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Mann gesteht Brandstiftung in Uhsmannsdorfer Wohnhaus

Die Staatsanwaltschaft hat den 28-Jährigen sogar wegen versuchten neunfachen Mordes angeklagt. Das Motiv der Brandstiftung scheint delikat.

Die herbeigerufenen Feuerwehren konnten den Brand im Uhsmannsdorfer Wohnblock im Oktober 2020 schnell löschen.
Die herbeigerufenen Feuerwehren konnten den Brand im Uhsmannsdorfer Wohnblock im Oktober 2020 schnell löschen. © Danilo Dittrich

Dieser Brand hätte sicherlich auch schlimmer ausgehen können: In der Nacht zum 25. Oktober 2020, einem Sonntag, brannte ein Zimmer einer Erdgeschosswohnung in einem Uhsmannsdorfer Wohnblock an der Trebuser Straße. Das Treppenhaus stand beim Eintreffen der Feuerwehr gegen 4.15 Uhr nicht mehr als Fluchtweg zur Verfügung, wegen des lebensgefährlichen Rauchs, mit dem es gefüllt war.

Trotzdem wurden keine Personen in den benachbarten und darüberliegenden Wohnungen verletzt. Sechs Menschen hatten sich rechtzeitig über das Treppenhaus retten können, zwei weitere befanden sich auf dem Balkon auf der brandabgewandten Seite und wurden dort per Drehleiter heruntergeholt.

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Schnell war klar, dass es sich um Brandstiftung handelte. Der mutmaßliche Brandstifter, ein 28-jähriger Pole, war schnell gefasst. Am Montag begann die Verhandlung gegen ihn vor dem Landgericht Görlitz. Die Staatsanwaltschaft hat den Mann wegen schwerer Brandstiftung und auch wegen versuchten neunfachen Mordes angeklagt, weil der Angeklagte auch den Tod der Bewohner billigend in Kauf genommen habe.

Der 28 Jahre alte Angeklagte mit seinem Verteidiger Arnold Fetzer im Landgericht.
Der 28 Jahre alte Angeklagte mit seinem Verteidiger Arnold Fetzer im Landgericht. © Danilo Dittrich

An der Täterschaft von Michal R. gab es schon nach den allerersten Ermittlungen vor Ort keinen Zweifel. Vor Gericht gestand er dann auch die Brandstiftung und erzählte seine Geschichte dazu: Michal R. lebte bis April 2020 im polnischen Boleslawiec, hatte dort eine Tochter mit seiner Freundin, ein zweites Kind war unterwegs. Das Unheil begann im Dezember 2019, als der ungelernte Mann seine Arbeit in Polen verlor, die Miete für die gemeinsame Wohnung nicht mehr zahlen konnte und aus ihr raus musste. Das Paar lebte fortan abwechselnd bei den Eltern, die Tochter wuchs bei seiner Mutter auf. Eine neue Arbeit war wegen Corona schnell wieder weg. So schildert es Michal R. vor Gericht. Im Mai sei das zweite Kind, erneut eine Tochter, geboren worden und schon aus der Geburtsklinik nach einem Beschluss des Familiengerichts an eine Pflegefamilie gegeben worden - auf Betreiben seiner Mutter, wie R. vermutet .

Inzwischen war David, ebenfalls ein Pole, in das Leben von Michal R. getreten. Der wollte, so schildert es der Angeklagte vor Gericht, wohl eine Beziehung, versorgte Michal R. eine Arbeit bei Borbet in Kodersdorf und bot ihm an, bei ihm in der Uhsmannsdorfer Wohnung einzuziehen. Michal R. nahm an, David erwartete "Dankbarkeit", wie es Verteidiger Arnold Fetzer in einer vom Angeklagten bejahten Frage formulierte. In dieser Beziehung, von der Michal R. sagte, dass er sie nicht wollte, scheint auch das Motiv für die Brandstiftung zu liegen. Sie könnte auch der Grund dafür gewesen sein, dass seine Mutter Michal R. aus der Wohnung geworfen hatte, wie er einräumte. Weitere Fragen dazu wollte der Angeklagte allerdings nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit beantworten, worauf das Gericht aber verzichtete.

