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Landkreis Görlitz: Was helle Straßen mit Diebstahl zu tun haben

Festbeleuchtung im Kodersdorfer Gewerbegebiet. An anderen Stellen beizeiten "zappenduster". Woran liegt das - und ist es in Niesky anders?

Von Frank-Uwe Michel
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Heller Lampenschein am Abend in Kodersdorf. Allerdings ist der Ort nicht überall so gut ausgeleuchtet - so die Kritik von Anwohnern.
Heller Lampenschein am Abend in Kodersdorf. Allerdings ist der Ort nicht überall so gut ausgeleuchtet - so die Kritik von Anwohnern. © André Schulze

Jens Hoffmann hat seinem Unmut Luft gemacht. In einem Brief an die SZ beschreibt er die Straßenbeleuchtung in seinem Heimatort. "Wenn Sie mal jemanden in Kodersdorf nach 21.30 Uhr besuchen wollen, sollten Sie den Weg genau kennen", merkt er kritisch an. Denn pünktlich um diese Zeit gingen zumindest in Torga die meisten Lichter aus. Dann bringe nur noch jede vierte Straßenlaterne Licht ins Dunkel. Ein richtiges Beleuchtungskonzept sei nicht zu erkennen: "Auf den Hauptstraßen ist es um diese frühe Abendstunde schon 'zappenduster'."

Der Kodersdorfer lobt das seit Jahren "aufwendig ausgebaute Straßenbeleuchtungssystem". Allerdings sei ihm unklar, dass ein Ort mit seit Jahren hohen Fallzahlen in Sachen Kriminalität nachts nicht besser ausgeleuchtet werde. Zumal es an manchen Stellen funktioniere. "Das ganze Gegenteil kann man erleben, wenn man durch das Gewerbegebiet an der A 4 fährt. Hier leuchten hunderte Straßenlaternen die ganze Nacht." Kurios dabei sei, dass die ansässigen Unternehmen ihr Betriebsgelände ebenfalls großzügig beleuchten würden. Kommunale und "Betriebslampen" stünden oft keine drei Meter voneinander entfernt.

Bürgermeister René Schöne beschreibt die Situation in der Gemeinde so: "Wir haben bisher rund 1.000 Leuchtpunkte neu installiert. Sämtliche Leuchten werden zeitlich versetzt gesteuert." Einen gesonderten Plan hinsichtlich Kriminalitätsschwerpunkten gebe es nicht. "Wie auch", so Schöne. "Sie sind nicht erfasst und es gibt sie schwerpunktmäßig nicht." In der Regel würden die Straßenlampen in Kodersdorf nach Lichtintensität gesteuert. "Sie leuchten bis 21.30 Uhr voll, bis 22 Uhr teilweise. Danach werden sie als Orientierungspunkte betrieben." Dies sei in vielen Gemeinden so. Auch im Gewerbegebiet würden die Lampen gesteuert. Generell achte Kodersdorf auf Energieeffizienz und stelle deshalb jedes Jahr eine bestimmte Anzahl Straßenlaternen auf LED-Leuchtmittel um.

Straßenlampen werden nach Lichtintensität gesteuert

Kodersdorf gehört jedoch tatsächlich zu den Kriminalitätsschwerpunkten innerhalb der Polizeidirektion Görlitz. Allerdings gibt es laut Sprecherin Anja Leuschner eine Besonderheit: "Die Bundespolizei nutzt die Aral-Tankstelle an der Autobahnauffahrt häufig für Kontrollen im Zusammenhang mit ausländerrechtlichen Verstößen." Festgestellte Straftaten flössen in die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) auf das Konto von Kodersdorf ein. Würden diese Delikte nicht mit eingerechnet, läge die sogenannte Häufigkeitszahl (HKZ), mit der die Kriminalitätsbelastung einer Gemeinde berechnet wird, zwar noch immer über dem Gesamtwert der Polizeidirektion. Dies könne aber "der unmittelbaren Grenznähe und der A 4 als Transitstrecke zugerechnet werden", so Leuschner.

Nach Angaben der Sprecherin wurden 2020 in Kodersdorf insgesamt 458 Fälle registriert, ohne ausländerrechtliche Verstöße waren es 190. Die Häufigkeitszahl, die sich aus dem Verhältnis der erfassten Straftaten je 100.000 Einwohner ergibt, lag bei 19.187, ohne ausländerrechtliche Verstöße bei 7.960. In der gesamten PD Görlitz ergab sich für 2020 eine HKZ von 6.076, ohne die genannten Verstöße von 5.689. Den Zusammenhang von Kriminalität und Straßenbeleuchtung sieht Anja Leuschner deshalb differenziert. Inwieweit sie einen Einfluss auf die Kriminalitätsrate habe, sei bisher kaum untersucht worden. "Studien und Befragungen haben jedoch ergeben, dass durch ausreichend gut beleuchtete Straßen das subjektive Sicherheitsgefühl stärker wird."

Ähnlich wie in Kodersdorf wird das Beleuchtungsregime der Straßen auch in Niesky durchgeführt. In der Stadt gibt es an den Straßen und Plätzen etwa 1.700 Lampen. Seit drei Jahren werden die herkömmlichen Leuchtmittel sukzessive gegen stromsparende und qualitativ bessere LEDs ausgetauscht. Eine gesamtstädtische Lösung für die Nachtbeleuchtung sei zwar möglich, sagt Tiefbauamtsleiter Enrico Bachmann, mache aus seiner Sicht aber wenig Sinn. "Partielle Lösungen können vernünftiger sein. In unserem Fall etwa für den Zinzendorfplatz. Oder für bestimmte Straßenabschnitte. Oder wegen Dingen, die sich aus der Verkehrssicherungspflicht ergeben."

In Niesky funktionieren die Straßenlampen im sogenannten Zweikreissystem - mit Lichtsensoren bis gegen 22 Uhr. Ab etwa 4.30 Uhr werden sie wieder aktiviert. In den Nachtstunden leuchten zur Orientierung nur Knotenpunkte.