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Wie die Landwirte Solarstrom ernten

Die Agrarbetriebe in Nieder Seifersdorf und See wollen mit Sonnenenergie ausbleibende Erträge kompensieren. Die Idee haben auch noch andere.

Von Steffen Gerhardt
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An vier Standorten um Niesky sollen weitere Photovoltaikanlagen gebaut werden. Insgesamt könnten sie Strom für 42 Eigenheime liefern.
An vier Standorten um Niesky sollen weitere Photovoltaikanlagen gebaut werden. Insgesamt könnten sie Strom für 42 Eigenheime liefern. © André Schulze

Statt Kartoffeln wollen Landwirte künftig die Sonnenenergie zu Geld machen. Agrarbetriebe entdecken den Solarstrom als neues Geschäftsmodell, da inzwischen auch die Landwirtschaft von den Fördermöglichkeiten für erneuerbare Energien profitieren kann. Aber auch private Unternehmen auf dem Energiesektor haben die Oberlausitz als sonnenreiche Region für sich entdeckt.

Jüngstes Beispiel ist die Agrargenossenschaft Nieder Seifersdorf. Sie will eine Photovoltaik-Anlage auf ihren Böden bei Diehsa errichten. Zwei Flächen mit insgesamt 30 Hektar sind dafür vorgesehen. Doch bevor es damit losgehen kann, will die Genossenschaft die Akzeptanz ihres Vorhabens einholen. Vorstand Matthias Rompe sagt, dass das Projekt jüngst im Gemeinderat Waldhufen vorgestellt wurde und sich die Räte grundsätzlich dafür ausgesprochen haben. "Uns ist Meinung und Transparenz wichtig, denn wir wollen die Leute auf den Weg mitnehmen", betont Rompe.

Erfahrung in Sachen Sonnenenergie haben die Landwirte bereits. Mit dem Bau des neuen Stalls vor zwei Jahren wurde darauf eine Solaranlage installiert. Sie versorgt das Betriebsgelände mit seinen Ställen, der Biogasanlage bis hin zur Milchkühlung. Meint die Sonne es gut mit den Nieder Seifersdorfern, braucht kein Netzstrom zugeschaltet zu werden.

Umstrittene Solaranlage bei Schleife

Durch eine klare Ansage und Offenheit sollen Proteste aus der Bevölkerung vermieden werden. Im Gegensatz zu Mulkwitz bei Schleife. Dort formieren sich die Gegner einer Solaranlage, die auf den Mulkwitzer Hochkippen gebaut werden soll. Eine Bürgerinitiative macht mobil gegen die Vorhaben und will die Hochkippen retten. Eine Entscheidung steht noch aus, ob und welche der beabsichtigten Photovoltaikanlagen gebaut werden dürfen oder nicht. Doch die Naturschützer der Bürgerinitiative wollen keine Zeit verlieren, um den Naturraum Mulkwitzer und Rohner Hochkippe nachhaltig zu schützen, heißt es aus ihren Reihen.

Zu Protesten ist es um Niesky bisher nicht gekommen, zumal die hiesigen Anlagen nicht auf sensiblen Böden geplant werden. Die Agrargenossenschaft Nieder Seifersdorf will für ihr Vorhaben die Hochspannungstrasse gen Diehsa nutzen. Die Agrargenossenschaft See möchte ihre Solarpaneele entlang der Bahnlinie installieren. Dabei wollen die Seer Fördergelder der EU nutzen, die solche Investitionen in alternative Energien entlang von Verkehrsadern besonders unterstützt. Im Endausbau sollen 100 Hektar mit Solaranlagen bestückt sein, mit denen 90 Megawatt im Jahr erzeugt werden. Hinzu kommt, dass die Genossenschaft ihre ertragsarmen Böden nutzt, auf denen die Stromerzeugung mehr bringt, als dort pure Landwirtschaft zu betreiben.