Angeklagter wollte sich "nur rächen"

Am Sonnabend vor der Tat hatten die beiden acht Stunden bis 22 Uhr bei Borbet gearbeitet, auf dem Rückweg bei Kumpels in Horka auf ein Bier haltgemacht und waren am späten Abend noch einmal dahin zurückgekehrt. Eine Flasche Wodka wurde geleert. Es kam zum Streit zwischen den beiden Polen. David fuhr mit seinem Auto weg, ließ den Angeklagten mitten in der Nacht zurück, der daraufhin mehrere Kilometer bis nach Uhsmannsdorf laufen musste. Dort wurde am Haus - David saß noch in seinem Auto - der Streit fortgesetzt. Auch ein Stein soll geflogen sein. Michal R. wollte den Schlüssel zur Wohnung, bekam ihn aber nicht.

Was dann passierte, schildert er vor Gericht so: "Ich bin mit Macht in die Wohnung eingedrungen. Dann habe ich einen Rest Feuerzeugbenzin aus einer Flasche über die Sachen auf dem Sofa geschüttet und es angezündet. Als ich raus bin, war es noch eine kleine Flamme. Dann bin zurück zu David und habe ihm gesagt, dass ich jetzt seine Klamotten angezündet habe." Als er das sagte, sei ihm klargeworden, was er da gemacht habe.

Er sei zurück zur Wohnung, aber da sei schon kein Licht mehr angegangen und es habe stark gequalmt. Er habe dann bei einem Nachbarn laut geklopft und einem weiteren, hereinkommenden Mann gezeigt, dass Qualm aus der Wohnung kommt. Dann sei schon die Polizei dagewesen. Er habe sich eine Tasche mit seinen Sachen geschnappt und sei auf dem Fahrrad geflüchtet. Dass das Feuer so groß wurde, habe ihn geschockt, wo er sich doch nur an David rächen wollte. "Dass ich andere in Gefahr bringen könnte, war mir erst im Nachhinein bewusst", sagte er dem Gericht.

Brandopfer erscheint nicht vor Gericht

Der wohl wichtigste Zeuge, jener David, war am Montag nicht vor Gericht erschienen. Eine Polizistin bestätigte als Zeugin, dass die Polizei von jenem David bereits wegen der Sachbeschädigung am Auto (wohl nach dem Eintreffen von Michal R. an der Wohnung) gerufen worden war und von David dann auf das Feuer aufmerksam gemacht wurde. Daraufhin hatten die Polizisten Martinshorn und Blaulicht angeschaltet, um die Bewohner zu wecken.

Sie habe auch einen Mann wahrgenommen, der den Hauseingang verließ, und ihn aufgeforderte, zu stoppen. Aber der Mann sei davongefahren - und für die Polizisten habe die Gefahrenabwehr Vorrang gehabt. Die Feuerwehr wurde alarmiert, eine für die Feuerwehr sehr hilfreiche Skizze mit evakuierten Bewohnern und den zwei Bewohnern auf dem Balkon angefertigt.

Die Feuerwehr - insgesamt waren mehrere Wehren mit 38 Einsatzkräften vor Ort - konnte ein Übergreifen des inzwischen lodernden Feuers auf andere Zimmer und Wohnungen verhindern, die zwei Personen vom Balkon holen und das Treppenhaus wieder entgasen. Die Gefahr war relativ schnell wieder vorüber, so schilderte es der Einsatzleiter vor Gericht. Der Sachschaden, so steht es in der Anklage, betrug rund 50.000 Euro. Weitere Zeugen aus dem Wohnblock wurden gehört.

Ob das alles reicht, um den Polen wegen eines mehrfachen Mordversuchs zu verurteilen oder ob es bei einer schweren Brandstiftung bleibt, muss das Landgericht entscheiden. Zwei weitere Verhandlungstage sind angesetzt, am Mittwoch soll es vor dem Görlitzer Landgericht weitergehen.

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