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Nieskys grüne Lunge geht ins Netz

Seit drei Jahren geben die Parkfreunde dem Monplaisir-Park seine Schönheit zurück. Und seine Geschichte. Bald auch auf dem Smartphone.

Jens Neumann (rechts) und Marcel Scholze von den Parkfreunden montieren die kleinen Schiefertafeln mit Sprüchen beim Arbeitseinsatz im Monplaisir.
Jens Neumann (rechts) und Marcel Scholze von den Parkfreunden montieren die kleinen Schiefertafeln mit Sprüchen beim Arbeitseinsatz im Monplaisir. © André Schulze

Zweimal im Jahr treffen sich seit 2017 die Parkfreunde zum gemeinsamen Arbeitseinsatz in Nieskys schönstem Park, dem Monplaisir. Vor 14 Tagen war es wieder soweit, als die Parkfreunde die Nieskyer zum Herbstputz aufgerufen hatten. 25 Leute waren im Einsatz in der Parkanlage Am kurzen Haag. "Aus heutiger Sicht ein gut gewählter Tag. Nicht nur vom Wetter her, sondern auch noch kurz vor dem zweiten Corona-Lockdown", sagt Jens Baumann. Der Nieskyer ist einer der Parkfreunde. 

Der aktive Kern der Parkfreunde umfasst sieben Mitstreiter: Thomas Penk, Marcel Scholze, Jens Neumann, Lothar Halke, Uwe Platner, Eva-Maria Bergmann und Gabriele Beinlich. Die Macher wollen aber nicht als Personen hervortreten. "Es geht uns um die Sache und die Schaffung eines Mehrwertes für unsere gemeinsame Heimat", erklärt Jens Neumann. Das ist ihre Motivation, warum sie diesen Park in ihr Herz geschlossen haben und weitere Nieskyer dafür begeistern wollen. 

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Schulfreundin gibt den Anstoß

Auf sieben Arbeitseinsätze mit bis zu jeweils 50 Teilnehmern können die Parkfreunde inzwischen verweisen. Sie danken allen, die sich bisher aktiv eingebracht haben. Begonnen hat das Ganze mit der Initiative zweier Stadträte Anfang 2017. Gabriele Beinlich (CDU) und Lothar Halke (Bürgerbewegung) fassten den Entschluss, dass sich die Nieskyer ihren Park neu schaffen. Gabriele Beinlich sagt, dass der Anstoß eigentlich von ihrer Schulfreundin kam. Sie lobte den sehr schönen Park "Monplaisir", zu deutsch "Mein Vergnügen". Aber es ist für die Schulfreundin kein Vergnügen gewesen, durch den Park zu laufen. Viel Gestrüpp, zugewachsene Wege, massenweise heruntergefallenes Laub und kaum Sitzmöglichkeiten.    

Das hat sich nach dreieinhalb Jahren grundlegend geändert. Die Parkfreunde können auf einige Erfolge verweisen. So wurde nicht nur die ursprüngliche Wegführung freigelegt und viel Wildwuchs und Totholz beseitigt, sondern auch historische Gedenksteine wieder zur Geltung gebracht. Dabei halfen auch Spenden. 

Parkgeschichte im Handy

Der Park, der sich auf einer Fläche von sechs Hektar streckt, ist nicht nur Nieskys grüne Lunge, er soll auch Wissen vermitteln. Darüber, warum ihn Knaben des Nieskyer Pädagogiums ab 1760 hinter der Roten Schule angelegt und zwanzig Jahre später erweitert haben. Viel ist von ihrem Tatendrang nicht übrig geblieben. Freilichtbühne, Tempel, Hungerturm und Kapelle wurden nach dem Krieg abgerissen, nachdem sich keiner mehr um die Bauten kümmerte und sie verfielen. Die Parkfreunde sorgen dafür, dass aufgestellte Baumscheiben mit Tafeln an ihren ehemaligen Standorten die Erinnerung wachhalten. Das soll in nächster Zeit noch perfektioniert werden.  

Ein Resultat vergangener Parkeinsätze war das Wiederaufstellen und neu beschriften des Bismarcksteins. Zu Zeiten des Reichskanzlers wurde der Stein einst in den Park gebracht.
Ein Resultat vergangener Parkeinsätze war das Wiederaufstellen und neu beschriften des Bismarcksteins. Zu Zeiten des Reichskanzlers wurde der Stein einst in den Park gebracht. © André Schulze

Die laminierten Blätter auf den Baumscheiben sollen durch Kunststofftafeln mit QR-Codes ersetzt werden. Damit kann sich jeder interessierte Spaziergänger die Geschichte des Parkes und seiner einstigen Bauten auf sein Smartphone laden und lesen. Für Eva-Maria Bergmann, Leiterin der Niesyker Museen, hat der Park eine enge geschichtliche Beziehung zur Stadt. Deshalb ist sie seit Anfang an mit dabei, als es darum ging, das Stück Wald wieder zu einem Park zu machen. "Hier schlummern noch unzählige Möglichkeiten", ist sich Bergmann sicher. So zum Beispiel für Kunstinstallationen, aber auch, um Niesyker Geschichte erlebbar zu machen. Dazu bietet sich der Informationspfad an.    

Zerstörung ist ein Schlag ins Gesicht

Das hört sich alles gut an, wenn es auch von Bestand ist. Ein großes Ärgernis sind Vandalismus und Verschmutzung, besonders in den Sommermonaten, wenn sich die Jugend im Park trifft. Dann gehören Müll einsammeln sowie Schäden anzeigen und zu beseitigen zu den wöchentlichen Aufgaben der Parkfreunde. "Dieses Jahr hat uns besonders geärgert, dass die ,Stolpersteine' entwendet und an anderer Stelle im Park entsorgt wurden", berichtet Jens Neumann. Daraufhin wurden die noch vorhandenen Exemplare eingesammelt, erneuert und beim vergangenen Parkeinsatz wieder fest montiert. Es handelt sich um kleine Schiefertafeln mit Zitaten und  Sprichwörtern.  Auch die Folien auf den Baumscheiben waren teilweise zerstört, sodass sie ersetzt werden mussten. Das bedeutet nicht nur mehr Arbeitsaufwand und weitere Kosten, sondern ist auch ein Schlag ins Gesicht derer, die ihre Freizeit für den Park opfern. 

Diese laminierten Informationsblätter haben bald ausgedient. Sie sollen durch Tafeln mit QR-Codes ersetzt werden. Diese bieten die Möglichkeit, Geschichtswissen auf das Smartphone zu laden.
Diese laminierten Informationsblätter haben bald ausgedient. Sie sollen durch Tafeln mit QR-Codes ersetzt werden. Diese bieten die Möglichkeit, Geschichtswissen auf das Smartphone zu laden. © André Schulze

Der nächste Einsatz ist im Mai 2021 geplant. Dann sollen neue Bänke aufgestellt, der alte Holzzaun zur Parkstraße durch einen neuen ersetzt werden; ein Trimm-dich-Pfad wird angelegt und die Streetball-Anlage neu hergerichtet. Zudem ist ein Barfußpfad geplant. "Unser Ziel ist es, die Anlage zum generationsübergreifenden und multimedialen Kreativpark zu entwickeln", sagt Jens Neumann. Dafür wollen die Parkfreunde die Nieskyer Schulen mit einbeziehen. Schließlich waren es Nieskyer Schüler, die vor 260 Jahren den Grundstein für diesen Park gelegt haben.

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