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Trocknet die Talsperre Quitzdorf irgendwann aus?

Aktuell ist das Gewässer gut gefüllt. Doch das könnte anders werden. Mit Folgen für Teichwirte und den Spreewald.

2018 wurde der Wasserpegel im Quitzdorfer Stausee schon einmal erheblich gesenkt, um den Damm am Reichendorfer Teilstaubecken sanieren zu können. Ähnlich könnte es bei zunehmender Trockenheit aussehen.
2018 wurde der Wasserpegel im Quitzdorfer Stausee schon einmal erheblich gesenkt, um den Damm am Reichendorfer Teilstaubecken sanieren zu können. Ähnlich könnte es bei zunehmender Trockenheit aussehen. © André Schulze

Schnee und Regen der vergangenen Wochen haben für ausreichend Wasser in der Talsperre Quitzdorf gesorgt. Von der - aufgrund von Trockenheit und anstehender Reparaturen - vorherrschenden Knappheit vergangener Jahre ist nichts mehr zu spüren.

Gunther Ermisch denkt jedoch mit Grausen an 2020 zurück. Durch den coronabedingt weggebrochenen Tourismus ging ihm nicht nur das Geschäft mit dem Verkauf von Angelkarten verloren. Durch die Trockenheit erlebten auch die Fische schwierige Monate. "Wenn sie laichen wollen, brauchen sie Flachwasserzonen. Die gab es nicht wie gewohnt. Deshalb klappte es nicht mit der Reproduktion", beschreibt der Stausee-Pächter eine der Schwierigkeiten. Weil auch die Gesamtwasserfläche kleiner war, konnten die Tiere überdies nicht normal wachsen. Durch den wegen Sanierungsplänen 2018/19 künstlich abgesenkten Pegel herrschten in den beiden Vorjahren ähnliche Zustände. Aktuell sieht die Lage bedeutend besser aus, der Wasserstand liegt über Normal.

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Wasserknappheit führt zu Pegelschwankungen

Allerdings ist der momentane Wasserreichtum trügerisch. Denn aufgrund des Klimawandels trocknet die Lausitz immer mehr aus. Zumindest das Oberflächenwasser wird perspektivisch weniger. Lediglich die Grundwasserleiter, die von den Versorgern zwischen Görlitz, Niesky und Rothenburg angezapft werden, bleiben davon offenbar unberührt. Doch wie sieht das mit der Talsperre Quitzdorf aus? Die zuständige Behörde beschäftigt sich längst mit diesem Szenario. "Eine zunehmende Wasserknappheit würde zu einer höheren Auslastung der Speicherkapazitäten in der Lausitz führen", erklärt Katrin Schöne. Dies bedeute, "dass es innerhalb eines Jahres, aber auch im Laufe mehrerer Jahre zu häufigeren und größeren Schwankungen des Talsperreninhaltes kommen kann", so die Sprecherin der Landestalsperrenverwaltung (LTV).

Stausee-Pächter Gunther Ermisch weiß zwar um die Wasserprobleme des Gewässers, will hier perspektivisch aber trotzdem weiter Fischzucht betreiben.
Stausee-Pächter Gunther Ermisch weiß zwar um die Wasserprobleme des Gewässers, will hier perspektivisch aber trotzdem weiter Fischzucht betreiben. © André Schulze

Zugleich steige das Risiko, dass sich die Talsperre in den normalerweise niederschlagsreichen Winter- und Frühlingsmonaten nicht wieder bis zum Stauziel auffüllen könne, führt sie weiter aus. "Das war zum Beispiel im letzten Jahr der Fall."

Gerade weil der Wasserbedarf in der Region aber schon jetzt sehr hoch ist und mit den im Zuge des Strukturwandels erhofften Wirtschaftsansiedlungen wahrscheinlich noch steigt, wird das in der Talsperre Quitzdorf - und den anderen Reservoirs - gespeicherte Wasser mithilfe eines länderübergreifenden Wassermanagements verteilt. Mit bei Dürre ernsten Folgen: "Sollte sich die Wasserknappheit künftig verschärfen, steigt auch das Spannungsfeld zwischen den unterschiedlichen Nutzungen", stellt Katrin Schöne klar. Denn die Aufgaben der großen Wasserspeicher in Ostsachsen - neben Quitzdorf vor allem noch Bautzen - seien neben dem Hochwasserschutz die Bereitstellung von Brauchwasser und das Regulieren der Flusspegel im Unterlauf. "Aber auch Naturschutz, Erholung, Binnenfischerei und teilweise Energiegewinnung spielen eine Rolle."

Bald noch mehr Quitzdorfer Wasser für Spreewald nötig

Vor allem die Teichwirte blicken mit Sorge auf die Folgen des Klimawandels. Nach Angaben der Landestalsperrenverwaltung wurden die Wasserabgaben in der Trockenperiode zwischen 2018 und 2020 im Unterlauf der Talsperren Bautzen und Quitzdorf bereits soweit reduziert, dass einige Teiche nicht bewirtschaftet werden konnten. Sollte es in Zukunft häufiger zu solchen Trockenperioden kommen, wäre das fatal für die Fischwirtschaft. Und zugleich für den Spreewald, der zu großen Teilen vom Zulauf aus Sachsen gespeist wird. Brandenburg arbeitet deshalb schon an einem Niedrigwasserkonzept, um die Fließe in dem beliebten Touristengebiet nicht austrocknen zu lassen.

Dem Wassermangel in den Talsperren entgegenzuwirken ist nicht ganz leicht. Zwar gibt es im Freistaat bereits Verbundsysteme. Für die Talsperren Quitzdorf und Bautzen ist dies jedoch keine Option. Zudem spielt auch die im Rahmen des Strukturwandels bevorstehende Schließung weiterer Tagebaue eine Rolle. Bisher machte das abgepumpte Grubenwasser im Sommer den Großteil des für die Spree nötigen Zuflusses aus. Dies wird sich perspektivisch ändern. "Mit dem Wegfall des Bergbaues werden die Wasserpegel der Spree erheblich sinken. Und zwar so lange, bis sich der Wasserhaushalt der Region erholt hat, die Grundwasserabsenkungstrichter aufgefüllt und die letzten Bergbaufolgeseen geflutet sind", erklärt LTV-Sprecherin Schöne. Bis dahin gebe es nur kurz- und mittelfristige Lösungen. Das bedeutet: "Die heutigen Nutzungen müssen auf den Prüfstand gestellt werden." Zudem gebe es Überlegungen, ob Wasser extern aus anderen Einzugsgebieten zugeführt werden kann.

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