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Eine Rarität für Kaltwasser

Obwohl der Kinderspielpark geschlossen ist, wird hinter seinen Kulissen gewerkelt. Dabei ist auch ein Spielgerät aus DDR-Zeit gefragt.

Peter Kuhnt hat ein altes Eishockeyspiel aus dem Görlitzer Helenenbad aufgetrieben.
Das will er seinen kleinen Gästen zur Verfügung stellen, wenn es repariert ist.
Peter Kuhnt hat ein altes Eishockeyspiel aus dem Görlitzer Helenenbad aufgetrieben. Das will er seinen kleinen Gästen zur Verfügung stellen, wenn es repariert ist. © André Schulze

Peter Kuhnt schaut auf eine große, blaue Kiste. "Darauf bin ich besonders stolz", sagt der Inhaber vom Kinderspielpark Kaltwasser zu seiner Neuerwerbung. Das Leuchten seiner Augen verrät, dass er eine besondere Beziehung zu dem schweren Kasten, so groß wie eine Gefriertruhe, hat. Es ist der berühmte Eishockey-Spielautomat aus DDR-Zeiten. Dieser hatte in vielen Kulturhäusern, Gaststätten und Einrichtungen seinen festen Platz. Für zehn Pfennige konnte man dem Puck, der eine schwere Eisenkugel ist, nachjagen.

"Als Kind habe ich daran gespielt, im Görlitzer Helenenbad. Oft musste ich dafür anstehen, denn der Automat war sehr begehrt", erinnert sich der Besitzer. Erworben hat er die Rarität von einem Vertreter für Spielautomaten. Nun muss Peter Kuhnt dafür sorgen, dass die Kugel wieder rollt. Die Elektrik scheint defekt zu sein. Aber er hat schon einen Fachmann dafür engagiert. "Ich hoffe, er bringt das Gerät wieder zum Laufen, das wäre eine echte Attraktion für den Park", ist Kuhnt überzeugt.

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50 Spielgeräte aufmöbeln

Dass die coronabedingten Einschränkungen ihn zum Nichtstun verdammen, ist bei Peter Kuhnt nicht der Fall. Denn es ist nicht nur der Eishockeyautomat, den der umtriebige Kaltwasseraner wieder aufmöbelt. Den Kopf in den Sand zu stecken, ist für den 61-Jährigen nicht die Lösung, obwohl er viel davon im Park verteilt hat. Zusammen mit seinen Helfern baut und erweitert Peter Kuhnt den Park, wie ihm die Möglichkeiten gegeben sind. So hat sich sein Team vorgenommen, alle Spielgeräte zu überholen und ihnen einen neuen Anstrich zu geben. Rund 50 Geräte und Spielfiguren betrifft das. Aber auch das historische Karussell bekommt neue Farbe, ebenso die Gondeln vom Riesenrad.

Dabei ist der Betreiber guter Hoffnung, dass es morgen schon wieder losgehen könnte. Aber danach sieht es derzeit nicht aus. Der kleine Freizeitpark startet eigentlich immer zu Ostern in die neue Saison. Eigentlich. Bereits im vergangenen Jahr konnte Peter Kuhnt den Park erst ab 21. Mai öffnen. Das macht dem Betreiber große Sorgen. "Das Ostergeschäft ist nicht nur der Auftakt in die neue Saison, sondern auch das erste Wochenende mit guten Einnahmen", sagt Kuhnt. Für Mai hatte er zwei weitere Veranstaltungen geplant - zum Muttertag und zu Himmelfahrt. Auch daraus wird nichts werden.

"Diese Ungewissheit macht einen mürbe", sagt Kuhnt. Nichts kann er planen - und Geld kommt auch keines herein. Peter Kuhnt hängt an seiner kleinen Freizeitoase. 2002 hat er den Park von seinem Vorgänger Mario Kaulfers übernommen. Dieser hat den Kinderspielpark am ehemaligen Kulturhaus 1993 eröffnet und unterstützt auch heute noch seinen Nachfolger mit Ideen und deren Umsetzung. Peter Kuhnt ist ihm dafür sehr dankbar.

Das Wasser ist verschwunden. Künftig können die Besucher im Kinderspielpark Kaltwasser von Peter Kuhnt (im Foto) nicht mehr um die Höhle des Gorillas gondeln.
Das Wasser ist verschwunden. Künftig können die Besucher im Kinderspielpark Kaltwasser von Peter Kuhnt (im Foto) nicht mehr um die Höhle des Gorillas gondeln. © André Schulze

Teich gehört der Vergangenheit an

Das betrifft nicht nur die kleineren Arbeiten im Inneren des Gastraumes, wo bei Regen sich die Kinder beschäftigen können. Die Größeren warten draußen. Wenn der Park wieder öffnet, gehört der Gondelteich der Vergangenheit an. "Ich hatte jedes Jahr Probleme mit der Folie, dass sie undicht war. Jetzt gibt es an dieser Stelle etwas Neues", macht Peter Kuhnt neugierig. Was, das will er noch nicht verraten, aber es wird eine Attraktion für die Kinder werden, die er zusammen mit Mario Kaulfers in dem Rondell schafft. Nur eines ist sicher: der Gorilla in seiner Höhle bleibt stehen.

Dieser Umbau des früheren Teiches, aber auch das Warten der Spielgeräte, wäre für den Parkeigentümer finanziell nicht möglich, hätte er nicht so viele Helfer und Unterstützer, die sich uneigennützig einbringen. "Ich freue mich über jeden, der etwas für den Park leistet und damit den Kindern und ihren Familien eine angenehmen Aufenthalt möglich macht", lobt Kuhnt das Engagement vieler. In Zeiten von Corona ist es nicht selbstverständlich, dass ihm Betriebe und Handwerker unentgeltlich helfen, damit sich die Spielgeräte wieder drehen können.

Halloweenparty ist der Renner

Wann die Euro-Münzen wieder in der Eintrittskasse klimpern werden, kann der Betreiber nicht voraussagen, obwohl er sich das gern wünschen würde. Denn über das Jahr hat er noch einige Feste und Veranstaltungen geplant. Den Abschluss macht wieder die Halloweenparty am 31. Oktober. Für Peter Kuhnt hat sich diese Party zu einem richtigen Event gemausert: "Rund 100 Gäste hatte ich im vergangenen Jahr da. Und großes Glück. Am nächsten Tag begann der Lockdown." Nun hofft der Kaltwasseraner, als nächstes wenigstens den Kindertag am 1. Juni zu feiern. An einem Hygienekonzept soll es nicht scheitern. An diesem Tag dürfen die Kinder ohne Eintritt in den Spielpark. Apropos Eintritt: Eine bittere Pille müssen die Besucher in diesem Jahr schlucken. Der Eintritt erhöht sich um einen Euro auf 4,50 Euro pro Person, auch für Kinder ab zwei Jahre.

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