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Krauschas Jugend träumt von großer Geburtstagsparty

Jugendclubs sind auf dem Land wichtige Treffpunkte. Mit Corona mussten sie schließen. Jetzt beginnt wieder das Leben - wenn auch noch voller Unsicherheit.

Da war die Welt noch in Ordnung: Franz, Heidi, Anna, Luca, Philipp (vorn), sowie Marco und Max (hinten) freuten sich im Oktober vergangenen Jahres über die Eröffnung ihres Jugendclubs in Groß Krauscha. Kurze Zeit später war wegen Corona wieder Schluss
Da war die Welt noch in Ordnung: Franz, Heidi, Anna, Luca, Philipp (vorn), sowie Marco und Max (hinten) freuten sich im Oktober vergangenen Jahres über die Eröffnung ihres Jugendclubs in Groß Krauscha. Kurze Zeit später war wegen Corona wieder Schluss © André Schulze

Natürlich kennen sich Franz, Heidi, Anna, Luca, Philipp, Marco und Max noch. Kein Wunder, denn die Jugendlichen wohnen alle irgendwo in der Neißeaue. Da läuft man sich trotz Corona immer mal wieder über den Weg. Doch die vergangenen Monate haben den jungen Frauen und Männern auch gezeigt, dass Glücksmomente ganz schnell wieder beendet sein können.

So ein Hochgefühl hatte die Jugend aus Neißeaue im Herbst vergangenen Jahres. Nach langwierigen Bemühungen, mit viel Eigeninitiative und Hilfe vom Gemeinderat öffneten sich die Türen des neuen Jugendclubs in Groß Krauscha. Knapp zwei Jahre hatte es gedauert und rund 100.000 Euro aus dem Leader-Programm gekostet, bis der Auftakt endlich vollzogen werden konnte.

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Doch schon nach kurzer Zeit war Schluss mit lustig. "Wir haben fast direkt nach der Eröffnung wieder zugemacht", erinnert sich Marco Friedland, der das Objekt als Teil des großväterlichen Nachlasses der Dorfjugend zur Nutzung überlassen hat. Mit 45 fühlt er sich nicht mehr ganz jung, aber auch nicht zu alt dafür, den jungen Leuten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Und da er selbst im Gemeinderat sitzt - eine bessere Symbiose gibt es doch nicht. "Für uns alle waren die folgenden Wochen keine einfache Zeit. Wir waren nicht glücklich, mussten die neue Situation aber akzeptieren." Zwischendurch, als es kurz nach Lockerung aussah, hätten sie sich schon mal wieder getroffen. Aber sonst: "Da ging nichts!"

Die Ideen der Jugendlichen mussten in der Schublade bleiben. "Wir wollten ein paar größere Veranstaltungen für die Jugend und den Freundeskreis der Clubmitglieder machen. Aber auch die Ortsgemeinschaft von Neißeaue hätte von unseren Vorhaben profitiert", erzählt Friedland. Zudem hätten sich die Jugendlichen beim Fasching und beim Wintergrillen beteiligt. Für Beides hieß es aber: Abgesagt!

Abgesprungen ist in Groß Krauscha niemand

Nun aber geht es allmählich wieder los, auch wenn die Krauschaer das Vordringen der Delta-Variante mit Sorge betrachten. "Spätestens zum einjährigen Geburtstag im Oktober möchten wir eine Party feiern", hofft der junggebliebene Gemeinderat im Namen seiner Mitstreiter. Abgesprungen, sagt er, sei trotz Flaute bisher niemand. "Die meisten arrangieren sich. Einige haben sich abgefunden damit, andere brennen darauf, dass es endlich wieder richtig losgeht."

Mit den "Hufen" gescharrt wird auch in Groß Radisch. Dort hat das Jugendcenter die Veranstaltungsflaute für eine Runderneuerung genutzt. "Im Moment sind wir in einer Umstrukturierungsphase, wir mussten lange auf jüngere Nachfolger warten", erzählt Anne Bey, die mit ihren 34 Jahren jetzt stellvertretende Vorsitzende ist. Mit ihr sind insgesamt zehn Mitglieder jenseits der 30, haben inzwischen selbst Familien und deshalb weniger Zeit. Allerdings gibt es auch zehn bis 15 Jungen und Mädchen, "die leider noch unter 18 Jahren alt sind" und in ihre neue Rolle erst noch wachsen müssen.

