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Bibliothek macht Lust auf mehr in Rothenburgs Süden

Nach den guten Erfahrungen in der Innenstadt will die Stadt ein neues Sanierungsgebiet ausweisen. Davon profitieren Hauseigentümer.

Von Frank-Uwe Michel
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Bibliotheksleiterin Eveline Neumann ist froh, dass das historische Gebäude Teil des städtischen Sanierungsgebietes Innenstadt war. Deshalb konnte es umfassend saniert werden.
Bibliotheksleiterin Eveline Neumann ist froh, dass das historische Gebäude Teil des städtischen Sanierungsgebietes Innenstadt war. Deshalb konnte es umfassend saniert werden. © André Schulze

Eveline Neumann fühlt sich wohl in dem alten Haus in der Brunnengasse. Eigentümerin - das ist sie nicht. Wohl aber Hausherrin. Und Verwalterin von tausenden Büchern. Die 64-Jährige ist Chefin der Rothenburger Stadtbibliothek - und froh, dass die Einrichtung in einem der historisch wertvollsten Gebäude der Neißestadt untergebracht ist. In einem Objekt, das schon vor Jahren von der Förderkulisse für die Innenstadt profitiert hat. Und das nun Vorbild sein kann für einen erneuten Vorstoß der Kommune, die auch in der Südstadt ein Sanierungsgebiet einrichten will.

Das Bibliotheksgebäude hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Um 1800 nach dem letzten großen Stadtbrand von 1798 als Wohnhaus erbaut, hatte es vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg die unterschiedlichsten Nutzer. So war hier einst der Papierladen und Postkartenverlag von Otto Zschiedrich untergebracht. Der Volkseigene Erfassungs- und Aufkaufbetrieb (VEAB) unterhielt in den 1950er und 60er Jahren eine Abnahmestelle für Hühnerhalter, die ihre Eier loswerden wollten. In einem Anbau hatte sich die Druckerei Stelzer etabliert. Und auch die Bibliothek war in der frühen DDR schon einmal hier untergebracht. Sogar eine Band nutzte die Räumlichkeiten für Proben. Nach der Wende zog zuerst eine Videothek ein.

Knapp 15 Millionen Euro in der Innenstadt investiert

1996 entschied die Stadt, in der Innenstadt ein Sanierungsgebiet auszuweisen. Das altehrwürdige Haus in der Brunnengasse war eines der ersten, das mit den in der Folge fließenden Fördergeldern saniert wurde. "1998", erinnert sich Eveline Neumann, "sind wir in die völlig überarbeiteten Räume zurückgekehrt." Die Zustände davor kennt sie noch ganz genau. "Baulich war das ein Desaster. Es wurde ja lange Zeit nichts gemacht, das Gebäude war eben heruntergekommen."

22 Jahre existierte das Sanierungsgebiet. Erst im Februar 2018 beschloss der Stadtrat, es aufzuheben. Die Gesamtinvestition in dieser Zeit belief sich auf rund 14,9 Millionen Euro, davon flossen 5,8 Millionen als Fördermittel. Bund und Land beteiligten sich an dieser Summe mit zusammen 3,8 Millionen Euro. Die Stadt schoss insgesamt etwa 2,7 Millionen Euro Eigenmittel zu. Bürgermeisterin Heike Böhm blickt gern auf diese Zeit zurück. Man habe das Stadtbild verbessern können und die Attraktivität der Altstadt erhöht, hebt sie die Ergebnisse des Programms hervor. Neben privaten Projekten habe auch die kommunale Infrastruktur profitiert. "Mit Hilfe der Städtebauförderung konnten wir Straßen, Wege und Plätze grundhaft instand setzen und neu gestalten. Öffentliche Einrichtungen von Verwaltung, Kirche sowie für soziale und kulturelle Zwecke wurden ebenfalls saniert." Darunter eben auch Bibliothek und Museum.

