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Wie es der Nieskyer Lackfabrik nach dem Feuer geht

Der Brand hat sich kaum ausgewirkt. Dafür die Rohstoff-Knappheit seit Beginn der Corona-Krise. Das hat Folgen für das Sortiment des Unternehmens Höpner.

Bianca und Michael Schäfer im Kreativraum von Höpner Lacke. Hier werden neue Produkte und Absatzmöglichkeiten für das Nieskyer Unternehmen erdacht.
Bianca und Michael Schäfer im Kreativraum von Höpner Lacke. Hier werden neue Produkte und Absatzmöglichkeiten für das Nieskyer Unternehmen erdacht. © André Schulze

Erinnerungen an den Brand im vergangenen Jahr - natürlich, die hat Geschäftsführerin Bianca Schäfer noch. Ende Oktober hatten die Flammen bei der Nieskyer Firma Höpner Lacke eine alte Lagerhalle zerstört, in der allerdings nichts für die Produktion wesentliches untergebracht war. Trotzdem rückten damals die Feuerwehren aus Niesky und den benachbarten Orten mit rund 80 Einsatzkräften an. Was sich lohnte: Das Übergreifen des Feuers auf die benachbarten Produktions- und Verwaltungsgebäude konnte verhindert werden.

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An der Brandstelle hat sich seither nichts verändert. Konnte es auch nicht, denn erst vor Kurzem hat die Versicherung den Fall abgeschlossen - und gezahlt. Das bei der Staatsanwaltschaft eröffnete Verfahren wegen Brandstiftung wurde eingestellt. "Die ganze Sache ist einfach dumm gelaufen. Eine Verquickung unglücklicher Umstände, für die letztlich keiner verantwortlich war", schildert die Chefin den Unglücksfall aus ihrer Sicht.

2020 ein Viertel höhere Nachfrage als im Jahr zuvor

Ein anderer Punkt hat sie in den vergangenen Monaten viel mehr beschäftigt: die Corona-Krise und deren Auswirkungen auf den eigenen Betrieb. Denn die Pandemie sorgte für positive und negative Seiten. "Wir hatten 2020 etwa ein Viertel mehr Nachfrage als ein Jahr zuvor. Dass die Leute oft zu Hause waren und an ihren Häusern gewerkelt haben, hat man deutlich gemerkt." Besonders Buntlacke, Verdünner, Dach- und Fassadenfarben wurden ausgeliefert - vor allem nach dem Ende des Winters. "Diese hohe Nachfrage setzt sich bis jetzt fort. Wenn es so weiterläuft, wird auch 2021 ein erfolgreiches Jahr", schätzt Bianca Schäfer ein.

Noch immer sind bestimmte Rohstoffe für die Farbenherstellung knapp. Deshalb hat Geschäftsführerin Bianca Schäfer das Sortiment von Höpner Lacke verschlankt.
Noch immer sind bestimmte Rohstoffe für die Farbenherstellung knapp. Deshalb hat Geschäftsführerin Bianca Schäfer das Sortiment von Höpner Lacke verschlankt. © André Schulze

Wenn da nicht zwei Probleme wären, die sie mit ihrem Unternehmen nicht beeinflussen kann. Zum einen sind in der Krise viele Rohstoffe knapp geworden und noch immer nicht im gewünschten Umfang verfügbar. Zum anderen verlangen Zulieferer zum Teil exorbitante Preise dafür. "Eine schreckliche Entwicklung", stellt die Geschäftsführerin fest. So riefen die Leinöl-Produzenten zwischenzeitlich das Vierfache des sonst üblichen Preises auf. Momentan wird das Dreifache verlangt. "Erklärt haben sie das mit einer schlechten Flachsernte. Außerdem habe die EU eine neue Regelung zur Verwendung von Pestiziden erlassen. Aus manchen Ländern kommt deshalb einfach nichts mehr." Und was noch auf dem Markt verfügbar ist, kaufen die Chinesen - wie auch in der Holzbranche - in Größenordnungen auf.

Rohstoff-Knappheit macht Kalkulieren schwierig

"Das Problematische daran ist, dass man in dieser Situation überhaupt nicht klar kalkulieren kann", so Bianca Schäfer. Denn abgegeben würden bestimmte Rohstoffe nur noch zu Tagespreisen. "Die sind aber je nach Lieferzeit unterschiedlich, so dass wir innerhalb kurzer Zeit mal mehr, mal weniger für das gleiche Produkt hinlegen müssen." Einige Rohstoffe seien derzeit überhaupt nicht oder nur absolut eingeschränkt lieferbar. Lösungsmittel zum Beispiel. Oder Nitrowolle - aus der im Laufe des Verarbeitungsprozesses Nitrolack entsteht. Auch so profane Dinge wie Metallbüchsen oder Plasteeimer waren zwischenzeitlich nicht zu haben. "Für uns bedeutete das: Wir konnten manches aus unserem Sortiment einfach nicht herstellen. Und damit auch nicht verkaufen", so die Firmenchefin.

23. Oktober 2020: In einem alten Lagerraum der Firma Höpner Lacke in Niesky bricht ein Brand aus. Auf die Entwicklung des Unternehmens hat sich der Zwischenfall aber nicht negativ ausgewirkt.
23. Oktober 2020: In einem alten Lagerraum der Firma Höpner Lacke in Niesky bricht ein Brand aus. Auf die Entwicklung des Unternehmens hat sich der Zwischenfall aber nicht negativ ausgewirkt. ©  Archiv/André Schulze

Höpner Lacke hat die Angebotspalette deshalb bereinigt und zudem bei der Auswahl der Lieferanten reagiert. Aber auch wenn das Nieskyer Unternehmen seine Behälter inzwischen aus Polen bezieht - die Kosten dafür sind trotzdem um rund 30 Prozent gestiegen. Zweikomponentenlacke für Metall und Holz werden aufgrund fehlender Rohstoffe aktuell überhaupt nicht hergestellt. Manches andere nur schubweise, "je nachdem, wie wir selbst beliefert werden", erklärt Bianca Schäfer.

Um weggefallene und nicht zu erfüllende Aufträge auszugleichen, haben Bianca und Michael Schäfer, die das mehr als 230 Jahre alte Traditionsunternehmen führen, zusätzlich einen Außendienstler eingestellt, der sich um Handelskunden in ganz Sachsen und den angrenzenden Gebieten kümmert. Damit ist die Mitarbeiterzahl auf elf gestiegen. Die Zukunft, meint das Ehepaar, sei in ihrer Branche schwer einzuschätzen. Zumindest hätten die meisten Kunden den "moderaten Preisanstieg" von durchschnittlich zehn Prozent akzeptiert. Auch deshalb, weil andere Hersteller noch mehr aufgeschlagen haben.

Perspektiven bei Künstlern und Instrumentenbauern

Perspektivisch will sich das Unternehmen - ergänzend zum bisherigen Sortiment - anders aufstellen. "Wir werden uns noch mehr auf Dachbeschichtungen spezialisieren, bieten künftig nicht nur die Farbe, sondern auch die Leistungen dazu an", erklärt die Geschäftsführerin. Zudem soll ausgelotet werden, was im Bereich Künstlerbedarf möglich ist. Schellack und Zapronlack zum Beispiel. Auch im Musikinstrumentenbau könnte ein Teil der Zukunft von Höpner Lacke liegen. "Dort werden spezielle Nitrolacke verwandt, mit der man die Optik einer Gitarre auf 'historisch' trimmen kann."

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