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Sportverrückter krempelt Branche um

Richard Funke ist erst 24 Jahre alt. Einst war er Zehnkampf-Kreismeister, nun hilft der Rothenburger anderen, mehr für ihre Fitness zu tun. Und das mit Erfolg.

Seit Juli 2020 betreibt Richard Funke in der Görlitzer Straße in Niesky sein eigenes Fitnessstudio. Er selbst ist erst 24.
Seit Juli 2020 betreibt Richard Funke in der Görlitzer Straße in Niesky sein eigenes Fitnessstudio. Er selbst ist erst 24. © André Schulze

Manchmal muss sich Richard Funke kneifen. Der Rothenburger ist Gesundheitscoach, hat sein eigenes Fitnessstudio, dazu als Personaltrainer einen dicht gefüllten Terminkalender. Und er führt Kletterkurse durch, die Felsen in den Königshainer Bergen sind sein Revier. All das mit nur 24 Jahren.

"Na klar freue ich mich, dass ich schon eine Menge erreicht habe in meinem Leben", sagt der junge Mann. Dass dies auch jede Menge Arbeit gekostet hat und 16-Stunden-Tage eigentlich die Regel sind, ist für ihn nicht wichtig, sondern eher normal. Auch Corona und die Einschränkungen, mit denen er schon im Frühjahr zurechtkommen musste, bleiben eher nur eine Randnotiz.

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...und lassen Sie sich elektrisieren.

Als Jugendlicher viermal Kreismeister im Zehnkampf

Schon als Kind war der kleine Richard mit seiner Mutter regelmäßig Gast in einer Rothenburger Sportgruppe. "Das waren für mich Pflichttermine, ohne große Emotionen, das musste einfach sein", erinnert er sich. Immerhin weckte es in ihm den Bewegungsdrang. Den reizte er als Jugendlicher bei den "Springmäusen" noch ein bisschen intensiver aus. Die Leichtathletik hatte es ihm angetan, vor allem Zehnkampf - eigentlich aber alle Disziplinen. "Über 110 Meter Hürden wurde ich in meiner Altersklasse mal sächsischer Vizemeister. Aber objektiv betrachtet war ich nur durchschnittlich begabt", räumt er selbstkritisch ein. Daran ändern auch vier Kreismeistertitel im Zehnkampf nichts. "Mich reizte immer, selbst verantwortlich zu sein für den Erfolg oder das Versagen."

Im Sommer war überwiegend Freilufttraining angesagt, im Winter ging es in die Halle. Oder ins Fitnessstudio. "Natürlich habe ich da ordentlich Gewichte bewegt und bin in den Kraftsport reingerutscht." Vor allem sei es der Spaß daran gewesen, seinen Körper an höhere Leistungen zu gewöhnen.

Rothenburgs Vorzeigereiter Philipp Schober setzt auf seinen Personaltrainer Richard Funke, der ihn auch nach einer Verletzung wieder fit gemacht hat.
Rothenburgs Vorzeigereiter Philipp Schober setzt auf seinen Personaltrainer Richard Funke, der ihn auch nach einer Verletzung wieder fit gemacht hat. ©  Archiv/André Schulze

Nach dem Abi am Nieskyer Schleiermacher-Gymnasium fing er als Offiziersanwärter bei der Bundeswehr an. Sein Ziel: Pilot werden. Aber körperliche Defizite ließen das nicht zu. So begann er ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik. Das Manko dabei: Sportliche Betätigung gab's nur auf Sparflamme. "Das war auf Dauer nichts für mich. Deshalb strengte ich zum nächstmöglichen Zeitpunkt meine Entlassung an und trieb in der Zwischenzeit die Ausbildung zum Trainer und Ernährungsberater voran."

Mit mobilem Equipment auf den Dörfern unterwegs

Richard Funke wusste plötzlich, wohin er sich orientieren wollte. In Görlitz nahm er einen Job als Fitnesscoach an und forcierte seine berufliche Selbstständigkeit. "Ich merkte, als Angestellter sind meine Möglichkeiten, selbst Einfluss zu nehmen auf das, was ich mache, begrenzt. Deshalb konnte das für mich nur eine Zwischenlösung sein." Mit 22 Jahren hatte sich der Rothenburger nebenher einen so großen Kundenkreis aufgebaut, dass er davon leben konnte. Reiter Philipp Schober war einer seiner ersten Klienten als Personal Trainer und lässt sich heute noch fit machen von ihm. Auf den Dörfern rund um Niesky bot Richard Funke Gruppenkurse an. "Die ersten fanden in Kreba und Daubitz statt", erinnert er sich. So war er ständig mit mobilem Equipment unterwegs - Matten, Hanteln, Bälle für den Einsatz am jeweiligen Ort.

In den Königshainer Bergen machte er ein Kindheitshobby zum Teil seines Jobs. "Am Gymi hatten wir eine Kletterwand. Dort war ich regelmäßig und oft unterwegs." Später bei den Gebirgsjägern der Bundeswehr gehörte Klettern zum Ausbildungsprogramm. In dem kleinen Gebirge zwischen Niesky und Görlitz bietet er nun Kletterkurse an.

Die Königshainer Berge sind Richard Funkes Kletterrevier. In den Steinbrüchen führt er immer wieder Kletterkurse durch.
Die Königshainer Berge sind Richard Funkes Kletterrevier. In den Steinbrüchen führt er immer wieder Kletterkurse durch. ©  Archiv/André Schulze

Seit Juli dieses Jahres ist Richard Funke zudem Herr in seinem eigenen Fitnessstudio. Die Räume in der Görlitzer Straße in Niesky sind jetzt sein zentraler Anlaufpunkt. Seine - wie er es nennt - "Homebase" aller beruflichen Aktivitäten. Hier gibt es aktuell elf Kurse. Überhaupt werde Gruppentraining immer beliebter, stellt er fest. "Es ist wie ein Traum, den ich hier leben darf. Etwas aufgebaut zu haben, das den Leuten Spaß macht. Und mir keinen Stress bereitet. Ich bin absolut locker bei der Sache, völlig entspannt", blickt er zufrieden auf die vergangenen Monate zurück.

Sport ist bei ihm auch in der Freizeit angesagt

Bei soviel Job bleibt fürs Private in der Woche nur noch wenig Zeit. Hat da Richard Funke überhaupt Lust darauf? "Na klar", schmunzelt der 24-Jährige. Auch wenn seine Freundin da wohl äußerst tolerant sein muss. Denn Hobbys haben bei ihm - kaum verwunderlich - ebenfalls mit Sport zu tun. "Exzessiv die Berge hoch und runter, Cross und Rettungsschwimmer. Dafür kann ich mich richtig begeistern."

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Wahrscheinlich werden diese Leidenschaften demnächst aber weiter eingeschränkt. Denn Richard Funke möchte beruflich größer denken, sich auch nach Görlitz orientieren. Dort will er Räume für ein weiteres Fitnessstudio suchen. Und Klienten, denen seine individuelle, an den Personen orientierte Arbeit gefällt. "In Niesky bleibe ich natürlich. Aber man muss sich ja neue Ziele setzen. Und wenn der erste Traum verwirklicht ist, an die Umsetzung des nächsten gehen."

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