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Wähler strafen ihre Bürgermeisterin ab

Per Wiesner hat ebenso mehr Stimmen für sich erwartet. Nur Ewald Ernst ist mit seinem Ergebnis zufrieden: 40 Prozent wählten ihn.

Bleiben alle drei Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters für Neißeaue im Rennen? Per Wiesner und Evelin Bergmann (von links) sind noch am Überlegen. Für Ewald Ernst steht das fest.
Bleiben alle drei Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters für Neißeaue im Rennen? Per Wiesner und Evelin Bergmann (von links) sind noch am Überlegen. Für Ewald Ernst steht das fest. © Foto: André Schulze, Montage: SZ-Bildstelle

90 Stimmen haben ihm gefehlt, dann wäre Ewald Ernst bereits am Sonntag der neue Bürgermeister von Neißeaue gewesen. Mit knapp 40 Prozent der abgegebenen Stimmen ist der Schöpstaler der Überraschungssieger des Wahltages in Neißeaue. Aber damit reicht es noch nicht zum gewählten Bürgermeister. Die Hälfte der Wählerstimmen sind mindestens notwendig. "Mit dem Ergebnis bin ich durchaus zufrieden", sagt Ernst am Tag danach. 

Dass ihm so viele Einwohner von Neißeaue seine Stimme gegeben haben, es sind nach vorläufigem Ergebnis 363, führt Ewald Ernst auf seinen konsequenten Wahlkampf zurück: "Ich habe mit vielen Bürgern persönlich gesprochen und ermöglichte persönliches Kennenlernen auf meinen Wahlveranstaltungen in den Ortsteilen." Dass der Zuspruch auch an der Wahlurne anhielt, führt Ernst darauf zurück, "die richtigen Themen angesprochen zu haben".

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Wunden lecken im Gemeindeamt

Dass Ewald Ernst als ehemaliger und vor sieben Jahren abgewählter Bürgermeister mit dem Rückenwind einer breiten Wählerschaft nun wieder ins Gemeindeamt in Groß Krauscha einziehen will, das sorgt für Unmut und Verwunderung bei den anderen beiden Kandidaten: Evelin Bergmann und Per Wiesner. Die amtierende Bürgermeisterin konnte nur ein Viertel der Wähler am Sonntag hinter sich bringen. 229 von ihnen stimmten für ihre Gemeindechefin.  Zum Vergleich: Als Frau Bergmann vor sieben Jahren über die Bürgerinitiative "Kein Giftmüll in der Neißeaue" gegen Herrn Ernst antrat, konnte sie 68,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Diese Mehrheit brachte ihr den Einzug ins Gemeindeamt. 

Eine Einschätzung ihres Wahlergebnisses wollte Frau Bergmann gegenüber SZ am Montag nicht geben. "Ich will erst nachdenken, und das in alle Richtungen", sagte sie. Ob sie ihre Kandidatur aufrecht erhält, darüber will sie weder mit einem Ja noch einem Nein antworten. Zusammen mit der Bürgerinitiative, deren Mandat die Kaltwasseranerin auch für eine zweite Amtszeit hat, möchte sie sich erst noch beraten. "Ich bin bereits vor der Wahl auf alles eingestellt gewesen, denn sie kann so oder so ausgehen", erklärte Evelin Bergmann.  

Wohl die falschen Themen angesprochen

Für Per Wiesner ist ebenfalls erst einmal ein In-sich-gehen angesagt. "Das Ergebnis ist zwar akzeptabel, aber ich bin damit nicht zufrieden", äußerte sich der Kandidat aus Groß Krauscha am Montag. 35,1 Prozent der Stimmen konnte Wiesner am Sonntag für sich verbuchen. Das heißt, 319 Wähler kreuzten seinen Namen an. Per Wiesner überlegt nun, ob er für ein Drittel der Menschen der Bürgermeister von Neißeaue sein kann. Denn zwei Drittel der Wähler zeigen mit ihrer Stimme, dass sie mit dem Kurs der letzten 14 Jahre zufrieden sind, sucht Wiesner eine Erklärung für das Wahlverhalten.  

Für seinen Platz in der Mitte der drei Bewerber hat Wiesner zwei Vermutungen: Das Konzept der Freien Liste Neißeaue spricht eine Mehrheit von Bürgern in der Gemeinde nicht an, beziehungsweise trauen ihm die Leute den Bürgermeisterjob nicht zu. Schließlich ist er mit dem Mandat der Wählerinitiative und dem Motto in den Wahlkampf gegangen: "Zusammen - Wachsen". Aber das scheint nicht so anzukommen wie gewünscht.

Die Freie Liste will mit ihrem Bürgermeisterkandidaten die Karten neu legen. Dazu traf sich die Wählerinitiative am Montagabend, um über das "Wie weiter?" zu beraten. Vom Ausgang der Sitzung ist auch abhängig, ob Per Wiesner weiter ein Bewerber um den Bürgermeisterposten in Neißeaue ist. Die Wähler sind zum zweiten Wahlgang am 11. Oktober aufgerufen. Der erste Gang in die Wahllokale am Sonntag fand mit einer für Neißeaue hohen Beteiligung von 66,4 Prozent statt.   

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