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Mindestlohn steigt - aber Postler haben nicht mehr Geld

Die zwei Kodersdorfer Postfrauen haben einen Minijob. Um im Limit zu bleiben, müssen sie jetzt auf eine Pauschale verzichten.

In der posteigenen Filiale in Kodersdorf werden die Pakete noch abgestempelt und nicht mit Etiketten aus dem Computer versehen.
In der posteigenen Filiale in Kodersdorf werden die Pakete noch abgestempelt und nicht mit Etiketten aus dem Computer versehen. © André Schulze

Die Poststelle in Kodersdorf ist etwas Besonderes. Nicht nur, dass es eine direkte Filiale der Deutschen Post ist, sondern auch von ihrer Ausstattung her. Wer sie zum ersten Mal in der Schulstraße aufsucht, fühlt sich in vergangene Zeiten zurückversetzt. "Hier wird alles noch von Hand gemacht", sagt Viola Lisske. Zusammen mit Monika Voigt arbeitet die Görlitzerin hier seit gut fünf Jahren.

Weder ein Computer noch ein Scanner für die Postsendungen sind hier zu finden. Dafür versieht der klobige Poststempel jeden Tag seinen Dienst und die Nummern von Paketen und Päckchen werden akribisch von Hand in einem Buch notiert. Sozusagen für die analoge Sendungsverfolgung. Trotz dieser Umstände macht die Arbeit den beiden Frauen Spaß und sie sind gern im Wechsel in der Filiale tätig. Zumal sie nicht nur von den Kodersdorfern gut angenommen wird, sondern auch von Kunden aus dem Schöpstal und der Stadt Niesky.

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Post zahlt höheren Mindestlohn

Die beiden Frauen werden also gebraucht, auch wenn bei ihnen nur Dienstleistungen der Deutschen Post angeboten werden. Wer beispielsweise sein Hermes-Paket losschicken will, muss woanders hingehen. Und doch begann für die zwei Angestellten das neue Jahr nicht so zuversichtlich wie die Jahre zuvor. Das mag zum einen an der Corona-Pandemie liegen, aber mehr beschäftigt sie ihre Entlohnung. Das nimmt Viola Lißke zum Anlass, sich an die SZ zu wenden.

Entgegen der Beteuerung der Bundesregierung, dass es für viele Bürger ab Januar mehr Geld gibt, befürchtet Viola Lißke für sich und ihre Kodersdorfer Kollegin das Gegenteil: "Wir wurden im November von der Deutschen Post AG informiert, dass sich der Mindestlohn ab Januar auf 9,60 Euro erhöht und damit unsere Vergütung dann die Minijob-Grenze von 450 Euro übersteigt." Dazu muss man wissen, dass die Deutsche Post die nächste Erhöhung des Mindestlohnes auf 9,60 Euro ab Juli schon zum Vorteil der betroffenen Mitarbeiter vorweggenommen hat. Bis Ende Juni gelten bundesweit 9,35 Euro. "Uns beiden Frauen wurde eine Weiterbeschäftigung im Minijob-Verhältnis angeboten, wenn wir auf die monatliche Mehrarbeitspauschale in Höhe von 41,57 Euro verzichten", sagt die 64-jährige Viola Lißke. Dann bleiben sie im Limit, sonst sind sie sieben (!) Euro drüber.

Verzicht auf Mehrarbeit

Die Deutsche Post bestätigt gegenüber SZ dieses Angebot. Denn die Erhöhung des Mindestlohns hat unter Umständen zur Folge, dass bestehende Arbeitsverhältnisse sozialversicherungspflichtig werden. Das sei zwar zum Vorteil der Mitarbeiter, denn sie haben somit Anspruch auf Leistungen, die sie als geringfügig Beschäftigte nicht haben. Aber nicht alle wollen das. Deshalb bietet die DP noch einen zweiten Weg: Die bisher vertraglich vereinbarte Arbeitszeit zu reduzieren, sodass Beschäftigte weiterhin unter der 450-Euro-Grenze bleiben. Hierbei fällt eine Pauschale für Mehrarbeit weg. Diese wird dafür gezahlt, dass die beiden Frauen zehn Minuten vor Geschäftsöffnung ihre Arbeit aufnehmen und 15 Minuten nach Schließung erst beenden. Die Postfiliale in Kodersdorf ist werktags von 14.30 bis 17.30 Uhr offen und sonnabends bis Mittag.

Violka Lißke hat der Post einen anderen Vorschlag gemacht: "Wir reduzieren unsere Öffnungszeiten und damit unsere Arbeitszeit so, dass wir in die 450-Euro-Grenze hineinpassen." Die DP hat ihr geantwortet, dass die Geschäftsführung beschlossen hat, dass keine Dienstpläne aufgrund des neuen Mindestlohnes geändert werden. Also bleibt den Frauen nur der Verzicht auf die Mehrarbeitspauschale. Praktisch umgesetzt heißt das, dass für sie jetzt Arbeitszeit gleich Öffnungszeit ist und keine Vor- und Nacharbeiten mehr stattfinden. Und falls doch Mehrarbeit anfällt, wird das als Überstunden abgerechnet, sind sich die zwei Postfrauen einig. Das akzeptiert die Deutsche Post. "Zusätzlich erbrachte Leistungen, die über die vereinbarte Arbeitszeit hinausgehen, werden selbstverständlich bezahlt", sagt Pressesprecher Mattias Persson.

Unterm Strich hat sich trotz Erhöhung des Mindestlohnes für Viola Lißke und Monika Voigt an der Höhe ihres Lohnes nichts geändert. Im Gegenteil. Ihnen fehlen jetzt rund 29 Euro in der Lohntüte. Brachte der Dezember ein Nettogehalt von knapp 430 Euro, so werden es im Januar nur 401 Euro sein. Der höhere Mindestlohn wiegt die fehlende Mehrarbeitspauschale nicht auf. Einziger Trost, dass beide jetzt am Tag eine knappe halbe Stunde weniger Arbeiten müssen. So gesehen ist Frau Lißkes Einschätzung richtig, dass sie trotz gestiegenem Mindestlohn zum neuen Jahr nicht mehr Geld in der Tasche hat, sondern weniger.

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