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Statt Lichterfest helfen Senioren Nachbarn

In Kaltwasser bei Görlitz stimmen die Senioren sonst den Ort auf den Advent ein. Das geht in diesem Jahr nicht. Stattdessen gehen sie für andere einkaufen.

Das Lichtfest feierte Kaltwasser vor zwei Jahren groß, anlässlich 100 Jahre elektrisches Llcht im Ort.
Das Lichtfest feierte Kaltwasser vor zwei Jahren groß, anlässlich 100 Jahre elektrisches Llcht im Ort. © Archiv/Rolf Ullmann

Es sollte das 12. Lichterfest werden, das Kaltwasser am Vorabend des ersten Advent feiern wollte. Dieses Fest ist inzwischen zur Angelegenheit des ganzen Dorfes geworden. Mit dabei auch der Feuerwehr- sowie der Seniorenverein. Sie sorgen für einen vergnüglichen Nachmittag und einen gemütlichen Abend. Dass beides in dieser Corona-Zeit nicht stattfinden kann, liegt auf der Hand. Aber nicht nur das Lichterfest vermissen insbesondere die Senioren.

Die Arbeit mit den Senioren ist wieder auf Null gesetzt, berichtet Wolfgang Heintke. Der Vorsitzende des Seniorenvereins ist überzeugt, dass das bis in den Januar anhalten wird. Bereits im Frühjahr zur ersten Corona-Welle ruhte die Vereinsarbeit. Die Lockerungen im Sommer nutzte der Verein zu einer gemeinsamen Busfahrt mit dem Feuerwehrverein in die Böhmische Schweiz. Nun gibt es wieder Beschränkungen. Trotzdem ist der Vorstand bemüht, den Kontakt zu seinen Mitgliedern zu halten. Selbst der Vorstand trifft sich nicht mehr zu seinen Sitzungen. "Vom Alter her zählen wir alle zur Risikogruppe. Deshalb vermeiden wir persönliche Kontakte", sagt der Vorsitzende.

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Der Verein zählt 57 Mitglieder. Sie kommen aus Kaltwasser und Klein Krauscha. Viele von ihnen sind inzwischen über 80 Jahre alt. 2003 haben den Verein Kaltwasseraner gegründet. Seinen Ursprung hat dieser in der Ortsgruppe der Volkssolidarität. Jungrentner und Vorruheständler sind damals Mitglied geworden. Sie sind nun mit dem Verein zusammen alt geworden. Was fehlt, ist die zweite Generation an noch jungen Rentnern, die jetzt nachrückt. Das ist die Sorge von Wolfgang Heintke, dass die natürlichen Abgänge mehr werden als die Zahl derer, die neu in den Verein kommen.

Gespräche über den Gartenzaun

Aber gerade die persönlichen Begegnungen sind es, die die Seniorenarbeit ausmachen. Deshalb bleibt man nicht ganz untätig. "Auch wenn wir uns jetzt nicht mehr treffen dürfen, Gelegenheit für ein Gespräch über den Gartenzaun ist immer." Aber auch der gute alte Brief hat für Wolfgang Heinke wieder Bedeutung bekommen. So wird der Vorstand seine Weihnachtsgrüße auf einem Blatt Papier niederschreiben und mit einem kleinen Präsent versehen den Senioren zukommen lassen.

Denn an Veranstaltungen ist derzeit nicht zu denken. Anfang November sollte die Zodler Autorin Eva Mutscher aus ihren Werken in Kaltwasser lesen. Das wurde abgesagt. Ebenso das darauffolgende Lichterfest. Die Idee dazu kam im Seniorenverein 2008, als Kaltwasser feststellte, dass es seit 90 Jahren elektrisches Licht in den Häusern hat. Seitdem wird die Elektrifizierung jedes Jahr vor dem ersten Advent mit einem Fest gefeiert. 2018 besonders, denn da sind es 100 Jahre gewesen, dass die Gas- und Petroleumlampen von der Elektrizität aus der Wand abgelöst wurden.

Ein Fest für das ganze Dorf

Einhergeht das Lichterfest mit einer Märchenaufführung, dem Auftritt des Weihnachtsmannes samt seiner Weihnachtsfrau sowie eines Posaunenchores. Verkaufsstände sind um das Ortschaftszentrum gruppiert. Dort gibt es Süßigkeiten, weihnachtliche Geschenke und für die Jüngsten eine Bastel- und Schminkecke. Alles organisiert mit den eigenen Leuten aus dem Ort. Das macht den Erfolg des Lichterfestes aus: Kaltwasser bietet Kaltwasser etwas.

Für Wolfgang Heintke sind solche Veranstaltungen wichtig, bieten sie die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen. "Mit der Schließung unseres Tante-Emma-Ladens ist auch der letzte kommunikative Punkt verschwunden, wo Menschen miteinander schwatzen konnten", sagt der 63-Jährige. Geblieben sind die Verkaufswagen, die ab und zu in Kaltwasser halt machen. Aber in dieser Jahreszeit macht das keinen Spaß, in der Kälte auszuharren.

Senioren sind verunsichert

Ein anderes Problem zeigt sich mit Corona. Viele Senioren sind verunsichert, wie sie sich richtig verhalten sollen. Als Risikoträger meiden sie die Öffentlichkeit, man zieht sich zurück. "Umso wichtiger ist für uns die Nachbarschaftshilfe geworden", betont Heintke. Diese zeigt sich darin, dass Einkäufe erledigt und Rezepte eingelöst werden, aber auch mal im Haushalt geholfen wird. Und da sind "Neubürger" ebenso mit dabei. Wie das Seniorenehepaar, das aus Berlin nach Kaltwasser zurückgekehrt ist und bei den Veranstaltungen mit hilft. In Kaltwasser funktioniert die Dorfgemeinschaft, ist Heintke überzeugt.

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