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Kohlemillionen: Kodersdorf gehört zu den Gewinnern

Umgehungsstraße und Ärztehaus bekommt Kodersdorf gefördert. Auch die Talsperre Quitzdorf wird saniert. Die Beispiele zeigen: Der Strukturwandel ist mehr als nur Bergbau-Ersatz.

Wird Kodersdorf bald die Verkehrsbelastung auf der B115 los? Mithilfe von Kohlemillionen könnte es mit dem Bau der Umgehungsstraße klappen.
Wird Kodersdorf bald die Verkehrsbelastung auf der B115 los? Mithilfe von Kohlemillionen könnte es mit dem Bau der Umgehungsstraße klappen. © André Schulze

Mit 2,7 Millionen Euro steht die Umgestaltung des früheren Kodersdorfer Herrenhauses Schönfelder zu einem Dienstleistungs- und Versorgungszentrum in der Liste jener Projekte, die der Regionale Begleitausschuss für die Landkreise Görlitz und Bautzen vor ein paar Tagen bestätigt hat. Insgesamt sind es 38 Vorhaben, die in einer ersten Tranche mit Kohlemillionen gefördert werden und damit den Strukturwandel vorantreiben sollen.

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In erster Linie mit dem Ziel, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Genau deshalb lässt sich Bürgermeister René Schöne auch kein schlechtes Gewissen einreden. Von wegen: Ärztehaus und Strukturwandel hätten nichts miteinander zu tun, das Geld dürfe nur in die kernbetroffenen Gebiete um Weißwasser und Boxberg fließen. Denn obwohl sich das Projekt noch in der Planungsphase befindet, steht fest, dass hier neue Jobs entstehen.

Und sogar schon entstanden sind. Eigentlich will der Gemeindechef keine Zahlen nennen, dann aber platzt es doch aus ihm heraus: "In den beiden Arztpraxen werden voraussichtlich sieben Stellen geschaffen. Mindestens. Und unsere Kois, die Inklusionsgesellschaft, die mit in dieses Gebäude ziehen wird, hat aktuell schon 21 Beschäftigte. Zusätzliche Leute nicht mitgerechnet, die sich in Zukunft mit Projektarbeit beschäftigen werden." Kohlemillionen hin, Strukturwandel her - Kodersdorf hat es verstanden, mit einem Projekt aus der Schublade, das seit vielen Jahren reifte, nun den Ausschuss zu überzeugen.

Aktuell befindet sich das Vorhaben in der Entwurfsplanung, zu der auch eine Kostenberechnung gehört. Daran schließt sich die Genehmigungsplanung an, gefolgt von der Ausführungsplanung. "Das alles kann aber erst stattfinden, nachdem wir den Zuwendungsbescheid der Sächsischen Aufbaubank (SAB) erhalten haben und der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) seine Plausibilitätsprüfung vorgelegt hat", beschreibt Schöne den weiteren Werdegang. Im Dezember könnten die ersten Handwerker anrücken. Nach einer voraussichtlichen Bauzeit von 18 Monaten wäre das Gebäude Mitte 2023 bezugsfertig. Dass sich die veranschlagten Kosten im Laufe der vergangenen Monate um eine halbe Million erhöht haben, begründet der Bürgermeister mit einer Projektänderung: In Zeiten des Klimawandels und der Coronagefahr wird eine Klima- und Lüftungsanlage in das Objekt mit eingebaut.

Auch die 25 Millionen Euro für die Umgehungsstraße sieht René Schöne als gerechtfertigt an. Die zur Reduzierung des Schwerlastverkehrs durch den Ort dringend benötigte Piste gehört zu den Bundesprojekten, für die es Geld gibt aus dem Kohlefonds. "Weil das Vorhaben im Bundesverkehrswegeplan keine Aufnahme fand, sind wir froh, dass es jetzt diesen Weg gibt", erklärt der Bürgermeister. Und er findet, dass die neue Straße durchaus ihre Berechtigung im Strukturwandelprozess der Lausitz hat. "Natürlich geht es in der Hauptsache um Arbeitsplätze - aber nicht nur. Wir müssen auch die sogenannten weichen Faktoren betrachten." Und da mache die Straße eben Sinn, weil sie eine wichtige Rolle bei der Sicherung von Arbeitsplätzen im Gewerbegebiet spiele. Und helfe, Wirtschaftsansiedlungen nach Möglichkeit zu erweitern.

Allerdings wird die Umsetzung noch eine Weile dauern. Nach Auskunft von Marco Henkel aus dem Sächsischen Wirtschaftsministerium ist erst 2023 mit dem Abschluss der Vorplanungsphase zu rechnen. "Gegenwärtig läuft das Vergabeverfahren für eine verkehrsplanerische Untersuchung, um die Effekte möglicher Netzverknüpfungen zu untersuchen", so der Pressereferent. Denn neben der Entlastung von Kodersdorf werde auch die optimale Anbindung der Region Horka/Rothenburg geprüft.

In den vergangenen Jahren wurde die Staumauer der Talsperre Quitzdorf bereits umfangreich untersucht. Demnächst könnte die Sanierung des maroden Bauwerks beginnen.
In den vergangenen Jahren wurde die Staumauer der Talsperre Quitzdorf bereits umfangreich untersucht. Demnächst könnte die Sanierung des maroden Bauwerks beginnen. ©  Archiv/André Schulze

Sehr wahrscheinlich ist inzwischen auch, dass die Talsperre Quitzdorf umfassend saniert werden kann. Der Begleitausschuss der beiden Landkreise hat sich positiv zu dem vom Freistaat vorgeschlagenen Projekt geäußert. Patricia Zedel von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) hält sich allerdings noch bedeckt: "Eine Entscheidung ist damit nicht verbunden. Dazu sind weitere Abstimmungen zwischen den Ministerien notwendig." Deshalb sei derzeit nicht klar, ob und wann Finanzmittel für die Komplexsanierung der Talsperre Quitzdorf zur Verfügung stehen. Auf jeden Fall hat die LTV 20 Millionen Euro dafür beantragt.

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Die Wichtigkeit des Projektes für den Strukturwandel zieht die Behörde aus der Tatsache, dass die Talsperre mit ihren Einzugsgebieten der Spree und des Schwarzen Schöps eminent wichtig für den Wasserhaushalt der Lausitz sei. Für Wassernutzer wie zum Beispiel Fischereiwirtschaften bis hin zur Trinkwasserversorgung von Berlin. "Ohne die Komplexsanierung wäre dies in Gefahr, Umweltprobleme wie die 'Verockerung' der Spree würden sich weiter verschärfen", so Patricia Zedel. Mit der Sanierung der Talsperre werde insbesondere auch die infolge des Braunkohleausstiegs in der Lausitz erforderliche Wasserhaushaltssanierung gesichert.

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