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Sie vertritt Sachsen bei der Einheitsfeier

Als Start-up-Unternehmerin ist Maria Piechnick aus Horka in Dresden durchgestartet. Mit 34 Jahren hat sie bereits 140 Mitarbeiter.

Von Horka aus als Sachsens Botschafterin zum Tag der Deutschen Einheit nach Halle/Saale: Maria Tschierske, jetzt Piechnick, ist mit einem Start-up in der Robotertechnik zu Hause und vertritt ihre Lausitzer Heimat bei der zentralen Feier.
Von Horka aus als Sachsens Botschafterin zum Tag der Deutschen Einheit nach Halle/Saale: Maria Tschierske, jetzt Piechnick, ist mit einem Start-up in der Robotertechnik zu Hause und vertritt ihre Lausitzer Heimat bei der zentralen Feier. © Wandelbots

Dass sie für Sachsen irgendwann mal in der ersten Reihe stehen würde, hätte Maria Piechnick nicht gedacht. Als Maria Tschierske drückte sie in Horka einst die Schulbank, besuchte später in Rothenburg das damals noch existierende Gymnasium in der Neißestadt. Am 3. Oktober ist es so weit: Dann tritt sie bei den zentralen Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit in Halle/Saale als Botschafterin des Freistaates Sachsen auf.

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Lukas Kurz ist vor allem von der modernen Technik und den handwerklichen Herausforderungen in seinem Beruf fasziniert.

Maria Piechnick ist zwar kurz vor der Wende geboren, hat das Leben bewusst aber erst danach wahrgenommen. So sieht sich die inzwischen 34-Jährige auch: "Ich bin ein Nachwendekind, konnte von Anfang an überall hinreisen. In den Geschäften gab es alles, was man brauchte." Trotzdem erfuhr sie von ihren Eltern natürlich, wie es früher war, dass Mangelwirtschaft das Bild in der DDR beherrschte. Mit dem Ende des Sozialismus und dem Wegfall vieler Arbeitsplätze kam auch in ihrer Familie ein Stück Unsicherheit auf. Ihr Vater, ein Elektroingenieur, ergriff die Initiative und gründete seinen eigenen Betrieb.

Eltern führen Maria auf ihren beruflichen Weg

Dieses Engagement hat wohl auf Maria abgefärbt. Norbert Tschierske (78) ist davon fest überzeugt: "Ich war ja vor meiner Eigenständigkeit jahrelang im Stahlbau Niesky und immer praktisch unterwegs. Davon hat sie sich bestimmt einiges abgeschaut." Wahrscheinlich auch von Mutter Renate (71), die als Mathe- und Physiklehrerin das theoretische Rüstzeug in die Familie einbrachte. Maria jedenfalls vereinte beide Einflüsse und studierte in Dresden Medieninformatik.

Mittlerweile ist Maria Piechnick Mitinhaberin des Dresdner Start-ups Wandelbots, das ein Stück weit aus ihrer Doktorarbeit über "Intelligente Kleidung" hervorgegangen ist. Die hat allerdings weniger mit Mode zu tun, sondern steckt vielmehr voller Technik. "In den Kleidungsstücken sind Sensoren eingebaut, die jede Bewegung des Körpers aufzeichnen", erklärt die Tüftlerin. Mit diesen Daten lasse sich ein Roboterarm steuern - genau so, wie er es vorgegeben bekommt.

Lerntechnologien für Roboter

Inzwischen sind Maria Piechnick und ihr Team schon einen Schritt weiter. Jetzt steckt die Sensorik in einem Stift. Mit dem lässt sich vorzeichnen, wie sich der Roboterarm bewegen soll. Aufwendiges Programmieren ist damit Vergangenheit. Ziel des Unternehmens ist es, Lerntechnologien für Roboter so zu "demokratisieren", wie es die junge Horkaerin nennt, dass jeder - auch ohne fachspezifischen Hintergrund - Zugang zu dieser Technologie bekommt. "Den Fokus legen wir auf Klein- und Mittelständler." Momentan zeige sich vor allem die Autoindustrie interessiert. "Kleben, schweißen, entgraten - das ist mit unserem System ganz leicht gemacht."

Vor allem in Deutschland ist die Nachfrage groß. Maria Piechnick und Walbots waren aber auch schon in China, Singapur und Japan unterwegs. In Italien, den Niederlanden und demnächst in Amerika möchte sich das Unternehmen dauerhaft etablieren. Hauptstandort der Firma mit ihren derzeit 140 Mitarbeitern soll aber die sächsische Landeshauptstadt Dresden bleiben.

Sachsen ist spannend und hat gute Perspektiven

Vor allem hier hat sich der Erfolg - gewürdigt mit dem sächsischen Gründerpreis - offenbar herumgesprochen. "Man hat mich gefragt, ob ich Einheitsbotschafterin für den Freistaat Sachsen werden will", freut sie sich noch jetzt über das Anliegen der Staatsregierung. Zumal sie ihre ganz eigene Vorstellung von der Ost-West-Diskussion und der Nach-Wende-Entwicklung in den neuen Bundesländern hat. "Ich mag diese Klischees nicht, denn wir sind ein Land. Außerdem leben wir im 21. Jahrhundert und sind damit Europäer.

Sachsen findet sie spannend, wenn es um unternehmerische Entwicklungen geht. "Hier ist viel möglich. Spitzenforschung, traditionelle Handwerkskunst, die unterschiedlichen Landschaften und die Diversität in der Bevölkerung - man muss diese Punkte nur vorteilhaft zusammenbringen." Das will Maria Piechnick am 3. Oktober auch den Gästen des Einheitstages vermitteln. Denn in Halle gibt es neben den Bürgerdelegationen aus allen Bundesländern erstmals auch je zwei Einheitsbotschafter.

Vater Norbert tritt am Einheitstag gegen den Ball

Wie sich seine Tochter in dieser Funktion schlägt, kann Norbert Tschierske leider nicht live miterleben. Zwar hat der rüstige Rentner die Leitung seiner Elektrofirma längst in andere Hände gelegt. Trotzdem ist er an diesem besonderen Tag verhindert. Mit der Ü70-Auswahl der Fußballer tritt er für die Oberlausitz an. "Wer weiß - vielleicht gewinnen wir die ostdeutsche Meisterschaft", schmunzelt er. Da ist es wieder - das Klischee: ostdeutsch. In diesem Fall aber wohl nötig. Denn bis zum gesamtdeutschen Titel ist es doch noch ein etwas weiterer Weg.

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