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Pferde-Herpes bremst Reitvereine aus

Noch ist das gefährliche Virus nicht nach Kodersdorf, Neu Krauscha und Rothenburg vorgedrungen. In den Ställen herrscht Kontaktverbot.

Kristin Kuhn und Bella Deluxe im Stall des PSV Am Geyersberg in Kodersdorf. Impfungen sollen die Pferde vor dem Herpes-Virus schützen.
Kristin Kuhn und Bella Deluxe im Stall des PSV Am Geyersberg in Kodersdorf. Impfungen sollen die Pferde vor dem Herpes-Virus schützen. © André Schulze

Spätestens seit dem großen internationalen Reitturnier Ende Februar im spanischen Valencia ist die Herpes-Variante EHV-1 auch in den Reitvereinen zwischen Rothenburg, Neu Krauscha und Kodersdorf ein Thema. Über 80 Pferde zeigten in Spanien nach dem Seuchenausbruch Symptome, sechs verstarben sogar daran. Auch die Tiere von zwei deutschen Turnierteilnehmern waren unter den Opfern, weitere zeigten Symptome. Mit ihrer Rückkehr kam das Virus auch in Deutschland an.

Die Reiterhöfe in der Region haben ganz unterschiedlich darauf reagiert. "Der Trainingsbetrieb ist bei uns weitgehend eingestellt, wir arbeiten momentan nur noch mit unseren eigenen Tieren", erklärt Kristin Kuhn vom PSV Am Geyersberg in Kodersdorf. So wolle man die Ansteckungsgefahr minimieren. Denn übertragen wird das Herpes-Virus ebenso wie sein Pendant, das Corona-Virus beim Menschen, durch Tröpfcheninfektion. "Unsere eigenen Pferde, insbesondere die Zuchtstuten, haben wir inzwischen impfen lassen. Aber bei Pferden, die aus ihren Heimatställen zum Training zu uns kommen, kennen wir den Schutzstatus natürlich nicht. Deshalb haben wir entschieden: Keine Begegnung, kein Austausch von Tieren, bei denen wir nicht sicher sind", so Kuhn.

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Für die Pferde seiner Mitglieder hat der PSV Am Geyersberg mittlerweile eine Impfpflicht eingeführt. Doch umzusetzen ist die momentan nur schwer. Denn: "Durch die erhöhte Nachfrage ist der Impfstoff knapp geworden. Wir haben ihn zwar bestellt, aber hier angekommen, ist er bisher nicht", so die Vereinschefin.

Pferde gehen an EHV-1 qualvoll zugrunde

EHV-1 ist eins von neun klassifizierten Herpes-Viren. Befallen werden zuerst die oberen Rachenwege der Pferde, was zu Husten und Fieber führt. Später breitet sich das Virus bis in die Lunge aus. Keime gelangen in die Blutbahn. Das Besondere an dieser speziellen Form des Virus: Wenn das Rückenmark der Pferde befallen wird, können neurologische Defekte entstehen. Die Tiere gehen qualvoll zugrunde, zittern, können weder laufen noch stehen.

"So etwas hat es hier noch nicht gegeben", stellt Tierarzt Matthias Barth, zugleich Vorsitzender des Reit- und Fahrverein "Wehrkirch" Horka, klar. Zudem sei Herpes keine neue Seuche. "Durch den Vorfall in Valencia ist die Reiter-Welt lediglich aufgeschreckt worden." Barth sieht keine großen Auswirkungen für die hiesigen Vereine. "Wenn wir die Füße still halten, sollte nichts passieren." Das bedeutet vor allem: Den Kontakt zwischen den Pferden minimieren. Deutschland- und weltweit wurden kurz nach dem Bekanntwerden der Todesfälle sämtliche Turniere und Lehrgänge - wenn nicht schon coronabedingt ausgefallen - abgesagt. Erst jetzt im April sind solche Veranstaltungen - abhängig von der Pandemielage - wieder möglich.

In Horka wurden die Pferde laut Matthias Barth schon immer gegen das Herpes-Virus geimpft. Der Veterinär kritisiert, wie mit dem Infektionsrisiko in der Bundesrepublik verfahren wird. "Herpes ist keine meldepflichtige Seuche. Das sah in der DDR ganz anders aus. Da hatten wir einen besseren Überblick." Zumal es auch in der Oberlausitz schon Auswirkungen der Krankheit gab. "Vor einigen Jahren hatten wir einen sogenannten Stutenabort im Kreis." Dies ist eine durch EHV-1 ausgelöste Fehlgeburt. Barth fordert deshalb die Wiedereinführung der Meldepflicht. Allerdings: Herpes-Viren, erklärt er, seien latent in den Pferdebeständen drin, die Krankheit breche meist nur in Stresssituationen aus.

Virenalarm: Kontaktverbot auch für Pferde

Die haben normalerweise auch Philipp Schobers Tiere zu bestehen. Übers Jahr ist der Rothenburger Springreiter bei vielen nationalen und internationalen Turnieren am Start. "Das überlegt man sich natürlich für die Zukunft. Corona lässt aktuell sowieso keine solchen Aktivitäten zu. Aber auch wenn es ginge - die Herpes-Situation macht Turnierteilnahmen ziemlich ungewiss." In seinem Sportpferde-Center hat er auf die aktuelle Lage reagiert: Alle Pferde wurden im Abstand von vier Wochen zweimal geimpft, fremden Pferden bleibt der Zutritt auf den Hof verwehrt.

Das Überleben seines Unternehmens machen Corona und Herpes doppelt schwer. "Ich hatte mich bei zwei Turnieren angemeldet, die wurden kurz darauf wieder abgesagt", schildert Schober eins der Probleme. Aber auch das Training eingestellter Pferde läuft nur sehr eingeschränkt. "Einige Besitzer haben ihre Tiere abgeholt, weil mir vom Gesundheitsamt der Unterricht verwehrt worden ist."

Simone Stiefelmeyer beschreibt die Ängste rund um das Pferde-Virus mit "viel Lärm um nichts". Denn in Sachsen sei EHV-1 bis auf einen Stall - außerhalb des Landkreises - noch nicht angekommen, so die Inhaberin des Neu-Krauschaer Tannehofs. Die Lage sei insgesamt "besch...". "Wir sitzen in den Startlöchern und können nichts tun. Pferde und Reiter sind hochmotiviert. Diese Krankheitserreger bremsen uns einfach aus."

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