merken
PLUS Niesky

Verspätete Pilzsaison: Kühler Frühling hat Schuld

Die ersten Pilze sprießen im Kreis Görlitz aus dem Boden. Später als sonst, dafür sorgt das Wetter. Doch das muss noch kein Nachteil sein.

Uwe Bartholomäus aus Hähnichen ist Pilzberater und Fachmann aus Leidenschaft.
Er sammelt auch giftige Pilze für seine Beratungen und Ausstellungen, wie dieser Kahle Krempling. Der galt früher als essbar, wurde aber 1970 als giftig eingestuft.
Uwe Bartholomäus aus Hähnichen ist Pilzberater und Fachmann aus Leidenschaft. Er sammelt auch giftige Pilze für seine Beratungen und Ausstellungen, wie dieser Kahle Krempling. Der galt früher als essbar, wurde aber 1970 als giftig eingestuft. © André Schulze

Bei Uwe Bartolomäus haben sich die ersten Pilzsammler schon gemeldet. Sie wollen beraten werden über ihre Funde in Wald und Flur. Uwe Bartolomäus ist Pilzsachverständiger im Landkreis Görlitz. Im Mai beginnt gewöhnlich die ehrenamtliche Arbeit für den Pilzberater wieder. Aber dieses Mal gibt es einen Unterschied.

"Die ersten Pilze kommen in diesem Jahr später als sonst. Das kalte Frühjahr sorgt für diese Verspätung", hat Uwe Bartolomäus beobachtet. Er selbst hat bisher nur giftige Pilze am Boden entdeckt. SZ-Leserin Heike Adomat hatte da mehr Erfolg. Ein Körbchen mit Steinpilzen brachte sie nach einem Ausflug zum Stausee Quitzdorf jetzt mit. Die Freude darüber hielt aber nicht lange an, denn Maden hatten schon genüsslich in den Pilzen Platz genommen.

Anzeige
Kerngesund dank regionalem Futter
Kerngesund dank regionalem Futter

Egal ob Kleintierhalter oder Hobby-Farmer: Mit der richtigen Nahrung bereiten Ihnen Ihre Nutztiere die größte Freude.

Heike Adomat sagt, dass das gegenwärtig warme und feuchte Wetter das ideale Klima für das Pilzwachstum ist. Das bestätigt Uwe Bartolomäus. Obwohl die Pilze zwei Wochen später dran sind als in den Vorjahren, haben sie jetzt die idealen Bedingungen zum Wachstum. Ob das so anhält, darüber möchte der Pilzberater keine Prognose abgeben.

Keine Vorhersage möglich

Ob es ein gutes Pilzjahr wird, das lässt sich nicht vorhersagen. Der Pilz hat zweimal im Jahr Saison: Im späten Frühjahr und im zeitigen Herbst, erklärt Uwe Bartolomäus. Die eigentliche Pilzschwemme ist in den Monaten Mai und Juni. Zu diesem Zeitpunkt wachsen die meisten Pilze. "Wird es zu heiß und zu trocken, ist es vorbei mit den Pilzen. Diese Erfahrung haben wir vor allem in den zurückliegenden Jahren machen müssen", so der Pilzfachmann.

Die ersten Steinpilze dieses Jahr. Die Nieskyer Familie Adomat hat sie am Stausee Quitzdorf gefunden.
Die ersten Steinpilze dieses Jahr. Die Nieskyer Familie Adomat hat sie am Stausee Quitzdorf gefunden. © privat

Zudem lässt sich ein gutes oder schlechtes Pilzjahr nicht mehr allgemein für die Oberlausitz feststellen. "Das kann schon in einem Wald unterschiedlich ausfallen, wenn der Niederschlag nur stellenweise fällt. An einer Stelle häufen sich die Pilze, an anderer ist nichts zu finden", hat Uwe Bartolomäus in den vergangenen Jahren beobachtet.

Die Oberlausitz ist aufgrund ihrer Böden ein "Pilzland". Nicht nur was die Menge betrifft, sondern auch die Vielfalt an Arten. Wenn das Wetter dafür sorgt, dann sind hier Pilze reichlich zu finden, essbare und giftige gleichermaßen. Aber die Trockenheit, besonders in den Jahren 2018 und 2019, machte nicht nur den Land- und Forstwirten zu schaffen, sondern auch den Pilzen.

Pilze können giftig werden

Im Landkreis Görlitz gibt es derzeit zehn Pilzberater, von Jonsdorf im Süden bis Hähnichen im Norden. Dort ist Uwe Bartolomäus zu Hause. Sie sind alle durch die Deutsche Gesellschaft für Mykologie geprüfte Pilzsachverständige und müssen ihr Wissen alle fünf Jahre erneut unter Beweis stellen. "Wie die Natur verändern sich auch Pilzarten. Was bisher als essbar galt, kann heute schon giftig sein."

Als Beispiel nennt Uwe Bartolomäus den Grünling, der besonders in Kiefernwäldern vorkommt und einst als Speisepilz galt. Bereits seit dem Jahr 2000 wird dieser Pilz als giftig und damit ungenießbar eingestuft. Für den Sammler, der ein altes Pilzbuch im Schrank stehen hat, kann das unangenehme Folgen haben. "Deshalb rate ich Pilzsammlern, immer ein aktuelles Buch zur Pilzbestimmung dabei zu haben oder sich beraten zu lassen", empfiehlt der Fachmann.

Den Pilz genau zu bestimmen, lässt sich am besten am ungeputzten Original. Zwar haben Corona und die Kontaktbeschränkungen im vergangenen Jahr oft dazu geführt, dass Leute dem Pilzberater nur Fotos mit Zustandsbeschreibung von den zu untersuchenden Pilzen geschickt haben. Aber das reicht dem Experten nicht. "Ich muss den Pilz auch fühlen, riechen und schmecken können, um ihn eindeutig zu bestimmen", betont er.

Das macht auch Familie Adomat so. Bereits Großvater und Vater sind große Pilzsammler gewesen, sagt Heike Adomat. "Wir haben schon einen reichen Erfahrungsschatz in der Familie, aber bei manchen Arten müssen wir uns belesen, um sicher zu sein", sagt die Nieskyerin. Dabei entdecken Adomats essbare Pilze, über die andere Leute nur den Kopf schütteln. Wie den Schwefelporling. Den Namen verdankt er seiner gelben Farbe. Der Schwefelporling wächst an Bäumen, bei Adomats an den Kirschbäumen im Garten. Junge, saftige Exemplare schmecken gegart nach Hühnchen. "Ein leckerer Pilz", schwärmt Frau Adomat.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky