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Den Sport überlässt er jetzt anderen

Dafür rüstet Bruno Kabus Thai-Sportler aus. Sein internationales Geschäft betreibt der Nieskyer nur online.

Bruno Kabus ist ein Fan des Thai-Sports. Der Nieskyer übt ihn nicht nur aus, sondern handelt auch mit Sportbekleidung für Thaiboxer.
Bruno Kabus ist ein Fan des Thai-Sports. Der Nieskyer übt ihn nicht nur aus, sondern handelt auch mit Sportbekleidung für Thaiboxer. © Nikolai Schmidt

Bruno Kabus mag Thailand. Wäre jetzt nicht Corona, würde er wieder in diesem asiatischen Land sein. Nicht wegen Kultur, Küche und Landschaft, sondern wegen des Sports. "Ich bin nicht nur ein Fan des Muay Thai, ich übe diesen Kampfsport auch aus", sagt der in Niesky aufgewachsene Bruno Kabus.

Muay Thai hat seinen Ursprung in Thailand - und zwar in den traditionellen Kampfkünsten des Landes. Wenn für die Krieger Schwert und Speer unbrauchbar wurden, benutzten sie ihre Beine, Fäuste und Ellbogen zum Kämpfen. Diese waffenlosen Techniken prägen das heutige Muay Thai, das aus diesem Grund auch Thaiboxen genannt wird. Bruno Kabus kämpft also ohne Schwert und Speer, aber in der entsprechenden Boxer-Kleidung.

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Eine eigene Marke entwickeln

Diese Kleidung nicht nur zu besitzen und zu tragen, sondern selbst herzustellen und zu vertreiben, diese Idee kam ihm bei seinem Studium zum Elektroingenieur in Dresden. Denn in Dresden fand Bruno Kabus ein Studio in dem Thaiboxen angeboten wurde. "Ich war unzufrieden mit dem was ich beim Sport trug. Zudem gibt es nur wenige Qualitätsmarken auf diesem Gebiet", sagt der Thaiboxer. Seine kreative Seite war nun gefragt, um eine eigene Marke mit einem Logo zu entwickeln. Da Muay Thai auch als die "Kunst der acht Waffen" bezeichnet wird, bezogen auf die jeweils vier Gliedmaßen zweier Kämpfer, nennt Bruno Kabus sein Label fortan "8Weapons".

"Um tief in die Materie eintauchen zu können, musst du nach Thailand!" Das stand für ihn schon als Student fest. 2014 hatte Bruno Kabus seinen Abschluss in der Tasche. Er packte eine größere Tasche und flog nach Thailand in die Hauptstadt. Ein halbes Jahr blieb er in Bangkok. "Das ist eine neue Welt für mich. In dem Land zu sein, wo das Thaiboxen seinen Ursprung hat und zum Nationalsport geworden ist."

Ein guter Elektroniker

Der erste Thailandaufenthalt wurde für den Nieskyer prägend. Hier baut er sein Geschäft auf und geht damit in die Selbstständigkeit. Das stand für ihn fest. Rückblickend sagt er, dass er auch ein guter Elektroniker für Automatisierungstechnik geworden wäre. Gelernt hat er den Beruf bei den Stadtwerken Niesky. Er holte die einjährige Fachhochschule in Dresden nach. Anschließend ging er zum Studium an die Hochschule für Technik und Wissenschaft (HTW) in Dresden. "Die Stadtwerke wollten mich nicht gehen lassen. Ich war für sie ein talentierter und guter Lehrling." Aber Bruno Kabus sieht sein Talent mehr im Thai-Sport. In dem Dresdner Studio holt er sich das Rüstzeug dafür und qualifiziert sich zum Trainer.

Thaiboxen sollte auch in Niesky zur Sportart werden. "Ich begann, die entsprechenden Strukturen aufzubauen, die zur Gründung des Vereins Ironsports führten." Mit der jährlichen "Fightnight" holte Bruno Kabus internationale Größen des Muay Thai nach Niesky. Neun Kampf-Nächte gab es bisher. Die Zehnte sollte am 12. April stattfinden. Sie musste coronabedingt ausfallen. "Zehn wollen wir noch schaffen, das ist unser Ehrgeiz", sagt der Cheforganisator und setzt auf kommendes Jahr. Dann will Bruno Kabus die Fäden aber nur noch im Hintergrund ziehen.

Ohne Laptop geht nichts

Sein Online-Handel mit Sportkleidung und -ausrüstung hat den 33-Jährigen voll in Beschlag genommen. Den Sport überlässt er jetzt anderen. "In meiner Studentenzeit war ich sechs Mal die Woche zum Training. Jetzt bin ich froh, wenn ich es einmal in der Woche schaffe", sagt der Selfmade-Mann. Mitunter muss der Sandsack herhalten, der in der Wohnung hängt. Diese befindet sich inzwischen in der Görlitzer Innenstadt. Dort lebt Bruno Kabus zusammen mit seiner Lebensgefährtin. Sie studiert in Görlitz Management im Masterstudiengang und hilft bei der Buchhaltung. Wie nützlich fürs Geschäft! Dieses wird von der Wohnung aus geführt. "Einzige Bedingung für mich war, dass meine Wohnung einen leistungsfähigen Internetanschluss hat. Mein Vermieter hat mit einem Glasfaserkabel dafür gesorgt." Denn Bruno Kabus wichtigstes Arbeitsmittel ist sein Laptop, den er an eine starke Datenleitung stöpseln kann.

"8Weapons" ist in den fünf Jahren zu einem mittelständischen Unternehmen gereift. Zusammen mit der Unterstützung des Geschäftspartners Andreas Munz am Bodensee, dem angestellten Grafiker Marko Frenzel und mehreren Dienstleistern in Fernost, vor allem in Thailand, die die Kleidung und Ausrüstung für Thaiboxer herstellen. "Das geschieht traditionell in Handarbeit in kleinen Manufakturen oder Familienbetrieben, die nach unserem Design diese Artikel produzieren", erklärt der Unternehmer. Per Schiff kommen T-Shirts, Shorts, Boxhandschuhe und -bandagen nach Deutschland.

Lager rettet durch die Corona-Zeit

Bruno Kabus und sein Geschäftspartner setzen dabei auf Lagerhaltung. Ihre Hallen messen 1.000 Quadratmeter. Das rettet sie ein Stück weit durch die Corona-Pandemie. "Als Betriebe schließen mussten, Transporte nicht mehr stattfanden, haben wir den Wert eines Lagers schätzen gelernt", sagt der Jungunternehmer. Doch die erste Corona-Welle im Frühjahr packte auch ihn mit ganzer Wucht. Sportstudios schlossen, der Umsatz fiel auf Null - aber die Verbindlichkeiten gegenüber den Lieferanten blieben. "Das war für uns alle ein Schock!" Mit Hilfe der Sächsischen Aufbaubank konnte Bruno Kabus die offenen Rechnungen begleichen. "Das hat online super geklappt." Überhaupt macht Bruno Kabus alles Geschäftliche im Homeoffice. "Das ist es egal, wo du sitzt", sagt er und seine Gedanken sind wieder in Thailand. Bisher war er als Geschäftsmann jedes Jahr für einen Monat dort. Aber Corona bringt auch diese Tradition durcheinander.

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