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Marderbaby vor ungewisser Zukunft

Der kleine Kerl musste schon den Tod seiner Mutter verkraften. Nun päppelt ihn Ursula Grillmeyer im Nieskyer Ortsteil Kosel auf. Doch ist das überhaupt erlaubt?

Ursula Grillmeyer aus Kosel hat dieses Marderbaby gefunden. Nun zieht sie es auf. Doch ist das erlaubt?
Ursula Grillmeyer aus Kosel hat dieses Marderbaby gefunden. Nun zieht sie es auf. Doch ist das erlaubt? © Matthias Wehnert

Ursula Grillmeyer kann sich an die Tage Anfang Mai noch ganz genau erinnern. "Am 6. Mai haben wir unter dem Wohnwagen in unserem Garten einen toten Marder gefunden. Am nächsten Tag hörten wir es aus einem verlassenen Haus in der Nachbarschaft kreischen und quietschen." Als sich die Tür öffnete, war klar, was - oder vielmehr wer - da solchen Krach machte: Zwei Marderbabys warteten sehnsüchtig auf ihre Mutter.

Seitdem ist das Leben für Familie Grillmeyer ein Stück aufregender geworden. Eins der beiden Jungtiere war nicht mehr zu retten und wurde begraben. Das andere hat sich inzwischen prächtig entwickelt. "Auf dem Dorf ist man ja ständig von Tieren umgeben." Hunde und Katzen, auch Igel wurden auf dem Hof schon gepflegt. "Deshalb war es für mich keine Frage, dass ich mich um den kleinen Kerl kümmere," erzählt die so plötzlich zur Tiermutti gewordene Koselerin.

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Mit Bananen und Milch zum Wonneproppen

Aus dem verschreckten und unterernährten Marderbaby ist in den vergangenen Tagen ein echter Wonneproppen geworden. "Katzenfutter, Bananen, rohes Geflügelfleisch, auch Katzenmilch - der Kleine lässt es sich bei mir richtig schmecken", freut sich Ursula Grillmeyer über den guten Appetit ihres Schützlings. Durch die enge Bindung sei er zudem schon viel zutraulicher geworden. "Ich kann ihn auf den Arm nehmen. Andere dürfen das nicht - da wird er giftig."

Ein paar Tage oder Wochen soll der kleine Marder noch bei ihr bleiben und sich den Bauch weiter richtig vollschlagen. So lange eben, bis er sich selbst kümmern kann. Dann, erzählt die Tierfreundin, soll er sein Zuhause wechseln. "Eine Bekannte hat bei mir angefragt, ob sie ihn übernehmen kann. Sie möchte ihn richtig zahm machen."

Doch ist die Marderidylle in Kosel auch rechtlich einwandfrei? "Am besten wäre er gestorben", sagt Catrin Hammer klipp und klar. Und die Kuratorin des Görlitzer Tierparks erklärt auch, warum: "Weil Marder zum jagdbaren Wild gehören, hätte der für das Gebiet zuständige Jäger informiert werden müssen. Oder die Polizei, die den Namen des betreffenden Jägers kennt." Der würde sich dann um die nächsten Schritte kümmern. "Weiter aufziehen und dann auswildern wäre eine Möglichkeit - aber die unwahrscheinlichste", schränkt die Kuratorin des Görlitzer Tierparks ein. Denn danach sei der kleine Marder zu sehr auf Menschen geprägt und in der Natur nicht überlebensfähig. So käme der Anruf beim Jäger einem Todesurteil für den kleinen Marder gleich.

Den Marder behalten wäre Wilderei

"Das ist der normale Lauf der Dinge", führt Catrin Hammer weiter aus. Nur ein Viertel aller Jungtiere in freier Wildbahn würden das Erwachsenenalter erreichen. Und bezogen auf den Fall in Kosel: "Hätte die Frau den Marder nicht gerettet, hätte er den Verlust seiner Mutter nicht lange überlebt." Die Wildtierauffangstation des Görlitzer Zoos könne sich vor vergleichbaren Anfragen gar nicht retten. "Wir erleben das auch bei kleinen Waschbären und Füchsen, deren Eltern entweder überfahren wurden oder ihren Nachwuchs vermeintlich allein gelassen haben. Aber wir nehmen die Kleinen - so niedlich sie auch sein mögen - nicht bei uns auf."

Und wie steht es mit Ursula Grillmeyers Bekannter? "Selbst behalten oder anderen Tierfreunden vermachen scheidet als Lösung ebenfalls aus", erklärt Catrin Hammer. Denn: "Ein Wildtier bleibt auch nach der Handaufzucht so wie es der Name sagt - wild", weiß die Expertin. Außerdem dürfe man es nicht der Natur entnehmen. "Das wäre Wilderei. Und die würde geahndet." Dies alles höre sich wahrscheinlich gemein und grausam an. "Aber es ist nunmal die Realität."

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