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Wohlklang statt Ohrenschmerzen

Die kleine Kirchgemeinde in Kosel bei Niesky hat ihre Orgel restauriert. Das war bitter nötig. Darüber freut sich auch die Organistin, die bis aus Spremberg angereist kommt.

Julia Reinhold, hier an der Orgel in der Kirche Kosel, ist Kirchenmusikerin für das Pfarrsprengel "Am Weißen Schöps", das Rietschen, Daubitz, Hähnichen und Kosel umfasst.
Julia Reinhold, hier an der Orgel in der Kirche Kosel, ist Kirchenmusikerin für das Pfarrsprengel "Am Weißen Schöps", das Rietschen, Daubitz, Hähnichen und Kosel umfasst. © André Schulze

Nicht nur die neuen Pfeifen aus Zinn glänzen, auch die Augen von Julia Reinhold. Denn sie sitzt vor der restaurierten Orgel in der kleinen Dorfkirche von Kosel und spielt sie. Julia Reinhold ist Kirchenmusikerin und freut sich, dass die Königin der Instrumente wieder einen sauberen Klang hat.

Julia Reinhold ist in Groß Luja bei Spremberg zu Hause. Als Kirchenmusikerin ist sie seit September 2019 im Pfarrsprengel am Weißen Schöps für zwei Tage die Woche angestellt. Zuerst spielte sie in den Kirchen Rietschen und Daubitz, seit diesem Frühjahr auch in den Gotteshäusern von Hähnichen und Kosel. Für Pfarrerin Katharina Ende ein Glücksfall.

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Selbst erst seit zwei Jahren Pfarrerin in dem Kirchensprengel, wusste sie doch, dass Kosel eine Organistin fehlt. Die letzte Kirchenmusikerin ist Frau Zelder gewesen. Sie ging bereits 2003 in den Ruhestand, erzählt der frühere Pfarrer Hans-Christian Doehring. Seitdem war die Kirchgemeinde auf Vertretungen angewiesen. "Wir schauten, wer als Orgelspieler Zeit hatte", sagt Doehring rückblickend. Eine große Hilfe ist bis heute Anita Dzonn aus Rietschen, die ehrenamtlich die Orgel spielt.

Pfarrerin Katharina Ende und Pfarrer i.R. Hans-Christian Doehring vor der restaurierten Orgel in der Dorfkirche Kosel. Doehring hat sich maßgeblich für eine Restaurierung stark gemacht.
Pfarrerin Katharina Ende und Pfarrer i.R. Hans-Christian Doehring vor der restaurierten Orgel in der Dorfkirche Kosel. Doehring hat sich maßgeblich für eine Restaurierung stark gemacht. © André Schulze

Nachwuchs für das Orgelspiel

Überhaupt sind die Ehrenamtlichen die musikalischen Retter vieler Gottesdienste. Das bestätigt Reinhard Seeliger, Kantor und Organist an der Görlitzer Peterskirche. "Ohne sie hätten wir ein großes Problem", sagt der Kirchenmusikdirektor. Deshalb ist man im Evangelischen Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz bestrebt, für Nachwuchs zu sorgen. Diesem Anspruch stellt sich auch Julia Reinhold.

Die ausgebildete Gemeindepädagogin unterrichtet seit zwei Jahren Kinder und Erwachsene. Derzeit sind es vier Personen, die das Orgelspiel begeistert. "Man kann Orgel auch lernen, ohne Kenntnisse am Klavier zu haben", wirbt Julia Reinhold für einen größeren Kreis von Interessenten. Besonderen Spaß macht es, wenn man an einer frisch restaurierten Orgel sitzt wie in Kosel.

Orgel sorgt für Verstimmung

Die Koseler Kirchgemeinde brauchte einen langen Atem, bis ihr Prunkstück im neuen Klang die Kirche wieder musikalisch aufhellt. "Das Orgelspiel war nur noch unter Schmerzen zu ertragen", erzählt der musikalisch begabte Hans-Christian Doehring. Bereits 2018 schmerzten ihm die Ohren, wenn das Instrument erklang. Aber ohne eine Förderung konnte die Kirchengemeinde dieses Vorhaben nicht auf den Weg bringen. Doehring, bereits im Ruhestand, und der Gemeindekirchenrat suchten nach Förderquellen und wurden beim Leader-Programm der EU fündig.

Die Kirche in Kosel bekam 2012 ein neues Kirchendach und der Turm wurde saniert. Zwei Jahre später ist die Innenmalerei restauriert worden.
Die Kirche in Kosel bekam 2012 ein neues Kirchendach und der Turm wurde saniert. Zwei Jahre später ist die Innenmalerei restauriert worden. © André Schulze

70 Prozent bekamen die Koseler für ihre Orgel. Die Gesamtkosten der Restaurierung beliefen sich auf knapp 30.000 Euro. Ausgeführt wurden die Arbeiten von März bis Oktober im vergangenen Jahr von der renommierten Orgelbaufirma Eule aus Bautzen. Sie kümmert sich seit Jahrzehnten um das Instrument. Die Orgel wurde 1913 gebaut und für 2.700 Mark ein Jahr später gekauft und geweiht. Nicht nur die richtigen Töne mussten dem Instrument wieder beigebracht werden, die Orgel litt unter Schimmelbefall und einem desolaten Blasebalg.

Verspätete Orgelweihe

Die Orgelweihe sollte eigentlich im vergangenen Jahr stattfinden und die Besucher zu Weihnachten mit ihrem neuen Klang erfreuen. Doch Corona ließ das nicht zu, sodass die erneute Orgelweihe am 15. August erst stattfinden konnte. Julia Reinhold und Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger ließen die Luft aus den neuen Prospektpfeifen, die aus Zinn gefertigt wurden. Die bisherigen Pfeifen waren aus Zinkblech gearbeitet, das zwar preiswerter, aber was im Klang nicht so toll ist.

Julia Reinhold freut sich darauf, wenn der sonntägliche Gottesdienst aller 14 Tage in Kosel stattfindet. Dann sitzt sie wieder an der Orgel mit dem wunderbaren Klang. Das nächste Mal am 5. September.

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