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"Ich möchte das gläserne Rathaus für den Bürger"

Am Sonntag wählen die Nieskyer einen neuen Rathauschef. Die SZ stellt die drei OB-Kandidaten im Interview vor. Heute: Jens Hoffmann (AfD).

Von Steffen Gerhardt
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Jens Hoffmann aus Tetta tritt als Kandidat für die AfD zur Wahl des Oberbürgermeisters in Niesky an. Eines seiner Ziele sind, wenige leerstehende Geschäfte in Niesky zu haben.
Jens Hoffmann aus Tetta tritt als Kandidat für die AfD zur Wahl des Oberbürgermeisters in Niesky an. Eines seiner Ziele sind, wenige leerstehende Geschäfte in Niesky zu haben. © André Schulze

Ein Mann kandidiert ebenfalls für das Amt des Oberbürgermeisters in Niesky. Es ist Jens Hoffmann aus Tetta. Der 49-Jährige geht als Mitglied der AfD in das Rennen um den Sitz im Nieskyer Rathaus. Was ihn dazu bewegt und welche Ideen und Ziele Jens Hoffmann hat, das sagt er im Gespräch mit der SZ.

Herr Hoffmann, die Frage liegt nahe: Sind Sie mit der amtierenden Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann verwandt?

Nein. Es ist Zufall, dass wir den gleichen Familiennamen haben.

Sie wohnen in Tetta in der Gemeinde Vierkirchen. Wie kommen Sie dazu, Oberbürgermeister von Niesky werden zu wollen?

Der Anstoß kam von außen. Während meines Sommerurlaubes an der Ostsee bekam ich einen Anruf von meinen Parteikollegen, ob ich nicht für das Amt des Oberbürgermeisters kandidieren wolle. Nach reiflicher Überlegung habe ich dem zugestimmt. Der Urlaub gab mir genügend Zeit, darüber nachzudenken.

Was die Kommunalpolitik betrifft, sind Sie kein Neuling. Seit 2019 sitzen Sie im Kreistag, sind Mitglied der AfD-Fraktion. Hat das Ihre Entscheidung beeinflusst?

Durch mein Kreistagsmandat ist mir die politische Landschaft im Landkreis bekannt, ebenso die Probleme und Herausforderungen, mit denen die Städte und Gemeinden konfrontiert sind beziehungsweise sich stellen müssen. Außerdem kenne ich mich im nördlichen Landkreis recht gut aus.

Wie das?

Vor 49 Jahren bin ich im Görlitzer Krankenhaus geboren, in Klitten aufgewachsen, habe dort die Schule besucht. Im Kraftwerk Boxberg lernte ich den Beruf Instandhaltungsmechaniker und war dort einige Jahre beschäftigt. In Niesky habe ich erfolgreich Volleyball gespielt, bevor ich mit meiner Familie nach Tetta gezogen bin. Mir ist die Region also vertraut.

Mit Niesky verbindet Sie aber auch ein schwerer Schicksalsschlag.

Ja, den 31. August werde ich nicht vergessen, als mein 14-jähriger Sohn mit seinem Kumpel auf einen Güterzug kletterte und beide einen heftigen Stromschlag aus der Oberleitung bekommen haben. Als Vater bin ich froh, dass beide den Leichtsinn überlebt haben. Er hätte auch mit dem Tod enden können. Aber die Folgen der schweren Verbrennungen werden sie zeitlebens daran erinnern. Auch zwei Monate nach dem Unglück sind beide Jungs weiterhin in medizinischer Behandlung und haben mit den Schmerzen zu kämpfen. Dieser Schicksalsschlag ist der Grund, weshalb ich mich beruflich einschränken muss und keinen großen Wahlkampf führen kann. Meine Familie ist mir jetzt besonders wichtig.

Wäre der Unfall vermeidbar gewesen, wenn es für die Jugend mehr Freizeitangebote geben würde? Denn Ihr Sohn und sein drei Jahre älterer Kumpel waren an diesem Tag nicht allein in Niesky unterwegs, sondern mit weiteren Schulfreunden.

Ja oder nein zu sagen, ist in diesem Fall spekulativ. Als Eltern weiß man nie, was den jungen Leuten in den Sinn kommt. Aber es ist schon richtig, dass es an Freizeitmöglichkeiten besonders für Teenager mangelt. Wenn ich in meiner Heimatgemeinde in den Jugendklub Buchholz schaue, sind es die über 40-Jährigen, die dort ihre Freizeit verbringen. Die Jugend trifft sich lieber an Bushaltestellen oder auf Spielplätzen. Auch Niesky hat das Problem, dass Jugendeinrichtungen wie das "Holz" nicht so angenommen werden wie man sich das wünscht.

Wie würden Sie diesen Zustand ändern?

