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Polizeistudium unter erschwerten Bedingungen

Roy Krüger studiert seit Oktober an der Polizeihochschule in Rothenburg. Corona hat auch dort alles verändert. An den Prüfungen gibt es aber keine Abstriche.

Handlungstraining wie hier vor zwei Jahren beim simulierten Ladenklau in einem Rothenburger Supermarkt wird unter Coronabedingungen auch jetzt in Präsenz durchgeführt.
Handlungstraining wie hier vor zwei Jahren beim simulierten Ladenklau in einem Rothenburger Supermarkt wird unter Coronabedingungen auch jetzt in Präsenz durchgeführt. ©  Archiv/André Schulze

Kommissar in Coronazeiten zu werden, heißt Studieren unter erschwerten Bedingungen. Zwar können sich die Anwärter für den gehobenen Polizeidienst die eine oder andere Fahrt nach Rothenburg ersparen. Doch überwiegend online zu lernen, ist auf Dauer auch nicht die Erfüllung. Zumal immer wieder Modulprüfungen auf der Tagesordnung stehen. Bei denen gibt es keine coronabedingte Gnade.

Fünfeinhalb Jahre war Roy Krüger Beamter im Streifendienst in einem Dresdner Revier. Doch das Ende seiner beruflichen Laufbahn sollte das noch nicht gewesen sein. Der 34-Jährige entschied sich, noch einmal zu studieren. Dabei ahnte er im Oktober vergangenen Jahres schon, dass diese Zeit - nicht nur wegen des Lernens - eine ganz besondere für ihn werden würde. Denn Corona sorgt auch an der Sächsischen Polizeihochschule für manche Ausnahmesituation. In Rothenburg zählt Krüger zu den Aufstiegsbeamten des 27. Studienjahrganges. Er habe das Lernen richtig vermisst, schreibt er in seinem Blog im Internet.

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Der Dresdener Roy Krüger hat mitten in der Coronazeit das Studium an der Sächsischen Polizeihochschule begonnen. Lernen unter Pandemiebedingungen verlangt auch ihm mehr als in normalen Zeiten ab.
Der Dresdener Roy Krüger hat mitten in der Coronazeit das Studium an der Sächsischen Polizeihochschule begonnen. Lernen unter Pandemiebedingungen verlangt auch ihm mehr als in normalen Zeiten ab. © Sächsische Polizeihochschule

Doch ganz so einfach ist das neue Leben nicht. Denn: "Das Online-Studium hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Von 7.45 Uhr bis 17.15 Uhr konzentriert auf einen Bildschirm zu schauen und dabei noch Mitschriften zu machen, kann auf Dauer sehr anstrengend sein", hat der Dresdner inzwischen mitbekommen. Zumal er sich im Homeoffice "doch irgendwie auch dem Haushalt, der Kinderbetreuung und all den anderen Dingen" verpflichtet fühlt. Er hofft, "dass bald wieder etwas mehr Normalität einkehrt."

Corona stellt das Studieren an der Polizeihochschule vor die härteste Prüfung, die es in der Geschichte der Einrichtung je gegeben hat. Die Einschränkungen dauern nun schon ein Jahr. "In einem Umfang, den wir anfangs nicht ahnen konnten", erinnert sich Thomas Knaup. Permanent seien von Studenten, Lehrkräften und Bediensteten Einfallsreichtum und Flexibilität gefragt, um das Lernen bestmöglich in Gang zu halten, so der Hochschulsprecher. Nach den Erfahrungen des ersten Lockdowns wurden im Herbst alle drei Bachelor-Jahrgänge, aber auch der Master-Studiengang und die angehenden Cybercops nach Hause geschickt. Wissen vermittelt wird seitdem über Online-Plattformen wie Moodle und GoToMeeting.

Gut gefüllte Hörsäle gibt es an der Polizeihochschule in Rothenburg derzeit nicht. Der überwiegende Teil des Wissens wird online vermittelt.
Gut gefüllte Hörsäle gibt es an der Polizeihochschule in Rothenburg derzeit nicht. Der überwiegende Teil des Wissens wird online vermittelt. ©  Archiv/André Schulze

"Komplex wird es, wenn praktische Anteile oder Übungen mit der Vermittlung theoretischen Wissens eng verknüpft werden sollen", erklärt Knaup eine der Schwierigkeiten. Dann bleibe nur der Rückgriff auf Präsenzeinheiten. Seit 8. Februar ist der Unterricht nach einem Entscheid des Innenministeriums in hybrider Form möglich. Daran ändert auch die seit Sonnabend geltende Bundesnotbremse nichts, weil Polizeistudenten regelmäßig Modulprüfungen absolvieren müssen und die Kurse damit den Charakter von Abschlussklassen besitzen.

Präsenz ist immer dann notwendig, wenn es um Dienstsport oder Einsatztraining geht. "Schnellkraft, Schwimmen, Kraftausdauer, auch das Ergreifen und Fixieren von Personen, die Abwehr von Angriffen - all das funktioniert nur im direkten Kontakt mit anderen Menschen", erläutert Knaup. Ein gewisses Infektionsrisiko sei dabei nicht auszuschließen.

Das aber mit einem speziellen Hygienekonzept minimiert werden soll. Im Wesentlichen schließt das die bekannten AHA-Regeln ein. Studenten unterschiedlicher Kurse bleiben strikt getrennt. Wer Sport oder Einsatztraining macht, muss sich vor jeder Einheit einem Selbsttest unterziehen. Unabhängig davon hat jeder Bedienstete mindestens einmal wöchentlich die Möglichkeit, sich selbst zu testen.

Sport und spezielle Einsatztechniken können nur im Präsenzunterricht vermittelt werden. In der heutigen Zeit natürlich unter den geltenden Hygienebedingungen.
Sport und spezielle Einsatztechniken können nur im Präsenzunterricht vermittelt werden. In der heutigen Zeit natürlich unter den geltenden Hygienebedingungen. ©  Archiv/André Schulze

Während Studenten an freien Unis und Hochschulen je nach Bedarf auch mal ein Semester dranhängen können, sind angehende Polizeikommissare strikt an drei aufeinanderfolgende Studienjahre gebunden. "Die Europäische Union hat das Studium zertifiziert, der Inhalt von 5.400 Stunden ist umzusetzen", kennt Thomas Knaup die geltenden Bestimmungen. Sie mit der Lebenswirklichkeit zu vereinbaren, verlangt allen Beteiligten viel Fingerspitzengefühl ab. Für die Planer zählt jede verfügbare Stunde. Denn: Das Bachelorstudium ist straff durchgeplant, Spielraum für Kurskorrekturen gibt es kaum. Eine interne Koordinierungsgruppe stimmt tagesaktuell die coronabedingten Auswirkungen auf den Studienbetrieb ab.

Ende März war Roy Krüger erstmals bei den halbjährlich stattfindenden Modulprüfungen dabei. Sie finden vor Ort in Rothenburg statt. Mit ausreichend Abstand nehmen die Prüflinge an Einzeltischen Platz, während des Schreibens wird Maske getragen. Als der Dresdner seine Arbeit abgegeben hatte, konnte er seine Erleichterung kaum in Worte fassen. Und er gewinnt der Coronazeit sogar etwas Positives ab: Zum Lernen habe er sich zu Hause geradezu eingeschlossen, schreibt er in seinem Blog. "Diese intensive Vorbereitung hat sich nun bezahlt gemacht."

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