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Klittener Barockkirche ist (fast) die beliebteste im Land

Zur "Kirche des Jahres 2021" hat es Klitten nicht geschafft, aber ein dritter Platz ist dem Gotteshaus sicher. Und es gibt Pläne, damit mehr Touristen sie entdecken.

Pfarrer Daniel Jordanov steht vor der evangelischen Kirche in Klitten und zeigt die Urkunde für den dritten Platz im Wettbewerb der KiBa-Stiftung.
Pfarrer Daniel Jordanov steht vor der evangelischen Kirche in Klitten und zeigt die Urkunde für den dritten Platz im Wettbewerb der KiBa-Stiftung. © André Schulze

Auf das oberste Treppchen hat es für die Klittener nicht gereicht. Aber der dritte Platz im Wettbewerb "Kirche des Jahres 2021" ist ihnen sicher. Ausgeschrieben hatte die jährliche Wahl die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland, kurz KiBa.

Für Pfarrer Daniel Jordanov ist das eine schöne Überraschung, zumal die Platzierung allein den Bürgern zu verdanken ist, die für die evangelische Kirche in Klitten stimmten. "Und das sind nicht nur Klittener gewesen", weiß der Pfarrer aus Gesprächen. Ein Drittel der Stimmen wurden analog, also mit einer Postkarte eingereicht. Ein Zeichen dafür, dass viele ältere Menschen ihr Votum für die Klittener Kirche gegeben haben.

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Laut Stiftung nahmen 13.883 Menschen an der Abstimmung vom 1. April bis 15. Mai teil. Zur Auswahl standen zwölf, von der KiBa im Vorjahr geförderte Kirchen in Deutschland. Die Klittener können 1.432 Stimmen auf ihr Baudenkmal vereinen. Sieger wurde die Dorfkirche in Ranzin (Vorpommern), Zweitplatzierter ist die Stiftkirche St. Cyriakus in Frose/Seeland (Sachsen-Anhalt). Auf sie fielen 3.960 beziehungsweise 2.187 Stimmen.

Ende der 1990er Jahre wurde das Innere der Klittener Kirche umfangreich saniert. Die originale Orgel wurde durch den Brand 1945 zerstört. Die heutige Orgel ist 1950 von der Orgelbaufirma A. Schuster & Sohn aus Zittau gebaut worden.
Ende der 1990er Jahre wurde das Innere der Klittener Kirche umfangreich saniert. Die originale Orgel wurde durch den Brand 1945 zerstört. Die heutige Orgel ist 1950 von der Orgelbaufirma A. Schuster & Sohn aus Zittau gebaut worden. © André Schulze

Fahrradkirche in Klitten

Die Platzierung bringt der kleinen Dorfkirche einen Schub an Aufmerksamkeit - und den will die Kirchgemeinde nutzen. So soll das Gotteshaus eine weitere Fahrradkirche in Deutschland werden. "Es halten oft Radtouristen bei uns an und wollen die Kirche von innen sehen", berichtet der Pfarrer. Mit dem Eintrag als Fahrradkirche sind die Klittener dann in den entsprechenden Publikationen und auf Tourenkarten für Radler vertreten und haben eine größere Aufmerksamkeit.

Die Klittener können stolz auf ihre Kirche sein. Nach den Schicksalsschlägen 1945 und in den 1980er Jahren haben sie heute ein schönes Gotteshaus in ihrem Ort stehen. In den letzten Kriegstagen brannte die Kirche bis auf die Grundmauern nieder. Zwei Jahre später begann bereits ihr Wiederaufbau in der alten Struktur. In den 80er Jahren sollte die Kirche der Braunkohle weichen, so wie der gesamte Ort. Eine zweite Zerstörung ihrer Kirche im 20.Jahrhundert konnten die Klittener erfolgreich abwehren.

In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wurde die Kirche in ihrem Inneren umfangreich saniert. Rund eine halbe Million D-Mark ist dafür ausgegeben worden. Auch die Kanzel kam mit dran und die Holzeinbauten erhielten ihre Originalfarben zurück. Somit wurde die Klittener Kirche wieder zu einer der schönsten barocken Kirchen der Oberlausitz und hat sich den dritten Platz im KiBa-Wettbewerb durchaus verdient.