Ich sehe eine Möglichkeit durch Einbeziehen der Vereine und Feuerwehren. Bei beiden werden junge Leute gefordert und gefördert. Sie lernen den kameradschaftlichen und verantwortungsvollen Umgang untereinander kennen. Das kann ich aus dem eigenen Erleben bestätigen. Als Schüler trat ich in Klitten den jungen Brandschutzhelfern bei und bin der Feuerwehr bis heute treu geblieben. Erst in Klitten, später in Weißenberg und jetzt in Buchholz-Tetta. Daher weiß ich, was die Feuerwehren brauchen, um einsatzbereit zu sein.

Der Brandschutz ist Ihnen also wichtig. Welche weiteren Dinge würden Sie als Oberbürgermeister für die Stadt Niesky und ihre Bürger bewegen wollen?

Nachholebedarf sehe ich in der Stadtverwaltung. Ich möchte das "gläserne Rathaus" für den Bürger. Es muss eine Transparenz geschaffen werden zwischen dem, was in der Stadtverwaltung passiert und dem was für den Bürger von Belang ist. Dazu zähle ich auch eine bessere Kommunikation. Die Stadträte sehe ich als das verbindende Element zwischen Bürgern und Verwaltung. Kritiken, Hinweise und Vorschläge werden von den Einwohnern an sie herangetragen, um sie im Stadtrat zu diskutieren und der Verwaltung zur Lösung zu übergeben.

Für das Foto zu diesem Gespräch wollten Sie sich an einem der leeren Schaufenster in Niesky fotografieren lassen. Der Einzelhandel steht demnach auch auf Ihrer Agenda?

Als ich in Klitten wohnte, habe ich Niesky als eine Stadt wahrgenommen, in der man alles erledigen konnte und es mehr als nur das Lebensnotwendige in den Geschäften gab. Davon ist die Stadt ein ganzes Stück abgerückt. Zum Teil geschuldet der Zentralisierung von Behörden, wie dem Landratsamt. Aber auch durch eine geringere Kaufkraft und altersmäßige Geschäftsschließungen. Meine Vision ist, die Stadt Niesky wieder zu einem zentralen Punkt in Sachen Wirtschaft, Lebensqualität und Kultur zu machen. Denn wenn wir starke Gewerbebetriebe und Unternehmen haben, können wir auch die Jugend halten und ihr Perspektiven geben. Haben die Leute hier eine gute Arbeit, werden sie auch hier ihr Geld ausgeben. Das würde zu einer Wiederbelebung geschlossener Geschäfte führen und den vorhandenen mehr Stabilität geben.

Ein Thema, dass die Nieskyer besonders in dieser Zeit umtreibt, ist die ärztliche Versorgung in der Stadt. Was wollen Sie für ihre Verbesserung unternehmen?

Die Sicherung und Förderung der ärztlichen Versorgung für alle Bürger ist eines meiner wichtigen Ziele. Aus meiner Sicht ist Niesky noch gut aufgestellt mit Ärzten. Aber Tod und Krankheit können die Situation schnell zum Negativen ändern, wie wir das derzeit erleben. Als Stadt können wir nur Wohnungen und Praxisräume bieten. Um Ärzte nach Niesky zu bekommen, braucht es die Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung und dem Ärztenetz Ostsachsen.

Was mit Gesundheit ebenfalls zu tun hat, ist die Radtouristik. Für Sie ebenfalls ein Thema?

Seit die Pandemie besteht, ist festzustellen, dass der Radtourismus zugenommen hat. Das zeigte sich besonders in den Sommermonaten. Ich sehe da über Nieskys Stadtgrenze hinaus noch Handlungsbedarf. So fehlt zwischen See und Horscha ein Radweg und auch von Ödernitz nach Kodersdorf ist ein Radweg ratsam, um nicht auf der viel befahrenen B 115 radeln zu müssen. Das wäre eine weitere Aufgabe, die ich angehen würde.

Zur Person: Jens Hoffmann ist gelernter Instandhaltungsmechaniker. Er hat umgeschult auf Rettungssanitäter und war beim DRK Bautzen im Einsatz. Mit seiner Frau machte sich Hoffmann 1996 selbstständig und übernahm als Familienbetrieb die Gaststätte "Jägerheim" auf dem Marktplatz in Weißenberg. Jens Hoffmann engagiert sich in der Kriegsgräberfürsorge, er war der frühere Geschäftsführer des Kreisverbandes. Die Suche nach seinen beiden vermissten Großvätern brachte ihn zu dem Verein, dessen Kreisverband er mit aufbaute. Zudem sitzt er seit 2019 für die AfD im Kreistag Görlitz.

Die SZ gibt allen drei Kandidaten die Möglichkeit, in einem Interview ihre wichtigsten Pläne als OB vorzustellen:

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