gibt es bereits Vorstellungen, wie sich der Standort entwickeln könnte. Zuerst soll ein kleiner Campus entstehen, der möglicherweise im Wachsmannhaus untergebracht werden könnte. Dazu müssen noch Gespräche mit der Stadt geführt werden. Wenn die Entwicklung positiv verläuft, soll ein größeres Objekt ausgewählt werden.

Im Wachsmannhaus könnte der Holzbau-Campus entstehen. Erste Gespräche darüber gibt es bereits.
Im Wachsmannhaus könnte der Holzbau-Campus entstehen. Erste Gespräche darüber gibt es bereits. © André Schulze

Werden noch andere Partner eingebunden?

In diese Entwicklung soll auch die Gemeinde Kodersdorf und der dort ansässige Rohholzverarbeiter HS Timber Production mit eingebunden werden. Er könnte eine wesentliche Komponente sein, wenn es um die Überführung von Ideen bis zur Marktreife geht. Bürgermeister René Schöne jedenfalls ist hoffnungsvoll: "Für Kodersdorf würde das bedeuten, dass der Standort gestärkt würde. HS Timber könnte mit seinem Netzwerk und den eigenen Erfahrungen dabei ein ganz wichtiger Faktor sein."

Das sieht auch Standortleiter Thomas Kienz so: "Alles, was mit Holzverwendung zu tun hat, ist für uns grundsätzlich interessant." Das Thema Holzkompetenzzentrum kenne er zwar in seinen Einzelheiten noch nicht. "Wir stehen dem aber aufgeschlossen gegenüber." Eventuelle zusätzliche Fertigungskapazitäten stellen aus seiner Sicht kaum ein Problem dar. "Wir haben in Kodersdorf noch Flächen, die sich dafür nutzen ließen."

Dem Sägewerk von HS Timber Production in Kodersdorf könnte bei der praktischen Umsetzung von Holzbau-Ideen eine wichtige Rolle zukommen.
Dem Sägewerk von HS Timber Production in Kodersdorf könnte bei der praktischen Umsetzung von Holzbau-Ideen eine wichtige Rolle zukommen. © André Schulze

Wie geht es konkret in Niesky weiter?

Wahrscheinlich schon im Sommer soll es in Niesky das erste Kreativforum geben. Im Juni, so Prof. Erfurth, wird die konzeptionelle Ausrichtung dafür abgeschlossen sein. Klar ist aber bereits jetzt: "Wir müssen uns bei dieser Veranstaltung darauf verständigen, wie wir die Wertschöpfungskette schrittweise aufbauen können, welche Partner wir mit ins Boot holen möchten und wie wir mit urbanen Räumen umgehen wollen."

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