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Müssen Flugzeug-Oldies neuen Jobs weichen?

Ein Technologiecampus ist für den Rothenburger Flugplatz im Gespräch. Der Museumsverein könnte dadurch einen Vereinsstandort verlieren.

Lara (7) und Stella (5) aus Süßen bei Göppingen bewundern das Cockpit einer MiG 21 im Luftfahrtmuseum Rothenburg. Reinhard Röhle erklärt die Technik.
Lara (7) und Stella (5) aus Süßen bei Göppingen bewundern das Cockpit einer MiG 21 im Luftfahrtmuseum Rothenburg. Reinhard Röhle erklärt die Technik. © André Schulze

Noch stehen sie alle auf dem Gelände des Luftfahrttechnischen Museumsvereins am Rande des Rothenburger Flugplatzes - die ausgedienten Militärflieger, Triebwerke, die alten Fahrzeuge, einschließlich des umfangreichen Infomaterials. Doch wird das dauerhaft möglich sein, muss die Schau etwa umziehen oder sogar aufgelöst werden?

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Reinhard Röhle kann sich noch genau an die Situation vor einigen Jahren erinnern, als chinesische Investoren auf dem Gelände im Rothenburger Norden eine riesige Elektroauto-Fabrik bauen wollten. "Da wären wir weg gewesen. Die Chinesen hätten alles platt gemacht", erinnert sich die "gute Seele" des Vereins an diese ereignisreichen, aber auch bangen Tage. Nun steht erneut ein Umbruch an, der die Chance hat, tatsächlich umgesetzt zu werden. Am Flugplatz soll ein Technologiecampus für Kreislaufwirtschaft entstehen. Flaggschiff ist das Projekt der Elbe Flugzeugwerke zum Recycling ausrangierter Flieger. Darüber hinaus sollen sich in den nächsten Jahren viele andere Firmen ansiedeln und Forschungsinstitute für neue Impulse sorgen.

Verein nutzt am Flugplatz Ansiedlungsfläche

Um den Energiebedarf zu decken, entsteht eine Solarfabrik auf Steinbacher Gemarkung. Denn: Die am Flugplatz vorhandenen Flächen sollen für Ansiedlungszwecke vorgehalten werden. Da stören die schon bestehenden Fotovoltaikanlagen eigentlich ebenso. Wie auch der Verein mit seinen historischen Fliegern. 8.400 Quadratmeter stehen für die Präsentation der Technik zur Verfügung, die einen Einblick in die militärische Geschichte des Standortes erlaubt. "Wir hoffen, dass wir auch künftig hierbleiben können", so Röhle, denn das Angebot habe sich unter den Fans historischer Flugtechnik herumgesprochen und sei auch in der Bevölkerung beliebt.

Eine Sonderausstellung über den Konstrukteur Brunolf Baade ist Herzstück des diesjährigen Museumstages am 11. und 12. September. Reinhard Röhle erläutert Besuchern dann die Verbindung, die seit vielen Jahren zwischen Rothenburg und den Dresdner Flugzeugwe
Eine Sonderausstellung über den Konstrukteur Brunolf Baade ist Herzstück des diesjährigen Museumstages am 11. und 12. September. Reinhard Röhle erläutert Besuchern dann die Verbindung, die seit vielen Jahren zwischen Rothenburg und den Dresdner Flugzeugwe © André Schulze

Ob die Flugzeug-Oldies perspektivisch hier weiter eine Heimat haben, ist indes offen. Thomas Rublack, der in der Flugplatz Rothenburg/Görlitz GmbH als Geschäftsführer die Richtung vorgibt und als Wirtschaftsdezernent des Landkreises auch in das Projekt des Technologiecampus' involviert ist, klärt über die aktuellen Verhältnisse auf. Der momentan gültige Mietvertrag des Vereins laufe bis zum Jahresende und werde jeweils jährlich verlängert. Entscheidend aber ist der Satz, den er anschließend sagt: "Die Fläche des Museums steht gegenwärtig nicht zur Debatte für eine Reservefläche." Gegenwärtig ist jedoch nichts für die Ewigkeit. Sollte ein Investor Bedarf anmelden, müsste der Verein wohl weichen.

Museumstag mit Verbindung zu Elbe Flugzeugwerken

Am 11. September findet aber erstmal der diesjährige Museumstag statt, der unter dem Blickwinkel einer ganz besonderen Verbindung zu den Elbe Flugzeugwerken steht. In einer Sonderausstellung wird der Konstrukteur Brunolf Baade vorgestellt, der entscheidenden Anteil an der Entwicklung des ersten deutschen Verkehrsflugzeuges mit Turbinen-Luftstrahl-Antrieb hatte. Mehrere Prototypen wurden von der "152" in Dresden gebaut. Schon der zweite Testflug endete jedoch 1959 bei Ottendorf-Okrilla im Fiasko und war Anlass dafür, die kühne Idee zwei Jahre später schon wieder zu beenden.

Die Rümpfe der damals ausrangierten Prototypen wurden auf mehrere Flughäfen verteilt. Auch Rothenburg bekam einen. Hier wurde er zweckentfremdet als Lager genutzt und kam in den 1990er-Jahren als einzig erhalten gebliebenes Exemplar wieder nach Dresden. Dort ist das inzwischen restaurierte historische Teil im Terminal des Flughafens zu sehen.

Museumstage am 11. und 12. September auf dem Flugplatz Rothenburg

jeweils ab 10 Uhr, Ausstellung "Brunolf Baade - ein deutscher Luftfahrtpionier und Mitentwickler der '152'",

11. September, 11 Uhr, Vortrag "Zivile Nutzung von MiG, L39 und Mi14 nach 1990"; 15 Uhr, Vortrag "Aufbau und jähes Ende der zivilen Luftfahrtindustrie in der DDR". Beide Vorträge finden im Flughafenrestaurant statt.

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