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Bekommt Rothenburg einen Wellness-Tempel?

Die Bürger wollen es, unter den Stadträten wird das Thema auch schon diskutiert. Doch wie stehen die Chancen für ein solches Projekt?

Wird die Schwimmhalle in Rothenburg durch Wellness-Angebote wie Massage, Physiotherapie und Sauna ergänzt? Strukturwandelgelder könnten es möglich machen.
Wird die Schwimmhalle in Rothenburg durch Wellness-Angebote wie Massage, Physiotherapie und Sauna ergänzt? Strukturwandelgelder könnten es möglich machen. © André Schulze

In den Sommerferien war Ruhe in der Rothenburger Schwimmhalle. Pause. Zeit zum Durchschnaufen und für kleinere Reparaturen. Ginge es nach dem Willen vieler Bürger in der Neißestadt, gäbe es hier schon bald emsige Bauaktivitäten. Denn die Befragung der Einwohnerschaft für die Zukunftsstrategie der Stadt hat - neben anderen - deutlich den Wunsch "Wellness" in Rothenburg ergeben. Und auch unter den Stadträten wurde der spritzige, aber auch erholsame Punkt bereits thematisiert.

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Doch wie stehen die Chancen auf Sauna, Massage & Co? Bürgermeisterin Heike Böhm sieht dies skeptisch. "Angesichts vieler Projekte müssen wir Prioritäten setzen", sagt die Rathauschefin. Das Thema Schwimmhalle habe in Verbindung mit Wellnessangeboten da zurzeit keine Priorität.

An der Technik für einen Rothenburger Wellness-Tempel wird hier noch nicht gearbeitet. Stadtwerke-Betriebsleiter Ulrich Engelmann (links) und Projektverantwortlicher Thomas Senger koordinieren die Modernisierung des Heizhauses in der Friedensstraße.
An der Technik für einen Rothenburger Wellness-Tempel wird hier noch nicht gearbeitet. Stadtwerke-Betriebsleiter Ulrich Engelmann (links) und Projektverantwortlicher Thomas Senger koordinieren die Modernisierung des Heizhauses in der Friedensstraße. © André Schulze

Wäre die Schwimmhalle zu klein für Wellness?

Auch Ulrich Engelmann glaubt nicht, dass dieses Thema in Kürze auf die Tagesordnung kommt. "Wir haben in Rothenburg Projekte vor uns, die momentan viel wichtiger sind", stellt der Betriebsleiter der Stadtwerke klar, die auch Betreiber der Schwimmhalle sind. Dabei denkt er an die bekannten "Baustellen" in der Stadt: Schulkomplex, Sporthalle und Bürgerzentrum. Hier würden über Jahre hinweg viele Millionen investiert. Und dann noch ein Wellness-Tempel? "Rothenburg hat eine kleine Verwaltung, die jede Menge Aufgaben erledigen muss. Wenn das noch dazukäme - ich weiß nicht, ob das zu schaffen wäre."

Außerdem, meint der Fachmann, seien bei solch einem Vorhaben viele Dinge zu beachten. Eine der wichtigsten Fragen: Würden die Sauna-Angebote überhaupt in die Schwimmhalle passen oder käme ein - sicher nicht billiger - Anbau hinzu? "Ich habe meine Zweifel, dass sich Wellness in die vorhandene Bausubstanz einordnen lassen würde", so Engelmann. Allerdings sei das Objekt für den bestehenden Bedarf viel wichtiger: "Schwimmen lernen, Schul- und Freizeitschwimmen, außerdem das Training der Polizeistudenten. Das alles bindet Kraft genug", ist er überzeugt.

