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Görlitzer macht Möbelfabrik zur Pension

Der 55-Jährige will in Lodenau einen Schandfleck zum Schmuckstück umwandeln. Und erfüllt sich damit selbst einen Traum.

René Bath möchte aus der alten Möbelfabrik in Lodenau eine Pension mit Frühstücksrestaurant machen.
René Bath möchte aus der alten Möbelfabrik in Lodenau eine Pension mit Frühstücksrestaurant machen. © André Schulze

Die Zeiten, in denen in der Fabrik im Zentrum von Lodenau Möbel hergestellt wurden, sind schon lange vorbei. Nun aber erlebt die vergessene - und zunehmend verlotterte - Immobilie ihre Auferstehung. Ein Görlitzer hat sich in das Anwesen verliebt. Und beginnt seine Pläne bereits umzusetzen.

Für die Rothenburger Stadträte war es ein Leichtes: Hand hoch, als es um die Abstimmung zum Verkauf eines Teilstücks der alten Lodenauer Möbelfabrik ging. Verwaltungsgebäude, zweigeschossiger Massivbau. Die Stadt hätte nichts damit anfangen können, erklärte Bau-Fachbereichsleiterin Marlen Kolodziej den Räten. "Wir haben keine Möglichkeit, dieses Objekt selbst zu nutzen." Kurzum: Der Komplex wäre geblieben, was er schon seit vielen Jahren ist - ein Schandfleck.

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Gastronom will zurück zu seinen Wurzeln

Doch weil René Bath sein Interesse bekundete, ist die Kommune nun diese Sorge los. Der Görlitzer will sich hier einen Traum erfüllen, an dem er schon seit drei Jahren beharrlich arbeitet. Denn 2018 hat der 55-Jährige aus Privathand den ersten Teil des Geländes gekauft. Und bei der Stadt einen Antrag für den in Kommunalbesitz befindlichen zweiten Teil gestellt. Der Eigentümerwechsel klappte aber damals nicht. "Das Grundbuch war mit einer Sicherungshypothek belastet, die erst im Dezember 2020 gelöscht werden konnte", nennt Marlen Kolodziej den Grund.

Für Bath ist das Objekt keinesfalls heruntergekommen oder gar marode. Für ihn ist es eine Art Märchenschloss. Ein bisschen verwunschen, wie mit einer Dornenhecke ringsherum. Das keiner beachtet und deshalb zu neuem Leben erweckt werden muss. Dies hat er sich zur Aufgabe gemacht, will damit zurück zu seinen Wurzeln. Denn gelernt hat der Görlitzer einst im Service der Gastronomie, führte in der Neißestadt später einen Eisladen. Nach der Wende verschlug es ihn nach Berlin, war dort in der Finanz- und Immobilienbranche tätig und schließlich Brummi-Fahrer bei einer Spedition.

Zurück in der Heimat will René Bath nun sesshaft werden. In einem Teil der Möbelfabrik möchte er künftig wohnen. Darüber hinaus plant er eine Pension, zu der auch ein Frühstücksrestaurant gehören soll. Nah am Neißeradweg gelegen, sieht der Neu-Lodenauer gute Chancen, aus seiner Idee einen Erfolg zu machen.

Auch für die alten Werkhallen hat René Bath Pläne. Hier könnten zum Beispiel ein Landwarenhaus für einheimische Produkte und Platz für eine gemütliche Bierrunde entstehen.
Auch für die alten Werkhallen hat René Bath Pläne. Hier könnten zum Beispiel ein Landwarenhaus für einheimische Produkte und Platz für eine gemütliche Bierrunde entstehen. © André Schulze

Landwarenhaus und gemütliche Bierrunde

Vorher jedoch ist noch viel zu tun. Ehe sich ein Architekt mit der Nutzungsänderung der Immobilie befassen kann, muss das Gelände neu vermessen werden. Parallel dazu packt der neue Eigentümer aber schon kräftig an. Einen sechs Meter hohen Schornstein hat er bereits abgerissen, zudem die Entsorgung der überall verbauten Asbestplatten fest im Visier. Bisher hat er alles in Eigenleistung gemacht. Das wird auch in Zukunft überwiegend so bleiben. Denn so kann er das Objekt am besten nach seinen Vorstellungen umgestalten.

Auch die alten Werkhallen will er nicht ungenutzt vor sich hindümpeln lassen, sucht nach einer sinnvollen Verwendung. "Ich könnte mir hier eine Art Landwarenhaus vorstellen - mit Produkten aus der näheren Umgebung." Natürlich spielt in seinen Gedanken auch die Gemütlichkeit eine entscheidende Rolle. Bath bringt eine ungezwungene Bierrunde ins Spiel, so wie sie auf den Dörfern in Bayern üblich ist. Im benachbarten Freistaat hat er sich auch beim dazugehörigen Inventar bedient, einige Tische und Stühle erworben. "Ich will jetzt die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es 2022 richtig losgehen kann", hofft er auf einen Start im nächsten Jahr.

Corona könnte noch zum Hemmklotz werden

Allerdings könnte er noch ausgebremst werden. Aktuell ist er nämlich in einem Görlitzer Gastronomiebetrieb angestellt, wegen der Pandemie aber immer wieder in Kurzarbeit. "Ich muss wissen, wie es weitergeht mit dem Job." Einen Lkw, oft fern der Heimat, möchte er am liebsten nicht mehr fahren. Sollte ihn die Corona-Situation doch dazu zwingen, "würde sich mein Projekt in Lodenau wohl etwas verzögern."

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