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"Vertrauen in Gemeinde wieder aufbauen"

Per Wiesner möchte Straßenlicht nachts in allen Orten haben und Bauland schaffen.

Per Wiesner ist Kandidat der Freien Liste Neißeaue für die Wahl zum Bürgermeister. Zu Hause ist der 42-Jährige in Groß Krauscha.
Per Wiesner ist Kandidat der Freien Liste Neißeaue für die Wahl zum Bürgermeister. Zu Hause ist der 42-Jährige in Groß Krauscha. © André Schulze

Am Sonntag wählt die Gemeinde Neißeaue ihren neuen Bürgermeister - ein zweites Mal. Nachdem im ersten Wahlgang keiner der drei Kandidaten die absolute Mehrheit geschafft hat, geht es erneut darum, wer die meisten Wählerstimmen auf seine Person vereinen kann. Zwei Bewerber sind noch im Rennen um das Bürgermeisteramt: Ewald Ernst und Per Wiesner. Die amtierende Bürgermeisterin Evelin Bergmann tritt nicht mehr zur Wahl an. Sie hatte am 20. September mit rund 25 Prozent die wenigsten Stimmen der Menschen in Neißeaue bekommen und darauf ihre Kandidatur zurückgezogen. Was die Bürger in Neißeaue bewegt und was die beiden Kandidaten bewegen wollen, fasst die SZ in sieben Fragen an die Bewerber zusammen.

Herr Wiesner, was sind die drei wichtigsten Vorhaben, die Sie als Bürgermeister umsetzen wollen?

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Das Wichtigste ist, das Vertrauen innerhalb unserer Gemeinde wieder aufzubauen. Hierfür planen wir viele Gespräche mit allen Beteiligten bis zum Ende des Winters, deren Ergebnisse in einen kurzfristigen Maßnahmenplan als auch in einen mittelfristigen Entwicklungsplan für unsere Gemeinde münden werden. In diesen Gesprächen werden wir auch für das Bauflächenkataster werben, das als Ergebnis einen Überblick über mögliche Bauflächen in unserer Gemeinde geben wird. Gleichzeitig werden wir Kontakt mit den Eigentümern der großen Ruinen in unserer Gemeinde aufnehmen, um auch hierfür Lösungen zu finden und nicht weitere 30 Jahre deren Verfall beobachten.
Und ab diesem Winter bleibt das Straßenlicht wieder an, zuerst in Deschka und Zodel schnellstmöglich auch in den anderen Gemeinden.

Wie stehen Sie zu den Plänen einer neuen Deponie bei Kaltwasser?

Äußerst kritisch. Und wie versprochen, werden wir zusammen mit der Bürgerinitiative „Kein Giftmüll in der Neißeaue“ auch in Zukunft jegliche rechtswidrigen Deponieerweiterungen um Kaltwasser verhindern. Es gilt aber auch, kritisch auf die Erweiterung der Deponie in Kunnersdorf zu blicken, da unsere Gemeinde mehr und mehr von Müll eingerahmt werden soll. 

Wie wollen Sie die Beziehungen zur Stadt Piensk (Penzig) wieder aktivieren? Welchen Stellenwert hat für Sie dabei die Brücke für Fußgänger in Deschka und die geplante Autobrücke über die Neiße?

Wir werden mit allen angrenzenden Kommunen Gespräche für eine neue Zusammenarbeit führen, speziell ist uns aber der Austausch mit der polnischen Nachbargemeinde wichtig. Es ist beeindruckend, wie die polnischen Kinder bereits in unseren Kindergärten problemlos zwischen deutsch und polnisch umschalten können. Für diese Kinder ist dies ein bedeutender Vorteil für ihren zukünftigen Werdegang, daher ist uns wichtig, diesen Vorteil auch unseren Kindern mitzugeben. Jahrzehntelang war die Grenznähe eher ein Standortnachteil, daher lasst uns an den Schwächen arbeiten und die Potenziale nutzen. Die neue Brücke wird kommen, hoffentlich können wir noch an der Standortfrage aktiv mitarbeiten. Sie ist aus unserer Sicht wichtig für die Entwicklung unserer Gemeinde und auch, dass die Brücke in Deschka endlich ausschließlich als Fußgängerbrücke genutzt wird.

Neißeaue hat drei Kindereinrichtungen und einen Schulhort. Werden sie alle die nächsten Jahre Bestand haben?

Der Gemeinderat hat sich erst dieses Jahr wieder zu allen drei Kitas bekannt, um attraktiv für junge Familien und neue Einwohner zu sein. Wir sehen überhaupt keine Notwendigkeit, an diesem Status zu rütteln.

Was unternehmen Sie, um den Schulstandort Zodel zu sichern?

Wir werden die Gespräche mit der Stadt Görlitz, dem Landesamt für Schule und Bildung, der Schulleiterin, aber auch mit den Kommunen innerhalb unseres Verwaltungsverbandes intensivieren und Lösungen finden, die unseren Schulstandort langfristig sichern und noch attraktiver für Schüler und Eltern machen.

Wie wollen Sie junge Familien in die Neißeaue holen?

Werben! Wir sind mit unseren vielen Einrichtungen der ländlichen Umgebung, der Nähe zu den regionalen Zentren und vielen Vereinen hochattraktiv für junge Familien, aber solange ein Görlitzer noch nicht weiß, wo Neißeaue überhaupt liegt oder uns nur mit Wahlergebnissen von Landtagswahlen in Verbindung bringt, haben wir offensichtlich ein Imageproblem. Daher der Aufruf an alle in der Gemeinde: Wir brauchen gute Geschichten!

Zur Europawahl 2019 war die Neißeaue eine Hochburg der AfD. Wie stehen Sie zu dieser Partei und deren Politik?

Ich persönlich finde kaum Schnittmengen mit der AfD, aber Meinungsfreiheit ist ein Grundwert unserer Demokratie, und diese sollte dann auch unbequeme Meinungen aushalten beziehungsweise sich konstruktiv mit diesen auseinandersetzen können. Eine Bürgermeisterwahl ist aber eine Personenwahl und dabei sollten wir es auch belassen. 

Zur Person: Per Wiesner ist in Groß Krauscha aufgewachsen. Der 42-Jährige lebt mit seiner Familie in dem Ort. Studiert hat er Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaft und arbeitet bei einem Unternehmen für Elektroheizungen in Vierkirchen. Wiesner engagiert sich ehrenamtlich für seinen Heimatort und als Gemeinderat der Freien Liste Neißeaue für die Kommune. 

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