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Jeden Tag Kontrolle am östlichsten Punkt

Zwei Herren halten das Kleinod an der Neiße in Schuss. Doch das ist schwer: Kaputte Scheiben, gestohlene Zipfelbücher und Müll sind ein Problem.

Martin Friedrich (links) hat mit Freunden 1994 begonnen, den östlichsten Punkt Deutschlands in seiner jetzigen Form aufzubauen. Lothar Stange ist fast täglich hier und schaut nach dem Rechten an diesem beliebten Rastplatz an der Neiße.
Martin Friedrich (links) hat mit Freunden 1994 begonnen, den östlichsten Punkt Deutschlands in seiner jetzigen Form aufzubauen. Lothar Stange ist fast täglich hier und schaut nach dem Rechten an diesem beliebten Rastplatz an der Neiße. © André Schulze

Ein Ehepaar aus Dessau nimmt per Fahrrad Kurs zum östlichsten Punkt an der Neiße, zwischen Deschka und Zentendorf gelegen. Sie haben eine Radtour auf dem Neißeradweg unternommen, sind von Görlitz bis nach Rothenburg geradelt. Eigentlich wollten sie auf der Hinfahrt schon den östlichsten Punkt besuchen, sind aber daran vorbeigefahren, erzählt der Mann.  Auf dem Rückweg sind beide achtsamer und haben die Zufahrt gefunden. "Herrlich dieser Fleck hier, mitten in der Natur und nahe der Neiße", schwärmen die beiden Radtouristen.  

Martin Friedrich und Lothar Stange freut dieses Lob. Zusammen mit der SZ treffen sie sich an diesem geografisch und touristisch interessanten Punkt an Deutschlands östlichsten Zipfel. Martin Friedrich, in Zentendorf zu Hause, hält das Zipfelbuch in der Hand. Es trägt die Nummer 11. Noch drei Seiten sind frei, sieht er beim Durchblättern. "Zeit für ein neues Buch", sagt er. Was ihn an den Eintragungen besonders freut, sind die Lobessprüche, die vor allem Besucher aus dem Westen Deutschlands, aber auch aus dem Ausland in das Buch geschrieben haben. Die meisten von ihnen kamen auf dem Fahrrad vorbei. 

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Empört über Vandalismus

Das entschädigt den "Erschaffer" des östlichsten Punktes, Martin Friedrich, sowie Lothar Stange aus Deschka für die Arbeit, die sie in dieses touristische Kleinod stecken. Lothar Stange erzählt, dass er fast täglich hier vorbeischaut, um zu sehen, ob noch alles in Ordnung ist. Und das ist es nicht immer, sagen er und Martin Friedrich. "Zu oft wurde der östlichste Punkt von Randalierern heimgesucht. Zerschlagene Scheiben an der Schutzhütte, zerstörte oder entwendete Zipfelbücher, Müll und Scherben im Gras, all das beseitigen wir jedes Mal, damit die Besucher ihre Freude an diesem Fleckchen Natur haben", erzählt Lothar Stange . Auch von Beruf ist er der Natur verbunden: als Forstwirt sowie Natur- und Landschaftspfleger. 

Der östlichste Punkt liegt beiden heimatverbundenen Herren sehr am Herzen. Umso interessierter schauten sie auf das Sommerinterview des ZDF, dass Reporter Theo Kroll mit dem AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla am 9. August unter der großen Eiche führte. "Das haben wir bisher noch nicht erlebt, dass 25 Fahrzeuge, vom Lkw bis zum Pkw, hier Halt machen", berichtet Martin Friedrich, der sich die Live-Übertragung kurz vor Ort angeschaut hat.   

Kein Wort des Dankes bei TV-Interview

Unter den vielen Damen und Herren ist an dem Sonntag auch der Besitzer dieses Fleckchen Natur: Nikolaus von Gaylingen. Dass das Engagement besonders von Martin Friedrich bei diesem Auflauf keine Erwähnung gefunden hat, ärgert Lothar Stange. "Martin hat mit Freunden im Oktober 1994 den östlichsten Punkt errichtet. Er ließ einen über sechs Tonnen schweren Findling anfahren, versah ihn mit einer Hinweistafel aus Edelstahl, stellte einen Fahnenmast mit der Deutschlandfahne auf und sorgte für eine Sitzgruppe und eine kleine Hütte in Form eines ausgedienten Silos. Das geschah aus Eigeninitiative und aus eigener Tasche", zählt Stange auf. "Und das alles zur Freude von inzwischen jährlich Hunderten Radlern und Padlern entlang der Neiße."     

Umso mehr würden sich die beiden Enthusiasten freuen, wenn der Besitzer dieser Wiesenfläche sie unterstützt. "Das Nächste wird sein, dass wir die Sitzbank und den Tisch erneuern müssen", zählt Martin Friedrich auf. Lothar Stange denkt an eine Hinweistafel, die nicht nur den Ort beschreibt, sondern auch seine Geschichte. Schließlich bewegte sich 1945 die Front hier entlang, wurden Brücken über die Neiße gesprengt und Menschen zur Flucht gezwungen. Nikolaus von Gayling, der in Freiburg im Breisgau lebt, steht dem Vorhaben offen gegenüber. Er sagt auf Nachfrage der SZ gern seine Unterstützung zu.   

Nur ein Stück Wiese gekauft

Kurze Zeit nach der Wende kam der heute 78-Jährige in den Besitz "dieser Wiese", wie er sagt. Gekauft hat er das Stück Land an der Neiße mehr als Zugabe von einer Vorbesitzerin, als der Bund ihm einen Wald bei Deschka anbot. "Anfangs war mir gar nicht bewusst, dass das so ein wichtiger Ort für die Region und damit auch für Deutschland ist", erzählt der Forstwirt. Daher freut es ihn, wenn sich Einheimische für den östlichsten Punkt engagieren und ihn bekannter machen. "Die beiden Herren sollten keine Scheu vor einem Adligen aus dem Westen haben und auf mich zukommen", reicht ihnen von Gaylingen die symbolische Hand. Nun liegt es an Friedrich und Stange, in diese Hand einzuschlagen.  

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