Die räumliche Nähe zwischen Heizhaus (rechts) und Schwimmhalle legt nahe, dass die Versorgung zusätzlicher Wellness-Einrichtungen mit Wärme möglich wäre.
Die räumliche Nähe zwischen Heizhaus (rechts) und Schwimmhalle legt nahe, dass die Versorgung zusätzlicher Wellness-Einrichtungen mit Wärme möglich wäre. © André Schulze

Dass die Idee eines Wellness-Tempels aber nicht ganz abwegig ist, zeigt ein Blick nach Hoyerswerda. Dort soll das Lausitzbad für 20 Millionen Euro modernisiert und erweitert werden - mit Geld, das aus Mitteln des Strukturstärkungsgesetzes fließt. Uwe Garack, der bei der kreiseigenen Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz (Eno) Kommunen zu Strukturwandel-Projekten berät und gleichzeitig im Rothenburger Stadtrat sitzt, ist deshalb auch hin- und hergerissen. Denn: Oberste Prämisse für den Einsatz von Kohleausstiegsgeldern sei die Schaffung von Arbeitsplätzen. "Wenn wir die bei Massage, Sauna und Physiotherapie schaffen könnten, wäre dies gegeben." Er sieht das Projekt Wellness deshalb unter dem Aspekt Strukturwandel durchaus mit Chancen. "Es ist sicherlich nicht so vordringlich wie aktuell Schule und Sporthalle. Aber man könnte es vorantreiben und anschließend auf die Maßnahmeliste setzen." Denn Strukturhilfen werden bis 2038 gezahlt.

Eine Million Euro für die Heizhaus-Modernisierung

Am Rande der Schwimmhalle wird aber schon jetzt gebaut. Dies habe jedoch nichts mit Wellness zu tun, versichert Stadtwerke-Chef Engelmann. Vielmehr gehe es um die Modernisierung des Heizhauses, das für die Wärmeversorgung des Hochschulstandortes, der Firmen im angrenzenden Gewerbegebiet, der Mehrfamilienhäuser am Ende der Friedensstraße, aber auch von Sport- und Schwimmhalle zuständig ist. Die Stadtwerke investieren in das Projekt etwa eine Million Euro. Davon fließen 200.000 Euro aus einem Fördertopf des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Den Rest bestreitet das kommunale Unternehmen aus Eigenmitteln.

Bis Jahresende soll die Umrüstung des Heizhauses an der Friedensstraße fertig sein. Laut Ulrich Engelmann, dem Betriebsleiter der Stadtwerke, könnte verspätet geliefertes Material aber noch zu Verzögerungen führen.
Bis Jahresende soll die Umrüstung des Heizhauses an der Friedensstraße fertig sein. Laut Ulrich Engelmann, dem Betriebsleiter der Stadtwerke, könnte verspätet geliefertes Material aber noch zu Verzögerungen führen. © André Schulze

Die Stadtwerke reagieren mit dem Bauvorhaben auf zwei Punkte: Zum einen ist das Heizhaus in seiner bisherigen Form und Arbeitsweise verschlissen. Zum anderen hat die Polizeihochschule infolge ihrer Erweiterung perspektivisch höheren Bedarf angemeldet. Bisher wurde die hier gewonnene Fernwärme mit einer Kombination aus Gas und Öl erzeugt. Künftig werden Gas und Pellets eingesetzt. Damit wird das Objekt teilweise umgestellt auf erneuerbare Energien.

Knappes Material könnte zu Verzögerungen führen

Gebaut wird bei laufendem Betrieb. Man könne aber den im Sommer sowieso geringeren Bedarf jederzeit decken, verspricht Engelmann. Begonnen wurde bereits im Mai, die Fertigstellung ist für das Jahresende vorgesehen. Allerdings könnte sich das noch verzögern, sollte sich die aktuelle Materialknappheit zum echten Problem auswachsen. Vor allem bei Stahl und Betonplatten seien die bestellten Lieferungen laut Engelmann nicht abzusehen.

Das neue Heizwerk ist ausgelegt für jährlich maximal 5.000 bis 7.000 Megawattstunden. Mit dieser Auslastung rechnet der Betriebsleiter der Stadtwerke aber vorerst nicht. Denn auf dem Hochschulcampus sei bisher fast nur abgerissen worden. Bis die neuen Gebäude versorgt werden müssten, dauere es noch. Zudem seien solche Objekte nicht mehr mit früheren zu vergleichen. "Die benötigen nur noch einen Bruchteil der Energie."

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