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Neißeland plant modernes Leitsystem für Radfahrer

Nummerierte Knotenpunkte könnten die Orientierung erleichtern. Die Oberlausitz wäre damit Vorreiter in Sachsen. In Brandenburg wird schon so geradelt.

Ähnlich der Beschilderung am Werbellin-Kanal im brandenburgischen Wildau könnten die neuen Wegweiser für den Radtourismus auch im Landkreis Görlitz aussehen. Entscheidend ist der rote Knoten mit der Nummerierung.
Ähnlich der Beschilderung am Werbellin-Kanal im brandenburgischen Wildau könnten die neuen Wegweiser für den Radtourismus auch im Landkreis Görlitz aussehen. Entscheidend ist der rote Knoten mit der Nummerierung. © TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Radeln, besonders in der Freizeit, ist stark im Kommen. Doch wer sich zum Beispiel in südlicher Richtung auf dem Neißeradweg abstrampelt, wird - wenn er den Landkreis Görlitz erreicht - mit einer veränderten Beschilderung konfrontiert. Dass dies unpraktisch ist, liegt auf der Hand. Deshalb will das Neißeland nun reagieren und die sogenannte Knotenpunktwegweisung einführen - wie sie bereits in Brandenburg üblich ist. Das hat schon 2013 der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) empfohlen. Doch Sachsen ist diesbezüglich noch immer ein weißer Fleck.

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Gerade aus dem südlichen Brandenburg drängt das System jedoch in die Oberlausitz hinein. Denn Pisten wie der Neiße- oder der Seenlandradweg sind länderübergreifend. Nutzer wundern sich, wenn die Wegweisung an der Landesgrenze endet. Maja Daniel-Rublack hat als Geschäftsführerin der Touristischen Gebietsgemeinschaft (TGG) Neißeland deshalb vor allem aus dem Norden des Landkreises die Bitte vernommen, die Knotenpunkte möglichst flächendeckend auch hier einzuführen. "Wer mit dem Rad im Geopark Muskauer Faltenbogen unterwegs ist, für den bricht dieses Leitsystem mittendrin einfach ab", erklärt sie den momentanen Zustand.

Rote "Gnubbel" sind das markante Kennzeichen

Sichtbares Kennzeichen der Knotenpunktwegweisung sind die roten "Gnubbel" mit der darauf abgedruckten Zahl, die auf den Pfosten schon bestehender Beschilderungen angebracht sind. Hinzu kommt an jedem dieser Punkte eine Übersichtstafel, auf der die Nummern der umliegenden Punkte und die Entfernungen zueinander verzeichnet sind. Der ADFC beschreibt den Vorteil des Leitsystems so: Es erleichtere die Orientierung ganz erheblich. Radtouristen könnten es spontan nutzen, aber auch schon im Vorfeld ihrer Touren in die Routenplanung einbeziehen, indem sie sich alle Knotenpunkte der gewählten Strecke notieren. Das Potenzial des Systems liege vor allem in Regionen mit einem dichten Radwegenetz. Allerdings funktioniere die Knotenwegweisung nur, wenn sämtliche für den Radverkehr nutzbaren Wege zu einem Netz aus lokalen und überregionalen sowie Verbindungen für den Alltagsverkehr verknüpft würden.

Der Rothenburger Klaus Nowotny kennt die Touren rund um die Neißestadt. Für auswärtige Radtouristen wäre das Knotenpunktsystem eine echte Erleichterung, um sich individuelle Routen zusammenzustellen.
Der Rothenburger Klaus Nowotny kennt die Touren rund um die Neißestadt. Für auswärtige Radtouristen wäre das Knotenpunktsystem eine echte Erleichterung, um sich individuelle Routen zusammenzustellen. ©  Archiv/André Schulze

Auch Maja Daniel-Rublack sieht den Nutzen der Idee - besonders für eine mit vielen Radwegen bestückte Region wie die Oberlausitz. "Die Thementouren bleiben komplett bestehen. Aber anhand der Knoten lassen sich individuelle Touren viel besser zusammenstellen", ist sie überzeugt. Die bestehende Beschilderung, sagt sie, bleibe erhalten und werde mit dem Equipment des neuen Systems lediglich ergänzt.

Komplettes Radwegenetz wird einbezogen

Ganz so leicht ist die Umsetzung aber nicht. Aktuell gebe es Gespräche mit den Landkreisen Görlitz und Bautzen, auch die Marketinggesellschaft Oberlausitz (MGO) und sogar das Lausitzer Seenland seien involviert. "Zuerst muss ein Konzept her. Hierzu müssen wir das komplette Radwegenetz in die Betrachtung einbeziehen. Denn an jedem schon bestehenden Beschilderungspfeiler muss ein Knotenpunkt inklusive der zugehörigen Tafel angebracht werden."

Dass die planerische Vorbereitung noch ein bisschen dauern wird, ist in diesem Falle nicht schlimm, sondern sogar günstig. Denn die TGG-Chefin weiß, dass der Freistaat Sachsen im Rahmen seiner weiterentwickelten Radverkehrskonzeption 2022 neue Pfosten setzen will. "Das werden wir abwarten und anschließend für unsere Zwecke nutzen", blickt Maja Daniel-Rublack voraus. Deshalb möchte sie im Laufe des kommenden Jahres das Projekt so weit vorantreiben, dass es 2023 und 2024 umgesetzt werden kann.

Finanzierung über Leader oder Strukturförderung

Allerdings muss auch die Finanzierung bis dahin stehen. Dafür gibt es offenbar verschiedene Möglichkeiten. Zum einen zieht die Tourismusmanagerin Gelder aus dem Kohleausstiegsfonds in Betracht, zum anderen könnten spezielle Fördertöpfe für Radwege angezapft werden. Aber auch über Leader könnte die Umsetzung funktionieren. Zum Beispiel, wenn die TGG Neißeland Antragsteller wäre. Würde das Projekt über die beiden Landkreise verwirklicht werden, müssten verschiedene Leader-Kulissen zusammengefasst werden. "Wir müssen prüfen, was dabei für eine finanzielle Hausnummer zusammenkommt und dann entscheiden, welches der beste Weg für uns ist", so Maja Daniel-Rublack.

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