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Denkmal-Ärger mit Rothenburgs "Russenhaus"

Ein Privat-Investor aus Köln erwarb das Haus, um Wohnungen zu schaffen. Danach erfuhr er, dass es als DDR-Architektur unter Denkmalschutz steht. Es drohen Auflagen.

Ein Kölner hat das sogenannte "Russenhaus" in Rothenburg gekauft und möchte die Wohnungen darin sanieren. Das geht jedoch nur mit Zustimmung des Denkmalschutzes.
Ein Kölner hat das sogenannte "Russenhaus" in Rothenburg gekauft und möchte die Wohnungen darin sanieren. Das geht jedoch nur mit Zustimmung des Denkmalschutzes. © André Schulze

Ein Teil der Fassade hat bereits neue Farbe bekommen. Doch insgesamt sieht das Gelände um das Haus in der Friedensstraße mit den Nummern 146 und 148 ziemlich verwahrlost aus. Der neue Besitzer will das möglichst schnell ändern. Aktuell allerdings weiß er nicht recht, wie es weitergehen soll.

Mehr oder weniger durch Zufall ist der 62-jährige Kölner an die Immobilie gekommen. Er habe den Vorbesitzer gekannt, erzählt er. Und nach dessen Tod hätten ihm die Erben ein Angebot gemacht. "Weil ich schon in Ungarn zwei Häuser auf Vordermann gebracht habe, dachte ich mir: Das schaffe ich hier auch", erinnert er sich an das Jahr 2018. Da nämlich wurde der Kaufvertrag besiegelt. Seitdem aber ist es mit der Sanierung noch nicht richtig vorangegangen. Zwar hat der Eigentümer die meisten Räume inzwischen entrümpelt. Doch draußen häuft sich Müll. Wildgewachsene Bäume stehen dicht am Mauerwerk und müssten wahrscheinlich beseitigt werden. Ein paar verschlissene Holzfenster sind inzwischen durch Kunststofffenster ersetzt. Ein Teil der Fassade ist eingerüstet. Dort leuchtet es rosa von der Wand.

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Im Inneren hat der neue Besitzer die Wohnungen größtenteils entrümpelt. Bis sie wieder nutzbar sind, ist jedoch noch viel zu tun.
Im Inneren hat der neue Besitzer die Wohnungen größtenteils entrümpelt. Bis sie wieder nutzbar sind, ist jedoch noch viel zu tun. © André Schulze

Doch ob und in welchem Umfang er weitermachen darf, ist sich der Mann mit dem Stoppelbart nicht sicher. Denn irgendwann sei eine Frau vom Denkmalschutz aufgetaucht und habe die Veränderungen am Grundstück fotografiert. "Sie hat mir gesagt, dass diese Farbe hier nicht funktioniert und dass es auch sonst einiges zu beachten gibt." Was das genau ist, weiß er nicht. Allerdings ist ihm klar, dass er mit der Behörde reden muss. "Ich hatte ja keine Ahnung, dass das Haus unter Denkmalschutz steht, sonst hätte ich es überhaupt nicht gekauft", poltert der Kölner, der mittlerweile in Steinölsa wohnt. Er sei Handwerker und mache fast alles selbst. Und weil er keinen Ärger mit der Behörde will, möchte er seinen Namen auch nicht in der Zeitung lesen.

Um endlich Klarheit zu bekommen, ist tatsächlich der Kontakt zum Landratsamt der beste Weg. Ziel des Denkmalschutzes sei "die größtmögliche Erhaltung von Ansicht und Substanz eines Kulturdenkmals", erläutert Julia Bjar. "In Abwägung dieses Ziels mit den Interessen des Eigentümers gibt es mehrere genehmigungsfähige Varianten", macht die Kreissprecherin dem Hausbesitzer Hoffnung. Nur: "Wie diese aussehen, kommt immer auf den Einzelfall an. Das betrifft vor allem Fassade, Dach und Fenster." Am besten könne man das im Gespräch erörtern.

