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Sachsen ehrt Nieskyer Studenten für Corona-Einsatz

Als sich das Corona-Virus im April im Altenheim "Abendfrieden" ausbreitet, schaut Johann Heinrich nicht weg. Sondern hilft, wo er nur kann.

Johann Heinrich erhält die Annen-Medaille vom Sozialministerium. Der Student half im April uneigennützig während des Lockdowns im Altenpflegeheim "Abendfrieden" in Niesky.
Johann Heinrich erhält die Annen-Medaille vom Sozialministerium. Der Student half im April uneigennützig während des Lockdowns im Altenpflegeheim "Abendfrieden" in Niesky. © privat

Was macht ein Student, der nicht studieren darf? Er sucht sich eine andere Beschäftigung. So wie Johann Heinrich. Der 22-Jährige ist in Niesky aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nun ist er Student an der Universität in Erfurt. Als die erste Welle mit Corona seine Heimatstadt stark erwischt, fasst der junge Mann einen Entschluss. 

Er will helfen. Denn an Studieren an der Uni ist in den Apriltagen nicht zu denken. Die Universität ist geschlossen und die Studenten sind zu Hause. "Ich habe von der extremen Situation im Nieskyer Altenpflegeheim erfahren. Von den Todesfällen unter den Bewohnern und dass viel Personal durch das Corona-Virus ausgefallen ist", erzählt der junge Mann. Darauf bietet er sich als Unterstützung an, damit der Betrieb  in dem Heim weitergehen kann.   

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Botengänge und Küchendienst

Die Angst, sich selbst zu infizieren, verfliegt bei ihm schnell, als er sieht, wie jede Hilfe gebraucht wird. "In meiner Schutzkleidung fühlte ich mich sicher", sagt er heute. Johann Heinrich erledigt nicht nur Botengänge für die Bewohner und stellt sich als Chauffeur zur Verfügung. Er bereitet in der Küche auch das Essen für die Heimbewohner mit vor.  

Für seinen selbstlosen Einsatz in der Zeit des Lockdowns erhielt Johann Heinrich am Mittwoch in Dresden die Annen-Medaille verliehen. Aus den Händen von Sozialministerin Petra Köpping. "Ich freue mich über diese Auszeichnung. Ich werde sie stellvertretend für die vielen Engagierten entgegennehmen, die in dieser schweren Zeit spontan ihre Hilfe angeboten haben", sagt Johann Heinrich.  Die Annen-Medaille wurde im Jahre 1995 von der Sächsischen Staatsregierung zum Andenken an die wohltätige Kurfürstin Anna von Sachsen (1532-1585) gestiftet. Sozialministerin Petra Köpping hat in diesem Jahr insgesamt 20 Personen für die Ehrung ausgewählt. Kirchen, Wohlfahrtsverbände und Kommunalverwaltungen haben die Kandidaten auf Anfrage des Ministeriums vorgeschlagen. 

Ein Schreiben im Briefkasten

Dass er zu den Ausgezeichneten gehört, davon hat der Nieskyer aus einem Brief vom Sozialministerium erfahren. Er steckte dieser Tage in seinem Briefkasten in Erfurt. "Mich hat es zunächst gewundert, dass ich sozusagen einen Orden für meine Hilfe bekomme. Aber dann überwog die Freude über diese Anerkennung."   

Am ersten April-Wochenende wurde das Altenpflegeheim "Abendfrieden" unter Quarantäne gestellt. Auf einen Schlag waren 38 von 94 Bewohnern und 21 der knapp 100 Pflegekräfte positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Das bedeutete: Notstand in dem Haus,
Am ersten April-Wochenende wurde das Altenpflegeheim "Abendfrieden" unter Quarantäne gestellt. Auf einen Schlag waren 38 von 94 Bewohnern und 21 der knapp 100 Pflegekräfte positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Das bedeutete: Notstand in dem Haus, © André Schulze

Die Diakonissenanstalt "Emmaus" ist für Johann Heinrich schon seit Kindestagen vertraut. Nicht nur, weil die Familie in unmittelbarer Nähe in der Poststraße wohnt, sondern auch, weil Mutter und Vater dort beschäftigt sind. Sie im betreuten Wohnen und er als Technischer Leiter. Also fiel es Johann nicht schwer, sich zu entscheiden, wo er sich nützlich macht. Noch heute ist man ihm im Altenpflegeheim dankbar. Leiterin Viola Knappe sagt, dass es für alle eine schwere Zeit war und jede helfende Hand dankbar angenommen wurde. Johann Heinrich ist nicht der einzige Nieskyer, der unentgeltlich half. Andere backten Kuchen oder brachten mit Blumen Farbe in den grau gewordenen Alltag der Senioren. Und das alles unter den strengen Hygienebedingungen bis hin zur Kontaktsperre für die Angehörigen.   

Studiert internationale Beziehungen

Auch wenn sich Johann Heinrich in seiner Heimatstadt sozial engagiert, sein Studium geht in eine andere Richtung: "Ich studiere internationale Beziehungen und Religionswissenschaft im Nebenfach." Damit ist er im fünften Semester. Sechs sind Pflicht für den Bachelor-Abschluss, aber er will noch ein siebentes dazwischenschieben. Über das Erasmus-Programm wird Johann für ein Semester nach Litauen fliegen, um dort die internationalen Beziehungen in der Praxis zu studieren. Wohin es ihn nach dem Studium treibt, das hat er für sich noch nicht entschieden. Vielleicht hängt er noch den "Master" dran, wer weiß? Aber eines weiß er genau: Sollte seine Hilfe bei einer ähnlichen Situation wie im April benötigt werden, dann ist er gern bereit, sie wieder zu geben.    

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