merken
PLUS Niesky

Radtouristen kehren zurück zum Neißeradweg-Italiener

Die Enoiteca Martini in Rothenburg musste wie alle Gaststätten sieben Monate schließen. Trotzdem wurde viel gekocht - für den Martinshof.

Von November 2020 bis Juni 2021 war die Enoiteca Martini in Rothenburg coronabedingt geschlossen. Inzwischen freut sich Geschäftsführer Uwe Walter wieder über Gäste - natürlich auch über den Besuch von Radtouristen.
Von November 2020 bis Juni 2021 war die Enoiteca Martini in Rothenburg coronabedingt geschlossen. Inzwischen freut sich Geschäftsführer Uwe Walter wieder über Gäste - natürlich auch über den Besuch von Radtouristen. © André Schulze

Der Neißeradweg ist nur ein paar Meter entfernt. An diesem Augusttag mit seinen herunterprasselnden Regenschauern sind nur wenige Radtouristen unterwegs. Doch auch das ist schon ein Hoffnungsschimmer. Denn Uwe Walter hat ganz andere Zeiten erlebt. Die vergangenen Monate waren für den Chef der Martinshof Rothenburg Küchenbetriebe GmbH, zu der auch das italienische Lokal Enoiteca Martini gehört, nicht leicht zu ertragen.

Anzeige
Handwerk, das unbezahlbar ist!
Handwerk, das unbezahlbar ist!

Mit "Herz und Hand" heißt eine neue Kampagne im UnbezahlbarLand. Sie erklärt genau, warum Handwerker Motor und Rückgrat einer ganzen Region sind.

"Normalerweise machen die Radler zwischen 40 und 50 Prozent unserer Gäste aus. Daran war zuletzt gar nicht zu denken", erzählt der Geschäftsführer. Im ersten Lockdown - im Frühjahr 2020 - war das Restaurant mehrere Wochen geschlossen. Nach der Wiedereröffnung habe das Geschäft bis Ende Oktober ordentlich gebrummt. "Wir dachten, dass wir auch Weihnachten und über den Jahreswechsel weiter öffnen können. Doch dann kam der nächste Lockdown und ab 1. November waren unsere Türen wieder zu", erinnert sich Walter. Sieben Monate, in denen nicht nur die Stammgäste fehlten - auch die Radtouristen wurden schmerzlich vermisst. Und mit dem Dezember traf es überdies die umsatzstärkste Zeit. Denn mit Geschäftsessen, Firmenfeiern und Familien, die sich zum Fest kulinarisch verwöhnen lassen wollen, ist das Restaurant normalerweise ausgebucht.

Bis zu 15 Prozent Umsatz gingen verloren

Rettung in dieser Situation war das andere große Standbein des Unternehmens, das eine 100-prozentige Tochter der Stiftung Diakonie St. Martin ist. Denn trotz der für das Lokal geltenden Einschränkungen wurde eifrig weiter Essen gekocht. Im Alten- und Behindertenbereich des Martinshofes waren weiterhin viele Menschen zu versorgen, das "Essen auf Rädern" und die für Kindertagesstätten zubereiteten Gerichte gingen - je nach Corona-Einschränkungen - allerdings zurück. In normalen Zeiten stellt die Firma täglich rund 1.200 Mittagsportionen her. Frühstücks- und Abendbrotangebote sowie die Köstlichkeiten der Enoiteca Martini mit ihren 30 Plätzen kommen noch hinzu. Durch die zeitweilige Schließung der Gaststätte gingen dem Unternehmen 10 bis 15 Prozent Umsatz verloren.

Die Martinshof Rothenburg Küchenbetriebe GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der Stiftung Diakonie St. Martin. Das Restaurant Enoiteca Martini ist ein Teil davon.
Die Martinshof Rothenburg Küchenbetriebe GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der Stiftung Diakonie St. Martin. Das Restaurant Enoiteca Martini ist ein Teil davon. © André Schulze

Für Uwe Walter bedeutete dies, für seine 75 Mitarbeiter Kurzarbeit einzuführen. Er konzentrierte das auf den Bereich "warme Küche", schickte aber nicht einige Angestellte dauerhaft nach Hause, sondern ließ die Kurzarbeit in der Belegschaft "rotieren". Zwar wurden die Gerichte des Lokals zwischenzeitlich auch für zu Hause angeboten. Doch dies stieß nur auf begrenzte Resonanz. Für den 57-Jährigen verständlich: "Wer möchte sein Rinderfilet schon aus der Assiette holen."

Radtouristen nehmen allmählich wieder zu

Wie "ausgehungert" die Menschen nach den italienischen Spezialitäten der Enoiteca Martini waren, zeigen die Tage Anfang Juni. "Die Leute riefen schon lange an, bevor wir wieder öffnen konnten. Manche wollten unbedingt die Ersten sein", freut sich der Geschäftsführer noch heute über die Verbundenheit der Gäste. Seitdem sei der Andrang ungebrochen groß. Auch die Zahl der Radtouristen nehme allmählich wieder zu. Allerdings: "Früher gab es ganze Pulks, die bei uns eingekehrt sind. Momentan radeln die Leute eher vereinzelt." Noch - schiebt Walter hinterher. Denn er hofft, dass sich das künftig wieder ändert. Dass sich aus den aktuell geschätzten 70 bis 80 Prozent das Vor-Corona-Niveau ergibt.

Für die Zukunft sieht er keinesfalls schwarz, auch wenn die Inzidenzen derzeit wieder steigen. "Covid-19 ist eine Krankheit, mit der wir leben müssen - die gesamte Gesellschaft, aber auch wir als Gastronomen." An eine erneute Komplettschließung glaubt er nicht. "Wenn jeder sich an die Regeln hält und wir alle ein bisschen aufmerksamer sind, dann sollte das auch in den Restaurants künftig funktionieren."

Mehr zum Thema Niesky