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Kodersdorfer Schulabschluss mit fadem Beigeschmack

Weil es keine Abschlussfeier gibt, hagelt es Kritik von den Eltern der 10b. Sie organisieren schnell eine private Feier. Doch die Oberschule lässt die Vorwürfe nicht auf sich sitzen.

Der letzte Tag für die Schüler der Abschlussklassen der Adolf-Traugott-von-Gersdorf-Oberschule in Kodersdorf hinterlässt einen faden Beigeschmack.
Der letzte Tag für die Schüler der Abschlussklassen der Adolf-Traugott-von-Gersdorf-Oberschule in Kodersdorf hinterlässt einen faden Beigeschmack. © André Schulze

Der 23. Juli hätte ein so schöner Tag werden können. Auch für Zehntklässler der Kodersdorfer Adolf-Traugott-von-Gersdorf-Oberschule. Letzter offizieller Tag als Schüler, Abschlussfeier, danach der Ball, Händeschütteln, einen letzten Scherz mit den Lehrern machen, Adressen und Handynummern austauschen - das alles wäre absolut unvergesslich gewesen.

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Ist es aber nicht - sagen die Eltern der Klasse 10b. Deshalb gehen sie mit einem Brief an die Öffentlichkeit. Schon seit Jahren habe die Kodersdorfer Oberschule das Bürgerhaus in Niesky als "feste Location", um dieses Ereignis zu feiern. Von dort sei beizeiten mitgeteilt worden, "dass sich die Corona-Maßnahmen gelockert haben und im Anschluss der Feierstunde ein Abschlussfest durchgeführt werden kann", schreibt Elternsprecherin Doreen Schmidt.

Eltern und Schule ohne Gesprächsansatz

Im Gegensatz zu anderen Schulen - wie der Oberschule Niesky - habe die Kodersdorfer Oberschule dies aber von vornherein abgelehnt - "jedoch ohne uns Eltern oder die Kinder einzubeziehen", heißt es in dem Brief an die SZ. Die Gesprächsansätze mit den Verantwortlichen der Schule seien im Sande verlaufen.

Statt gemeinsamem Abschlussball feierte die 10b der Kodersdorfer Oberschule eine private Party im Bürgerhaus Niesky. Die kam auf kurzfristige Initiative der Eltern zustande.
Statt gemeinsamem Abschlussball feierte die 10b der Kodersdorfer Oberschule eine private Party im Bürgerhaus Niesky. Die kam auf kurzfristige Initiative der Eltern zustande. © privat

Und enttäuschend dann auch der letzte Tag für die Schüler. Doreen Schmidt: "Zwei Lieder von Youtube und eine emotionslose Rede, fluchtartiges Verschwinden der meisten Lehrerinnen und Lehrer nach der Feierstunde - dies ist vielen in Erinnerung geblieben." Persönliche Einladungen, doch noch gemeinsam ins Gespräch zu kommen und zu feiern, seien nicht angenommen worden.

Letztlich sei es einigen engagierten Eltern zu verdanken gewesen, dass wenigstens eine kleine Party zustande kam. "Wir konnten dazu die Räume im Erdgeschoss des Bürgerhauses nutzen", so die Elternsprecherin der 10b. Den gesellschaftlichen Auftrag, die Gemeinschaft zu fördern und Verantwortung gegenüber den Schülern zu übernehmen, habe die Kodersdorfer Schule aber nicht erfüllt.

Schule: Zeit zum Organisieren war zu kurz

Direktorin Kathrin Capitain will die Vorwürfe der Eltern keinesfalls so stehen lassen, zumal sie nur die 10b beträfen. Die 10a habe sich schon beizeiten selbst gekümmert, weil sie aufgrund der unsicheren Inzidenzlage nicht so lange warten wollte. "Als 14 Tage vor dem Abschlusstermin die letzten Einschränkungen aufgehoben wurden, war das fürs Organisieren einer solchen Veranstaltung einfach zu spät", stellt die Schulleiterin klar. Zumal die Party nach der Feierstunde nicht vordergründige Aufgabe der Schule, sondern der Eltern sei. "Wir als Bildungseinrichtung sind verpflichtet, den Kindern in feierlichem Rahmen ihr Zeugnis zu übergeben. Das haben wir getan."

Zusammen feiern sei überdies gar nicht der Wunsch vieler Schüler gewesen. "Die beiden Klassen waren nicht so eng miteinander." Aus Gesprächen mit den Kindern habe sie herausgehört: "Sie wollten eigentlich gar nicht mit den Eltern feiern. Ich denke, dass das vielmehr Wunsch der Erwachsenen war." Da werde etwas hineininterpretiert, was einfach nicht stimme. Natürlich habe, so Kathrin Capitain, die Schule in der Vergangenheit oft auch bei der Organisation des Abschlussballs den Hut aufgehabt. Immer aber hätten sich die Eltern mit eingebracht. "In diesem Jahr haben sie sich bis kurz vor dem Termin nicht einmal gerührt", moniert die Schulleiterin. In Zukunft werde sie die Verfahrensweise ändern. "Dann muss das von den Klassenleitern schon am Anfang des Schuljahres verbindlich besprochen werden."

Schulleiterin Kathrin Capitain tritt den Vorwürfen der Elternschaft entgegen: Die Zeit für die Organisation eines Abschlussballs sei zu kurz gewesen, außerdem hätten sich die Eltern nicht frühzeitig genug eingebracht.
Schulleiterin Kathrin Capitain tritt den Vorwürfen der Elternschaft entgegen: Die Zeit für die Organisation eines Abschlussballs sei zu kurz gewesen, außerdem hätten sich die Eltern nicht frühzeitig genug eingebracht. © André Schulze

Auch zwei andere Vorwürfe lässt die Direktorin so nicht gelten. Zu der nach der Feierstunde von den Eltern organisierten Privat-Feier sei ihrer Kenntnis nach niemand von den anwesenden Lehrern eingeladen worden. Die aktuelle Klassenleiterin habe die 10b erst in der 9. Klasse übernommen und wollte keine Lückenbüßerin sein, nachdem klar war, dass der frühere Klassenlehrer nicht kommen konnte. Mangelndes Verantwortungsbewusstsein für die Belange der Schüler und zu wenig Gemeinsinn stimme ebenfalls nicht. "Nur wenige Tage vor der Zeugnisübergabe ist die 10b in den Freizeitpark Belantis gefahren - das wurde von der Schule organisiert, den Kindern zuliebe."

Lernleistungen der Schüler trotz Corona gut

Mit den Lernleistungen der beiden Abschlussklassen ist die Direktorin indes sehr zufrieden. "Alle Schüler sind durchgekommen, einer sogar mit 1,0." Die Bedingungen seien trotz - oder gerade wegen - Corona speziell, aber nicht unbedingt schlechter gewesen. "Außer 14 Tage gab es in dieser Klassenstufe fast durchgängig Präsenzunterricht. Gelehrt wurde oft in kleinen Gruppen. Damit waren die Kinder so gut vorbereitet wie noch nie." Nur der Verlauf des letzten Tages hinterlässt bei Schülern und Eltern, aber auch den Verantwortlichen der Oberschule, einen faden Beigeschmack.

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