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Kreis Görlitz: Sachsen fördert grünes Industrieprojekt

Am Kraftwerk Boxberg soll die Produktion von grünen Carbonfasern neue Jobs bringen. Zugleich gibt es neue Pläne für Niesky.

Das war im September, als die Absichtserklärung für das neue Forschungszentrum in Boxberg unterzeichnet wurde.
Das war im September, als die Absichtserklärung für das neue Forschungszentrum in Boxberg unterzeichnet wurde. © Johannes Rehle

Grüne Carbonfasern für Bauteile in Flugzeugen, Sportgeräten, Windkraftanlagen, in Tennisschlägern oder gar für den Brückenbau - daran forschen Wissenschaftler in Potsdam und Chemnitz - und bald auch in Boxberg. Schon im September gaben Freistaat und der Energieriese Leag grünes Licht für ein Forschungszentrum. Nun hat der Freistaat 300.000 Euro zur Verfügung gestellt, um eine Machbarkeitsstudie für dieses Zentrum unter dem Namen "InnoCarbEnergy" zu erstellen.

Es ist das allererste Strukturwandelprojekt für die Braunkohlereviere in Sachsen, das nun bewilligt wurde, bestätigte Sachsens Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt am Dienstag.

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Mit der Studie wird die Technische Universität Chemnitz beauftragt, die gemeinsam mit Fraunhofer-Instituten die neuen Perspektiven mit der Energie Kraftwerk AG und Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) für Boxberg entwickeln wird. An all den Instituten wird seit Jahren daran geforscht, das Gewicht von Bauteilen für Flugzeuge oder Autos durch den Einsatz von Carbonfasern leichter zu machen, damit zu deren Bewegung auch weniger Energie nötig ist. Bislang ist die Herstellung von Carbonfasern sehr teuer, meist rechnet sich ihr Einsatz noch nicht. Das soll sich nun ändern, zugleich sollen statt Erdöl verstärkt nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz kommen. So könnte ein Beitrag zum Einsparen von Kohlendioxid geleistet werden. Vergleichbare Forschungszentren, wie in Boxberg geplant, gibt es derzeit nur bei Melbourne und in den USA, wo sie aber militärischen Zielen dienen.

Die nun nötige Studie soll den Standort untersuchen, die Kosten schätzen und die wirtschaftlichen Aussichten prognostizieren. Als im September ein Kooperationsvertrag in Boxberg unterzeichnet wurde, hofften die Beteiligten auf einen ersten Spatenstich für den Neubaukomplex im September 2021. Dabei handelt es sich um eine Forschungs-Pilotlinie zur Herstellung von Carbonfasern, etwas später soll sie erweitert werden um Teststrecken für den Einsatz der Fasern in der Textilindustrie und Kunststofftechnik.

Vier Jahre später könnten die ersten Unternehmen sich ansiedeln, um dann tatsächlich grüne Carbonfasern für Bauteile zu verwenden. Künftig sollen 100 Tonnen dieser Fasern in Boxberg produziert werden.

Schwierigkeiten beim Bahntestzentrum für Niesky

Mit den Fördergeldern für die Machbarkeitsstudie hat der Freistaat auch relativ zeitnah der Ankündigung vom September Taten folgen lassen und das Projekt offensiv kommuniziert. Wie wichtig das ist, zeigt die Entwicklung um das Bahntestzentrum Tetis bei Niesky, das ebenso als eines der großen Strukturwandelprojekte für die Oberlausitz bereits im Juni angekündigt wurde. Seitdem ist kaum noch etwas zu hören, das Wirtschaftsministerium ließ jüngst nur mitteilen, man suche einen Investor für das Bahntestzentrum, das in der Nähe von Niesky errichtet werden und künftig für den Test neuartiger Hochgeschwindigkeitszüge dienen soll.

Stattdessen hat sich in Niesky Widerstand gegen das Projekt aufgebaut. Zu viel Lärm, zu wenig Informationen - lauten nur zwei der wichtigsten Vorwürfe, gegen die auch die Kommunalpolitiker nur wenig einwenden konnten. Allerdings ist Nieskys Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann mit ihrem Stadtrat einig, dass das Projekt nicht gefährdet werden soll. Niesky erhofft sich einige neue Industriearbeitsplätze davon.

Vorschlag: Neues Holzbauzentrum nach Niesky

Claudia Wieltsch im Wachsmannhaus in Niesky mit einem Modell von Fertigteilbauten und am Reissbrett, an dem schon Wachsmann gestanden haben soll.
Claudia Wieltsch im Wachsmannhaus in Niesky mit einem Modell von Fertigteilbauten und am Reissbrett, an dem schon Wachsmann gestanden haben soll. © André Schulze

Das ist auch das Ziel eines Vorstoßes von Landtagsabgeordnetin Antonia Mertsching aus Weißwasser, die zugleich Vorsitzende der Linkspartei im Kreis Görlitz ist. Sie schlägt Niesky als Sitz des neuen Holzbaukompetenzzentrums vor, für das der Landtag jetzt den Weg freigemacht hat. "Forschung und Entwicklung sollen in der Nieskyer Region angesiedelt werden, da sie eine lange Tradition im Holzbau hat", erklärt Frau Mertsching.

Tatsächlich ist in Niesky der Wertstoff Holz vor dem Zweiten Weltkrieg für den Bau von Häusern verwendet worden, die Oberlausitz gilt als das Umgebindehausl-Land, wo Holz ebenfalls zum Einsatz kam. In den 1920er Jahren hatte der aufkommende serielle Holzbau mit dem Wirken des Bauhaus-Schülers Konrad Wachsmann in Niesky und den Innovationen der Deutschen Werkstätten Hellerau eine erste Blütezeit.

Niesky ist heute Sitz des Konrad-Wachsmann-Hauses, das zur Verwendung von Holz als Baustoff forscht und ein großes Netzwerk von Partnern aufgebaut hat. Es könnte aus Sicht der Linken die Heimstatt für das neue Kompetenzzentrum für den sächsischen Holzbau werden.

"Jungen Menschen wird damit die Möglichkeit gegeben, eine gute Ausbildung beziehungsweise Studium in einer zukunftsträchtigen und nachhaltigen Industrie aufzunehmen", erklärt Mertsching.

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