Corona machte es umso schwieriger, den Neuaufbau zu starten. "Vereinsleben, wie wir es gewohnt waren, gab es ja nicht", so Anne Bey. Sämtliche Treffen wurden abgesagt. Auch die kommunalen Veranstaltungen, an denen sich das Jugendcenter sonst beteiligte, fielen dem Virus zum Opfer. Die Wanderung zur Kirschblüte, das Kirschenfest und das Lichterfest im Dezember - all das existierte plötzlich nur noch in der Erinnerung.

Inzwischen aber gibt es Ideen für den Neuanfang. "Auf jeden Fall wollen wir beim Nachpflanzen von 40 Kirschbäumen in den Obstbaumalleen östlich von Groß Radisch mitmachen und damit den Kultur- und Heimatverein unterstützen", blickt Anne Bey voraus. Zudem soll es einen Arbeitseinsatz zur Reinigung der Heimatgemeinde geben. Und im Herbst will man einen Antrag fürs "Ehrenamt im Unbezahlbarland" stellen. "Natürlich hoffen wir, dass es in diesem Jahr wieder ein Lichterfest geben wird", so die Vize-Chefin des Vereins, die darauf setzt, dass sich das Corona-Geschehen weiterhin normalisiert.

"Stark gelitten" habe das Vereinsleben in Hähnichen, meint Tom Miertschink vom dortigen Jugendclub. Die Einnahmequelle der jungen Leute - die Feiern - seien komplett weggebrochen. Um das Fortbestehen des Clubs zu garantieren, habe man zu einer unpopulären Maßnahme greifen müssen. "Wir haben monatliche Mitgliedsbeiträge eingeführt. Die gab es vorher bei uns noch nicht."

Jugend kommt bald wieder auf ihre Kosten

Jetzt, nachdem die Kontakt- und Hygienebeschränkungen der Corona-Pandemie fast komplett beendet sind, "fällt uns allen ein Stein vom Herz", beteuert der junge Mann. Welche Veranstaltungen in Zukunft laufen könnten, darüber werde man in ein paar Tagen beraten. "Ich denke, dass die Jugend unserer Gemeinde wieder auf ihre Kosten kommt und wir uns bei den örtlichen Highlights - zum Beispiel dem Hexenfeuer - beteiligen werden."

Noch in den Startlöchern der Nach-Corona-Ära steht der Mückaer Club. "2020 ist ja überhaupt nichts passiert. Auch in diesem Jahr war bisher Flaute", bedauert René Kieschnick. Seine knapp 40 Mitstreiter befinden sich sozusagen noch in "Lauerposition". Nur eins ist klar: "Unser Maibaum steht noch. Wir werden warten, bis wir ihn mit mehreren Leuten umschmeißen können." Unendlich auf die lange Bank soll das natürlich nicht geschoben werden. Aber: "Einige unserer Mitglieder sind inzwischen älter geworden und wohnen nicht mehr hier. Deshalb müssen wir sehen, wann wieder eine 'schlagkräftige' Truppe beisammen ist." Die dann auch ordentlich zu feiern versteht.

Aktuell leider noch nichts planbar

Kieschnick bedauert, dass man "aktuell überhaupt noch nichts richtig planen kann." Die "Mück'sche Wies'n" im September wären zwar schön. "Ob sie aber stattfinden und wir uns daran beteiligen können, weiß heute doch noch niemand." Damit sich seine Vereinskollegen in der Zwischenzeit nicht zu sehr ans Alleinsein gewöhnen, plant Kieschnick demnächst eine Paddeltour. "Es ist doch wichtig, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren." Wenn das geschähe, hätte Corona tatsächlich gesiegt.

Kritik übt der Vereinschef am Verhalten der Gemeinde. Die sei dem Club zwar bei der Miete für die Räumlichkeiten entgegengekommen. "Für uns ist der Restbetrag in der aktuellen Lage aber noch zu viel." Sollte im Herbst oder Winter tatsächlich eine vierte Welle kommen und Veranstaltungen dann nicht mehr möglich sein, "müssten wir uns überlegen, ob wir uns von unserem Standort trennen." Ein Leben ohne Vereinsheimat sei zwar traurig, unter den gegebenen Umständen aber nicht zu ändern. Die Zukunft des Clubs liegt dann in einer anderen Richtung: Wahrscheinlich wird er mit dem Heimatverein fusionieren. Gespräche dazu gibt es schon. "Dann können wir unsere Kräfte bündeln", gibt René Kieschnick der Zukunft neue Hoffnung.

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