Vorsitzender Andreas Graf (rechts) und Tobias Kärber von der Agrargenossenschaft See zeigen die Fläche entlang der Niederschlesischen Magistrale, wo ein Solarfeld entstehen soll.
Vorsitzender Andreas Graf (rechts) und Tobias Kärber von der Agrargenossenschaft See zeigen die Fläche entlang der Niederschlesischen Magistrale, wo ein Solarfeld entstehen soll. ©  Archiv/André Schulze

Das Projekt soll zusammen mit dem Energieversorger Sachsen Energie umgesetzt werden, sagt Vorsitzender Andreas Graf. Das Unternehmen ist der Investor, baut und betreibt die Anlage. Vorgesehen ist, den erzeugten Strom über Erdkabel ins Umspannwerk Niesky einzuspeisen.

Wohin mit dem Sonnen-Strom?

Das möchte auch Landwirt Hans Joachim Mautschke vom Gut Krauscha. In dessen Nähe soll auf 48 Hektar eine Agri-Photovoltaikanlage entstehen. Eine Anlage, die das Gewinnen von Strom und das Betreiben von Landwirtschaft gleichzeitig ermöglicht - durch senkrecht stehende Solarpaneele. Beauftragt damit ist die Firma "Next2Sun", beheimatet in Merzig im Saarland. Doch derzeit ist das Vorhaben ins Stocken geraten, wie Geschäftsführer Heiko Hildebrand der SZ bestätigt.

Die Anlage zwischen Klein Krauscha und Kaltwasser will ihren Sonnen-Strom ebenfalls ins Umspannwerk Niesky einspeisen. Aber nach dem jüngsten Gespräch zwischen Hildebrand und Vertretern von Sachsen Energie wird das wohl so schnell nicht möglich sein, zusätzliche Energie dort ins Stromnetz zu geben. "Als alternativer Einspeisepunkt wurde uns Hagenwerder genannt. Aber bis dorthin ein Kabel zu legen, rentiert sich wirtschaftlich nicht", sagt der Next2Sun-Chef. Eine andere Lösung muss her, ist Hildebrand überzeugt. Solange ruht das Vorhaben, bei dem das Unternehmen als Investor und Betreiber auftritt.

Strom aus Petershain für 5.000 Haushalte

In der Gemeinde Quitzdorf am See bewegt sich ebenso etwas in Richtung alternativer Energien. Der Energieparkentwickler UKA Meißen plant eine Photovoltaik-Freiflächenanlage, die im Norden von Petershain nachhaltig Strom für rund 5.000 Haushalte produzieren soll. "Die vorläufige Planung sieht eine Leistung von rund 18 Megawatt vor. Damit können gegenüber einem Braunkohlekraftwerk rund 11.610 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden", rechnet UKA-Sprecher Benedikt Laubert vor.

Bei dem dafür vorgesehenen Gebiet handelt es sich um landwirtschaftlich benachteiligte Flächen. Etwa 19 Hektar des im Bebauungsplan ausgewiesenen Sondergebietes könnten für die Photovoltaik-Freiflächenanlage genutzt werden. Der Gemeinderat Quizdorf am See befürwortet die Planung und hat bereits auf seiner September-Sitzung einen städtebaulichen Vertrag mit UKA beschlossen. Gegenwärtig liegt der Vorentwurf des Bebauungsplanes zur Anhörung aus. "Wenn alles gut geht, können wir den Solarpark Petershain im Sommer 2023 in Betrieb nehmen", sagt Benedikt Laubert.

Sollten alle vier Anlagen wie geplant in Betrieb gehen, würden zusammen rund 164 Megawatt umweltfreundliche Energie im Jahr erzeugt. Eine Menge die ausreicht, um 42.000 Eigenheime das Jahr über mit Strom zu versorgen. Einen jährlichen Hausverbrauch von 3.900 Kilowatt zugrunde gelegt.