In diesem Gebäude wohnten bis kurz nach der Wende sowjetische Offiziere. Seitdem ist das Haus ungenutzt und leer.
In diesem Gebäude wohnten bis kurz nach der Wende sowjetische Offiziere. Seitdem ist das Haus ungenutzt und leer. © André Schulze

Doch warum steht das Gebäude in der kleinen Siedlung kurz vor dem Ortsausgang in Rothenburg überhaupt unter Denkmalschutz? Hierzu hat Bürgermeisterin Heike Böhm bereits ihre Erfahrungen gemacht. "Genau in diesem Haus haben bis kurz nach der Wende sowjetische Offiziere gewohnt, die am Flugplatz stationiert waren", weiß die Rathauschefin. Die drei anderen Häuser des gleichen Bau-Typs wurden von Angehörigen der Nationalen Volksarmee (NVA) genutzt. Alle zusammen, sagt die Bürgermeisterin, seien etwa in den 1950er-Jahren errichtet worden, als auch der nur wenige hundert Meter entfernte Flugplatz entstand. Genau diese Umstände machen die Immobilien in den Augen des Denkmalschutzes so erhaltungswürdig. Julia Bjar bestätigt das. Damit seien die Wohnhäuser "Zeugnis früherer DDR-Architektur."

Die Stadt Rothenburg erfuhr das, als sie im Zuge der Erweiterung der Polizeihochschule wegen eines eventuellen Abrisses in der Unteren Denkmalschutzbehörde nachfragte. Nach deren Nein musste die Idee, die wegfallende Oberschule nur ein paar Meter weiter neu zu errichten, schon frühzeitig begraben werden, obwohl drei der vier Siedlungshäuser im Besitz der Kommunalen Wohnungswirtschaft (KWW) Rothenburg sind.

Trotzdem kommt jetzt Bewegung in das kleine Wohngebiet. Denn die Stadt möchte sich lieber heute als morgen von den Immobilien trennen. Zwar seien die Wohnungen von Querschnitt und Größe her nicht schlecht, sagt die Bürgermeisterin. Wegen der Lage am Stadtrand gebe es jedoch kaum Mietinteressenten. "Es will einfach keiner dort rausziehen, die Häuser sind zu weit weg vom Schuss." Das sah zu DDR-Zeiten noch anders aus, als hier deutsche und sowjetische Offiziersfamilien wohnten. Der Armee-Kosmos inklusive Flugplatz hatte sogar eine eigene Verkaufsstelle.

Das letzte Haus vor dem Rothenburger Ortsausgang will die Stadt als Eigentümer jetzt veräußern. Einem Angebot von 50.000 Euro stimmten die Stadträte jedoch nicht zu.
Das letzte Haus vor dem Rothenburger Ortsausgang will die Stadt als Eigentümer jetzt veräußern. Einem Angebot von 50.000 Euro stimmten die Stadträte jedoch nicht zu. © André Schulze

Die Unterhaltung der nur schwer nutzbaren Immobilien kostet jedoch viel Geld. Deshalb sollten die Gebäude schon vor Jahren wenigstens vom Strom- und Wassernetz genommen werden. 2015 gab es jedoch plötzlich Bedarf für Asylbewerber. Auf einmal füllte sich das Areal. Auch jetzt wohnen noch einige Familien dort. Der vom Ortseingang her erste Block soll jetzt trotzdem veräußert werden. Dazu haben Stadt und KWW einen Makler eingeschaltet. Offenbar mit Erfolg. Beim jüngsten Stadtrat stand der Verkauf der Immobilie für 50.000 Euro auf der Tagesordnung. Nach Intervention der CDU wurde die Vorlage jedoch weiter im nichtöffentlichen Teil beraten und von dort zurück in den Technischen Ausschuss verwiesen. Hintergrund: Nach SZ-Informationen soll es inzwischen einen weiteren Interessenten geben, der deutlich mehr für die Immobilie bezahlen will.

Der bauwillige Kölner bleibt von all diesen Dingen unberührt. Er will so schnell wie möglich mit der Sanierung weiterkommen. Allerdings dürfte er von den Aktivitäten der Stadt mit betroffen sein. Denn die Denkmalschutzbehörde möchte das Häuser-Ensemble sicher als Ganzes mit möglichst einheitlichem Äußeren erhalten.

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