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Nieskyer fahren privat Feuerwehr

Onkel und Neffe haben sich ihren Traum erfüllt. Bei Ausfahrten ist ihr Auto ein Hingucker. An Einsätzen teilnehmen dürfen sie mit dem Oldie aber nicht.

Pascal (oben) und Stefan Krone aus dem Nieskyer Ortsteil See haben sich privat einen Feuerwehr-Oldtimer zugelegt.
Pascal (oben) und Stefan Krone aus dem Nieskyer Ortsteil See haben sich privat einen Feuerwehr-Oldtimer zugelegt. © Frank-Uwe Michel

Es ist groß, hat ordentlich Kraft unter der Haube, aber schon ein paar Jahre auf dem Buckel - das Tanklöschfahrzeug TLF 16, das einst auf W50-Basis gebaut wurde und bis vergangenes Jahr im Einsatz war. Noch immer leuchtet es in kräftigem Feuerwehrrot. Seit Februar 2021 sind Stefan und Pascal Krone stolze Besitzer des historischen Gefährts. Es dürfte eines der letzten gewesen sein, das in DDR-Zeiten montiert und ausgeliefert wurde. Sein "Geburtsjahr": 1989.

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Für die beiden Männer ist mit der Übernahme des Oldtimers ein Traum in Erfüllung gegangen. "Wir sind ja schon seit gefühlten Ewigkeiten bei der Freiwilligen Feuerwehr in See", erzählt der 22-jährige Pascal, der mit seinem Onkel Stefan (38) das gleiche Hobby teilt. Der Jüngere ist Truppführer, der ältere Gruppenführer. "Irgendwann haben wir uns in den Kopf gesetzt, selbst ein altes Einsatzfahrzeug zu kaufen. Dass es nun ein TLF 16 geworden ist, scheint eine glückliche Fügung zu sein." Immerhin rückten die Kameraden des Nieskyer Ortsteils früher selbst mit einem derartigen Auto aus. "Da ist natürlich was hängengeblieben. Regelrechte Sehnsucht, die im Laufe der Jahre immer größer geworden ist."

Ungewöhnliches Hobby macht glücklich

Die beiden Krones - sagen sie selbst - sind "feuerwehrverrückt". "Andere haben schnelle Flitzer zu Hause, halten sich Hühner oder gehen permanent wandern - für uns ist das Glück eben bei einem roten Einsatzfahrzeug perfekt", lacht Pascal. Bei ihm hat dieser Enthusiasmus sogar beruflich abgefärbt: Seit April lässt er sich bei der Berufsfeuerwehr in Görlitz ausbilden und hofft, ab April 2023 dort als Brandmeister einsteigen zu können.

Auf ihren W50, mit der sofort ins Auge fallenden Wasserspritze auf dem Fahrerdach, lassen die beiden Feuerwehrfans nichts kommen. Vielmehr führen sie ihn regelmäßig vor. "Er ist ja noch straßentauglich und muss bewegt werden. Das zieht natürlich immer wieder Schaulustige an", erzählt Pascal. Bei Über-Land-Fahrten wird ihnen regelmäßig zugewinkt. Bei jedem Halt ist das Fahrzeug dicht umringt.

Feuerwehr-Oldie war früher im Tagebau Berzdorf

Die Nieskyer haben ihr Schmuckstück von der Freiwilligen Feuerwehr Weigersdorf übernommen. Zuvor war der TLF 16 offenbar im Tagebau-Einsatz in der Berzdorfer Grube. Darauf deuten seine breiten Reifen - sogenannte Ballonreifen - und Eintragungen in den Papieren hin. 2.200 Liter fasst der Wassertank. Die werden in einer Minute durch die Spritze gepresst. "Probiert haben wir das selbst noch nicht. Aber vielleicht bekommen wir ja irgendwo mal die Genehmigung dazu", hofft Pascal Krone. Denn theoretisch sollte alles funktionieren. "Wenn wir ihn richtig ausrüsten würden, wäre er wieder einsatzbereit."

Einiges an Ausrüstung ist schon wieder an Bord. Manche Schläuche, dazu Spezialzubehör, fehlt allerdings noch. Dies soll nach und nach angeschafft werden.
Einiges an Ausrüstung ist schon wieder an Bord. Manche Schläuche, dazu Spezialzubehör, fehlt allerdings noch. Dies soll nach und nach angeschafft werden. © Frank-Uwe Michel

Soweit wird es allerdings nicht kommen. Denn der rote Oldie ist ausgemustert und darf nur mit einer Sondergenehmigung des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) fahren. Dabei müssen Blaulicht und Martinshorn abgedeckt werden. Nur bei Oldtimerveranstaltungen sind die Rund-um-Leuchte und das laute Signal erlaubt. So wie beim Blaulicht- und Sirenentreffen am Sonntag, 12. September, in Rothenburg. Dort - und später in Görlitz - werden jede Menge frühere Einsatzfahrzeuge präsentiert.

Fahrzeug mit Drehleiter soll noch kommen

"Es ist schon ein cooles Gefühl, hier auf dem Bock zu sitzen", schwärmt Pascal. Auch die Kameraden von der Feuerwehr in See seien begeistert, könnten viel über die alte Technik erzählen und Tipps geben, wie man bestimmten Teilen die Lebensdauer verlängert. Einen anderen W50-Traum wollen sich die Krones noch erfüllen - ein Fahrzeug mit Drehleiter würde ihren privaten Feuerwehr-Fuhrpark ideal ergänzen. Das Exemplar müsste jedoch weitgehend intakt sein, "denn Schrauber sind wir beide nicht." Wenn etwas kaputtgehe, müssten die roten Kolosse in die Werkstatt.

So etwas ist aber vorerst nicht abzusehen. Denn beim Blaulichttreffen soll das TLF 16 eines der Highlights sein. Vor allem freuen sich Onkel und Neffe Krone auf die Ausfahrt von Rothenburg nach Görlitz: "Da bist du stolz wie Bolle, wenn dir die Kinder zuwinken. Und du weißt: Sowas hat eben nicht jeder in der Garage stehen."

2. Blaulicht- und Sirenentreffen am 12. September: Fahrzeugschau von 9 bis 13 Uhr auf dem Marktplatz Rothenburg, 14 bis 17 Uhr in der Landskron Brauerei Görlitz. In Rothenburg ist am Vormittag zugleich das Motorradmuseum, der Lokschuppen und die Modelleisenbahnanlage geöffnet. Ab 13 Uhr Ausfahrt des Konvois mit mehr als 50 Fahrzeugen von Rothenburg über Zentendorf und Ludwigsdorf nach Görlitz.

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