Nach dem Abschluss des Sanierungsgebietes Innenstadt will Rothenburg ein weiteres Gebiet umfassend erneuern und umgestalten: die Südstadt mit der Südstraße und den großen Wohnblöcken als wesentliche Punkte.
Nach dem Abschluss des Sanierungsgebietes Innenstadt will Rothenburg ein weiteres Gebiet umfassend erneuern und umgestalten: die Südstadt mit der Südstraße und den großen Wohnblöcken als wesentliche Punkte. © André Schulze

Die guten Erfahrungen haben die Stadt nun auf die Idee gebracht, das Förderszenario unter ähnlichen Vorzeichen zu wiederholen. Allerdings wird nun ein anderes Gebiet in Angriff genommen: die Südstadt - von der Martin-Ulbrich-Straße bis zur Theodor-Stock-Straße. Marlen Kolodziej, Fachbereichsleiterin Bau und Finanzen, erklärt das Vorhaben mit einem neuen Programmaufruf für das Jahr 2022. Drei Fördermöglichkeiten gebe es.

Um zu klären, welche Variante die günstigste für Rothenburg ist, sollen die Planer der Kommunalentwicklung Mitteldeutschland (KEM) ein - wie es im Fachdeutsch heißt - "teilräumliches Entwicklungskonzept" erarbeiten. Darin wird das neue künftige Sanierungsgebiet in allen Einzelteilen unter die Lupe genommen. Es geht um Statistiken, Auswertungen und Analysen. "Natürlich sollen sich aus diesen Daten auch konkrete Maßnahmen ergeben. Mit denen wird der Antrag für Gelder aus dem für unsere Belange günstigsten Fördertopf dann untersetzt", erklärt Kolodziej.

Städtebau würde einen Schub bekommen

Vorstellbare Projekte in der Südstadt sind die Verbesserung der Infrastruktur, von Straßen und Regenwasserableitungen. Natürlich wird auch die Gebäudesubstanz in die Betrachtungen mit einbezogen - zum Beispiel die riesigen Wohnblöcke in der Südstraße, die sich in privatem oder kommunalem Besitz befinden. Ebenso der Feuerwehrkomplex. Nicht zu vergessen Spielplätze und Grünflächen. Marlen Kolodziej: "Wir können hier richtig etwas für den Städtebau tun. Nach Bedarf neu ordnen, wie dies aus städtischer Sicht am günstigsten erscheint."

Allerdings ist Eile geboten. Erst am 26. August wurde das neue Förderprogramm mit seiner Veröffentlichung bekannt gemacht. Rothenburg hat daraufhin schnell reagiert und der Stadtrat schon in seiner Oktober-Sitzung die Vergabe der Planausarbeitung beschlossen. Die KEM hat nun lediglich ein paar Wochen Zeit, denn schon bis zum 28. Januar 2022 muss der Antrag bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) sein. Rund 13.000 Euro lässt sich die Kommune die Kompetenz der Dresdner Planer kosten, "denn die Verwaltung im Rathaus würde das allein gar nicht schaffen", weist die Fachbereichsleiterin angesichts von Großprojekten wie Schule und Sporthalle auf die Notwendigkeit für diese Vergabe hin.

Reichen 60 Millionen in Sachsen für alle Wünsche?

Ob Rothenburg von einem der drei Fördertöpfe profitieren kann, steht mit der Abgabe der Antragsunterlagen aber noch nicht fest. Denn neben der Neißestadt werden sich auch andere Kommunen im Freistaat die Chance auf zusätzliche Gelder nicht entgehen lassen. Zudem ist das Programm laut Marlen Kolodziej nur mit rund 60 Millionen Euro untersetzt. Möglicherweise zu wenig, um alle Sanierungswünsche der sächsischen Städte zu erfüllen. "Ich rechne damit, dass wir im September oder Oktober 2022 erfahren, ob wir die Südstadt in Angriff nehmen können", so die Fachbereichsleiterin.