Der 1587 gestiftete Flügelaltar aus der Schule Lucas Cranach des Jüngeren zeigt im Mittelbild das Abendmahl Jesu. In den Flügeln sind die Auferstehung und die Anbetung eines Kindes abgebildet. Darunter befinden sich zwei Porträts des Stifters Graf Kaspar
Der 1587 gestiftete Flügelaltar aus der Schule Lucas Cranach des Jüngeren zeigt im Mittelbild das Abendmahl Jesu. In den Flügeln sind die Auferstehung und die Anbetung eines Kindes abgebildet. Darunter befinden sich zwei Porträts des Stifters Graf Kaspar © André Schulze

Den Altar in Hamburg in Sicherheit gebracht

Zudem beherbergt das Gotteshaus ein besonderes Juwel in Form eines Flügelaltars. Dieser wurde in der Schule des Wittenberger Malers Lucas Cranach des Jüngeren (1515 bis 1586) auf Holz gemalt. Ob der Meister daran selbst Hand anlegte, ist nicht verbürgt. Fest steht aber, dass dieser Altar ein Geschenk des Grafen Kaspar von Nostitz ist, das er 1587 der evangelischen Kirchgemeinde machte.

Dass der Altar seit 434 Jahren das Kircheninnere schmückt, bleibt ein Verdienst von Gert Alpermann, Pfarrer von 1937 bis 1950. Er sah mit dem Kriegsende Unheil auf seine Kirche zukommen und entfernte den Altar. Er nahm ihn mit auf die Flucht vor den Russen. Wie der promovierte Pfarrer in seiner Chronik schreibt, übergab er das wertvolle Kunstwerk Kaufleuten. Sie nahmen es mit nach Hamburg und lagerten es dort ein. Schließlich gelangte der Altar unbeschadet nach Klitten zurück.

Dach und Fassade erneuern

Somit haben die Klittener immer noch ein Pfund in ihrer Kirche, mit dem sie wuchern, sprich Gäste anlocken können. Die Kirchgemeinde drücken aber seit einigen Jahren andere Sorgen: Die Außenhaut des Gotteshauses muss saniert werden. Der 46-jährige Pfarrer spricht von umfangreichen Arbeiten an der Fassade und von einer Erneuerung des Daches. Die Kosten sind auf 375.000 Euro kalkuliert und müssen zusammengetragen werden. Die Kirchbaustiftung will sich mit 25.000 Euro in Klitten beteiligen. Insgesamt vergibt sie dieses Jahr 1,2 Millionen Euro an Fördergeldern. Die Stiftung Denkmalschutz ist mit 10.000 Euro dabei. Der Löwenanteil soll von der Landesdenkmalpflege kommen und aus den Eigenmitteln der Kirchgemeinde.

Noch liegen dem Pfarrer nicht alle Zusagen vor, um beginnen zu können. "An der Sanierung sind wir seit zehn Jahren dran, wir haben schon verschiedene Fördertöpfe abgeklopft, aber nicht immer passte das", erklärt Jordanov, der seit 2007 Pfarrer in Klitten ist. Neben der laufenden Spendenaktion für die Kirche ist auch ein Benefiz-Konzert mit der George-Bähr-Stiftung im Herbst vorgesehen. George Bähr war ein sächsischer Baumeister des Barocks. Sein Hauptwerk ist die Dresdner Frauenkirche.

Mehr Aufmerksamkeit beschert der Klittener Kirche nicht nur die gute Platzierung in dem Bundeswettbewerb der KiBa, sondern auch ein Eisautomat. Dieser steht zur Selbstbedienung vor dem benachbarten Gasthof. Pfarrer Jordanov hat schon beobachtet: "Touristen, die sich dort ihr Eis holen, zeigen sich oft interessiert an unserer Kirche und wollen sie besichtigen." Das scheint ein guter Anfang für eine Fahrradkirche zu sein.

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