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Kodersdorfs Aufschwung bringt Klärwerk in Not

Die Anlage ist wegen der vielen Ansiedlungen in der Gemeinde bei Görlitz zu klein. Jetzt wird sie erweitert. Das reduziert auch Lkws auf der B 115.

Cornelia Linke nimmt Proben zur Eigenkontrolle der Abwasserqualität im Klärwerk Kodersdorf. Sie ist Mitarbeiterin im Fachunternehmen Kretschmer, das für die Gemeinde Kodersdorf das Klärwerk betreibt.
Cornelia Linke nimmt Proben zur Eigenkontrolle der Abwasserqualität im Klärwerk Kodersdorf. Sie ist Mitarbeiterin im Fachunternehmen Kretschmer, das für die Gemeinde Kodersdorf das Klärwerk betreibt. © André Schulze

Das Klärwerk in Kodersdorf kann den Bedarf nicht mehr decken. Die Anlage ist zu klein geworden für den Ort und vor allem die Unternehmen im Gewerbegebiet an der Autobahn. Das soll sich in diesem Jahr ändern.

Die Grenze von 4.500 Einwohnergleichwerten (EGW) ist erreicht, die Gemeinde kann keine neuen Einleiter mehr annehmen, sagt Bürgermeister René Schöne. Deshalb plant Kodersdorf seit Ende 2019 sein Klärwerk zu erweitern. Am Ende soll es eine Kapazität von 6.500 EGW haben und damit für die Zukunft und weitere Ansiedlungen gerüstet sein. Ein EWG entspricht einem Wasserverbrauch von 180 Liter am Tag.

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Schonend für die Umwelt

Die Gemeinde verfolgt das Ziel, nicht nur eine größere Kapazität zu schaffen, in dem die vorhandene Anlage um eine neue erweitert wird. Es geht auch darum, das Klärwerk energetisch effizient und umweltschonend zu betreiben. Abhilfe schafft hier nicht nur eine neue Solaranlage, die den eigenen Strombedarf anteilig deckt, sondern auch eine Trocknungsanlage für Klärschlamm. Bereits im Januar hatte sich der Gemeinderat dazu positioniert und beschlossen, den Einsatz einer solchen Anlage zu prüfen und bei gesicherter Finanzierung auch vorzunehmen.

Inzwischen ist der Fördermittelantrag für die Erweiterung und die Klärschlammtrocknung gestellt und in Dresden eingereicht. Mit einem Baubeginn rechnet Kodersdorf noch in diesem Jahr. Ursprünglich sollte das Klärwerk mit kalkulierten 3,6 Millionen Euro vergrößert werden. Die Trocknungsanlage bringt geschätzte Mehrkosten von 663.000 Euro in das Vorhaben ein. Die Gemeinde hat den Antrag auf Förderung mit pauschal fünf Millionen Euro an Gesamtkosten gestellt. Viel Geld, aber perspektivisch rechnet sich diese Investition. "Auf eine Dauer von 20 Jahren gesehen ist die Anlage mit nachgeschalteter Klärschlammtrocknung die insgesamt wirtschaftlichere Variante", erläutert der Bürgermeister.

Klärschlamm wiegt weniger

Die Zahlen belegen das. In der gegenwärtigen Größe des Klärwerkes werden pro Jahr rund 4.500 Tonnen Klärschlamm abgefahren. Das Hauptgewicht verursacht das Wasser, das zu 80 Prozent in den Sedimenten der Abwasserklärung noch vorhanden ist. Abnehmer sind die Stadtwerke Görlitz. Sie holen den Klärschlamm mit dem Lkw ab. In der Regel fasst so ein Lkw zwölf Tonnen. Auf die 4.500 Tonnen bedeutet das, dass 375 Lkw-Fuhren im Jahr nach Görlitz rollen beziehungsweise die Fahrzeuge erstmal nach Kodersdorf kommen müssen, um zu laden.

Mit der Trocknungsanlage wird der anfallende Klärschlamm zwar nicht weniger, aber um ein Vielfaches leichter. Die Rede ist von 220 Tonnen, die dann im Jahr abzuholen sind. Der Trockensubstanzgehalt liegt zwischen 70 und 80 Prozent, das heißt, der Klärschlamm hat nur noch eine Restfeuchte zwischen 20 und 30 Prozent. Für die 220 Tonnen getrockneten Klärschlamm werden, wenn man nur das Gewicht und nicht das Volumen zu Grunde legt, theoretisch nur noch rund 18 Lkw in dieser Größe gebraucht.

Ein Heizwert wie Braunkohle

Die Gemeinde geht von einem großen Einsparpotential aus. Nicht nur, was die Fahrten der Entsorgungsfahrzeuge betrifft, sondern auch von den Kosten. Kann die Anlage gebaut werden, so ist Kodersdorf die erste Kommune im Landkreis Görlitz, die den Klärschlamm gleich vor Ort trocknet und die Umwelt damit entlastet. Zudem soll der getrocknete Klärschlamm einen Heizwert wie Braunkohle haben. Verbrennen lässt er sich aber nur bei hohen Temperaturen, um die im ursprünglichen Schlamm enthaltenen Schadstoffe mit zu vernichten.

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